Pressebericht fürs Amtsblatt
Rückblick auf das vergangene Jahr beim Verein gegen das Vergessen e. V.
Eine Jahreshauptversammlung ist immer eine gute und passende, und zudem
auch eine verpflichtende Gelegenheit, einen Blick zurück auf das
vergangene Jahr zu werfen. Die Formalitäten waren bei der
Jahreshauptversammlung rasch erledigt; der 1. Vorsitzende des Vereins
gegen das Vergessen e. V., Hartmut Hendrich, nahm sich Zeit für einen
ausführlichen Blick auf alle Ereignisse des Jahres 2025 und auch auf
alles, was bereits im laufenden Jahr 2026 geschehen ist. Wichtig ist
dabei immer der ökumenische Gottesdienst am Anfang eines jeden Jahres
am Tag der Opfer des Faschismus, 27. Januar. Im Jahr 2025 kam der
Musiker Jens Bühring aus Plauen in der Schwarzenbacher St.
Gumbertuskirche, er erklärte und trug einige Lieder vor, die von den in
Konzentrationslagern inhaftierten Menschen überliefert sind. Zusammen
mit der Liturgie und dem Orgelspiel von Christine Findeis-Dorn entstand
eine bewegende Stimmung.
13. April 2025: an diesem Tag beging man in Helmbrechts den 80.
Jahrestag des Beginns des Todesmarsches vom KZ Helmbrechts nach Volary.
1170 Mädchen und Frauen wurden auf den Weg gezwungen, viele bezahlten
mit ihrem Leben. Ganz besonders erwähnt werden muss, dass zu diesem
Jahrestag wieder eine Delegation aus Volary nach Helmbrechts gekommen
war. Am 10. Mai 2025 wurde eine Ausstellung in der Hofer Stadtbücherei
eröffnet, mit der an die Bücherverbrennungen des Jahres 1933 erinnert
wurde. "Verbrannte Orte" wurden gezeigt und von Jan Schenk,
dem Fotografen und Kurator erläutert. Nanne Wienands hatte im
Rahmen einer "Trilogie" in Bad Weißenstadt die Gedenkstätte "Langer
Gang" in einem Vortrag vorgestellt, und alle mitwirkenden Künstler und
auch die damalige Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla in die
Gedenkstätte eingeladen. Eine Laufgruppe besuchte den "Langen Gang"
ebenfalls einige Tage später, die jungen Leute waren unterwegs von
Dachau nach Auschwitz und informierten sich über die Gedenkstätten an
diesem Weg. Mitglieder des Vereins gegen das Vergessen nahmen an den
Demokratieveranstaltungen in Mödlareuth am 3. Oktober 2025 und in
Wunsiedel am 15. November 2025 teil, sowie an einem Vortrag
des Journalisten und Autor Peter Engelbrecht in Feilitzsch.
Guten Kontakt hielt man zur Allianz gegen Rechtsextremismus in der
Metropolregion Nürnberg, sowie zu den Arolsen Archives in Bad Arolsen.
Dankbarkeit für die Unterstützung von "Demokratie leben!" begleitete
diese Rückschau. 122 Besucherinnen und Besucher wurden während des
Jahres 2025 in der Gedenkstätte "Langer Gang" gezählt.
Einen Erinnerungsabend für alle Mitglieder und Freunde des Vereins
hatte man bereits im Frühjahr 2025 organisiert; Günter Niepel hatte
eine umfangreiche Bilderserie zusammengestellt, die die vergangenen 25
Jahre seit Bestehen des Vereins veranschaulichten. Im Jahr 2025 hatten
sechs Vorstandssitzungen stattgefunden, und auf diese stabile
Zusammenarbeit konnte auch bereits das Jahr 2026 bauen.
Besondere Ereignisse im laufenden Jahr 2026 waren neben den
traditionellen Terminen im Januar und April der Besuch von zwei
Schulklassen im "Langen Gang"; die Klassen arbeiteten und diskutierten
jeweils drei Stunden mit Günter Niepel und Nanne Wienands im
Evangelischen Gemeindehaus und in der Gedenkstätte. Zum Tag der
Bücherverbrennungen hörten die Besucherinnen und Besucher eine
interessante Lesung von Dr. Hannah Miska aus dem Buch "Der stille
Handel". Ein Gedenken an Hans Grüner an dessen Grabstein auf dem
Schwarzenbacher Friedhof brachte viele neue Erkenntnis zu seinem
Lebenslauf. 70 interessierte Menschen sahen im Hofer CentralKino den
Film "Wo ist Anne Frank", den der Verein anlässlich des 97. Geburtstag
von Anne Frank zeigte. Dankbar äußerten sich die Vereins
mitglieder zur Pflege des Beetes mit weißen Rosen auf dem
Schulhof der Geschwister-Scholl-Mittelschule in Schwarzenbach; die
Siedler unter der Obhut von Reinhard Walter haben sich darum gekümmert.
Große
Ereignisse werfen jetzt bereits ihre Schatten voraus: Ende März 2027
wird im Foyer des Hofer Theaters eine Ausstellung mit dem Titel "Der
Schmerz der Befreiung" gezeigt; daran wird bereits heute gearbeitet.
Im Anschluss an diese inhaltlichen Vereinsthemen erläuterte Kassiererin
Regina Scholz die Kassenlage; Gabriela Möckel und Bertram Popp hatten
die Kasse geprüft und nichts zu beanstanden. Auf Antrag von Gabriela
Möckel wurde der Vorstand einstimmig entlastet. Da sich niemand für die
Übernahme des Schriftführers bereit erklärte, bleibt diese Aufgabe
weiterhin kommissarisch bei der 2. Vorsitzenden, Nanne Wienands.
Hartmut Hendrich erläuterte, dass man genügend Material gesammelt habe,
um einen weiteren Band der bereits vorliegenden Dokumentation
herauszugeben; allerdings brauche man dazu Zeit und finanzielle Mittel:
beides sei im Moment nicht vorstellbar. Trotzdem werde diese Option im
Auge behalten. Der Abend endete mit dem Beschluss, den Mitgliedsbeitrag
in der bisherigen Höhe zu belassen. Erster Vorsitzender Hartmut
Hendrich bedankte sich bei allen Vorstandsmitgliedern für die gute
Zusammenarbeit.
Bei der nächsten Öffnung der Gedenkstätte am Sonntag, 2. August 2026
besteht für alle Interessierten die Möglichkeit Mitglied im "Verein
gegen das Vergessen" zu werden.
Das Bild zeigt den Vorstand des Vereins mit einigen Besucherinnen bei
der Jahreshauptversammlung.
Obere Reihe vlnr: Francesca Hilgner, Margot Sengenberger,
Günter Niepel, Eva Petermann, Hartmut Hendrich
Untere Reihe vlnr: Mirjam Drechsel, Regina Scholz, Gabriela Möckel,
Nanne Wienands
Pressebericht
"Wo ist Anne Frank" — Filmfaszination im CentralKino
Hof
Anne Frank hat ihr Tagebuch nicht geschrieben, um ein
Anne-Frank-Krankenhaus, eine Anne-Frank-Straße, eine Anne-Frank-Schule,
eine Anne-Frank-Bücherei oder ein Anne-Frank-Theater hervorzubringen.
Anne Frank hat ihr Tagebuch geschrieben, um Gerechtigkeit in die Welt
zu bringen, und um Kindern und Erwachsenen ein Leben in Frieden und
Freiheit zu ermöglichen. Um jedem Menschen die Möglichkeit zu geben,
dort zu leben, wo er leben möchte, so wie er leben möchte.
Das ist die Quintessenz des Filmes "Wo ist Anne Frank", der vergangene
Woche vom Verein gegen das Vergessen e. V. in Kooperation mit dem Hofer
CentralKino und mit Unterstützung von "Demokratie leben!" gezeigt
wurde. Ein Animationsfilm von Regisseur Ari Folman, der sich auf eine
ganz andere Art wie es bisher üblich war mit dem Thema der
Judenverfolgungen im Dritten Reich, mit den Verbrechen der
Nationalsozialisten und den furchtbaren und tödlichen Folgen für alle
Betroffenen auseinandersetzt. Der Film feierte im Juli 2021 bei den
Internationalen
Filmfestspielen von Cannes Premiere und kam im
Februar 2023 in die deutschen Kinos. Die Verbindungen in die Gegenwart,
in der der Begriff "Deportation" wieder erschreckend gebräuchlich
geworden ist, erscheint logisch und naheliegend, die jungen Menschen
sehen die Zusammenhänge klarer als die Erwachsenen um sie herum. Die
technischen Möglichkeiten eines Animationsfilmes zeigen die positiven
Seiten einer künstlichen Bilderschau, wie sie märchenhaft wirken,
aufgrund der brutalen und schonungslosen Grundlagen aber gleichzeitig
eine tiefe Schwere verdeutlichen.
Kitty, die imaginäre Freundin von Anne Frank, an die sie sich in ihrem
Tagebuch beständig wendet und der sie alle Fragen und Gedanken
anvertraut, wird im Film zum Leben erweckt. Kitty wird lebendig,
beobachtet die Touristen, die sich heute durch das Haus in Amsterdam
schieben, in dem die Familie Frank von Juli 1942 bis August 1944
versteckt leben musste; zusammen mit weiteren Personen in bedrängender
Enge und ohne das Haus verlassen zu können. Kitty lernt Peter kennen,
der sie mit der heutigen Welt vertraut macht, sie erlebt die
romantischen Gefühle, die auch Anne Frank in ihrem Versteck
kennenlernte. Beide lernen voneinander Vergangenheit und Gegenwart.
Für die über 60 Zuschauerinnen und Zuschauer im Hofer Kino, jung und
alt, war der beeindruckende Film das Urteil wert "dieser Film müsste in
den Schulen und im normalen Kinoprogramm gezeigt werden." Ja - müsste.
Eigentlich.
Verein
gegen das Vergessen e. V.
hier: Nanne Wienands,
Martinlamitzer Str. 1, 95126 Schwarzenbach/Saale
fürs das Amtsblatt
"Der stille Handel" Lesung zum Tag der Bücherverbrennungen
Am vergangenen Sonntag, 10. Mai 1933, also vor 93 Jahren wurden in
Deutschland Bücher von Tausenden Autorinnen und Autoren auf große
Haufen geworfen und verbrannt. Ihre Gedanken und Geschichten
passten nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten.
Um daran zu erinnern und um die Geschehnisse von damals nicht in
Vergessenheit geraten zu lassen, hatte der Verein gegen das Vergessen
Frau Dr. Hannah Miska eingeladen, die im Schwarzenbacher
PolkaCafè die Geschichte des Alfred Roßner erzählte
und aus ihrem Buch "Der stille Handel" las. Das Buch als
solches war das verbindende Element zur Bedeutung des Tages, betonten
Hartmut Hendrich und Nanne Wienands bei der Begrüßung der Gäste und der
Referentin.
Alfred Roßner. Seine Geschichte ist - wo immer man auch hinkommt -
unbekannt. Er wurde am 17. Dezember 1906 in Oelsnitz geboren, ist in
Falkenstein aufgewachsen. Nach Schul- und Berufsausbildung übernimmt er
1940 die Textilfabrik seines besten Freundes, auf dessen erklärten
Wunsch hin. Er "arisiert" damit einen jüdischen Betrieb im
oberschlesischen Bendzin/Bedzin/Bendsburg. Der Ort liegt nicht weit
entfernt von Auschwitz. Roßner erkennt schnell die Notlage seines
jüdischen Freundes und die Bedrohung der Bevölkerung durch die Nazis,
die Angst und Schrecken verbreiten. Hunger und Verfolgung prägen den
Alltag der jüdischen und polnischen Menschen. Roßner hilft, in dem er
für zahlreiche Menschen Arbeitsplätze in dem Textilbetrieb organisiert
und auch deren Angehörigen Schutz bietet. Eine Romanbiografie hat
Hannah Miska im Jahr 2018 geschrieben, aus der sie bedrückende Passagen
vorliest. Lange war Alfred Roßners Geschichte völlig unbekannt, erst
1995 wurde er von Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" geehrt;
auch dann wird ein Gedenkstein nur klein und unauffällig im hinteren
Teil des Falkensteiner Friedhofs aufgestellt. Roßner wurde nur 37 Jahre
alt. Die Nazis entdeckten sein Tun; er kam im September 1943 in Haft
und starb drei Monate später. Unzählige Einzelheiten hat Hannah Miska
bei ihrer Recherche über das kurze Leben des Alfred Roßner entdeckt und
im Buch anschaulich verarbeitet. Sie stellt immer wieder die Verbindung
her zur Nachkriegszeit und zu den Ereignissen der neueren Geschichte im
Vogtland.
Ganz besonders spannend ist auch die Schilderung, wie sie mit dem
Schicksal Roßners in Berührung kam: sie lernte während ihrer sieben
Jahre währenden Tätigkeit im Jewish-Holocaust-Center Melbourne in
Australien neben vielen anderen betroffenen Menschen eine Überlebende
kennen, Kitia Szpigelman, die von Alfred Roßner berichtet. Die
Interviews mit sechzehn Menschen sind in einem weiteren Buch von Hannah
Miska "So weit wie möglich weg von hier" nachzulesen, auch hier stehen
die schrecklichen Ereignisse des Holocaust im Mittelpunkt, aber auch
die Anstrengungen weiterzuleben. Sehr beeindruckt sitzen die
Besucherinnen und Besucher des Abends noch lange diskutierend
beieinander.
Besuch in der Gedenkstätte Langer Gang
Vor der Stunde der Lesung besuchten die Mitglieder des Plauener Vereins
"Colorido" Steffen Unglaub, Anja Blechschmidt und Torsten Krautwald,
gemeinsam mit Frau Dr. Hannah Miska die Gedenkstätte "Langer
Gang". Die in der Gedenkstätte gezeigten Kunstwerke von
Dietrich Kelterer aus Plauen, Udo Rödel und Professor Klaus Schroeter
aus Münchberg, und die Toncollage von Ludwig Mertel, aber auch die
vielen Details, die Hartmut Hendrich und Nanne Wienands den Besuchern
vermitteln konnten, führten zu weitergehenden Fragen und einer tiefen
Betroffenheit der Besucher. Obwohl sich alle schon seit Jahren intensiv
mit der gesamten Thematik des Antisemitismus und der unmenschlichen
Verbrechen während der Nazi-Diktatur auseinandersetzen, ist es immer
wieder beklemmend, wenn menschliche Schicksale so nahe kommen wie in
der Schwarzenbacher Gedenkstätte.
1170 Mädchen und Frauen mussten am 13. April 1945 in Schwarzenbach
unter freiem Himmel übernachten; sie kamen aus dem
Frauenkonzentrationslager Helmbrechts. Zehn der Frauen überlebten diese
Nacht nicht, sie fanden ihr Grab auf dem Schwarzenbacher Friedhof.
Diesen Todesmarsch, der drei Wochen später im heute tschechischen
Volary endete, überlebten nur wenige. Auch die Befreiung durch
amerikanische Soldaten in Volary überlebten viele Frauen nicht, sie
waren durch die erlebten Strapazen und Misshandlungen zu Tode erschöpft
und starben dort. Dass man heute etliche hundert Namen dieser Frauen
kennt, verdankt man dem späteren Ehemann einer der überlebenden Frauen,
Amalie Reich-Robinson. Der amerikanische GI Bernard Robinson machte es
sich zur Aufgabe, die Namen der Leidensgenossinnen seiner Frau in
Archiven zu suchen und festzuhalten. Von nur ganz wenigen Frauen ist
der Lebenslauf bekannt.
Die Gedenkstätte Langer Gang ist zum Kreisgartentag am kommenden
Sonntagnachmittag geöffnet; ansonsten an jedem ersten Sonntag im Monat
von 14 bis 16 Uhr.

Das Bild zeigt
Frau Dr. Hannah Miska bei der Lesung.
Gedenken an den 80.
Todestag von Hans Grüner
Wer war Hans Grüner? Zu seinem 80. Todestag trafen sich Mitglieder des
Vereins gegen das Vergessen, der VVN-BdA (Verein der Verfolgten des
Naziregimes - Bund der Antifaschisten) und einige interessierte
Bürgerinnen und Bürger Schwarzenbachs am Grabstein von Hans Grüner, der
an der sogenannten Opferreihe des Schwarzenbacher Friedhofs zu finden
ist. Günter Niepel erklärte vorab, dass der Grabstein vor 20 Jahren
überarbeitet und repariert worden war, und wie man zu dem Entschluss
kam, ihn an diese Stelle zu setzen. Randolph Oechslein aus Hof ging auf
das kurze Leben von Hans Grüner ein, der in seinem 36. Lebensjahr in
einem Fürther Krankenhaus verstorben ist.
Hans Grüner wurde am 19. Oktober 1910 in Kirchenlamitz geboren, die
Familie zog bald nach Schwarzenbach/Saale. Hans Grüner wurde in jungen
Jahren Mitglied der KPD, den Nationalsozialisten war diese Partei ein
Dorn im Auge. Dokumente belegen, dass Hans Grüner am 24. April 1933 ins
Konzentrationslager nach Dachau verbracht wurde; er war 22 Ja hre alt.
Offenbar wurde er wieder entlassen, aber im November 1935 nach einem
Streit im Wirtshaus, der Denunziation und einer erneuten Verhaftung
wieder nach Dachau eingeliefert. Dort verbrachte er vier Jahre, bis er
am 27. September 1939 in das berüchtigte Konzentrationslager nach
Mauthausen überstellt wurde. Sein Aufenthalt in Mauthausen ist ab 18.
Februar 1940 aktenkundig; wo er die fünf Monate zwischen diesen
Zeitangaben verbracht hat, ist unklar. Solche Zwischenzeiten werden
häufig bei Häftlingen nachgewiesen. In Mauthausen vier Jahre zu
überleben, grenzt an Unwirklichkeit. Grüner muss körperlich und
psychisch sehr stark gewesen sein, denn er wurde am 10. November 1944
aus dem KZ Mauthausen als politischer Häftling in die SS-Strafkompanie
Dirlewanger zwangsrekrutiert. Oskar Dirlewanger, der Führer dieser
Einheit, war ein mehrfach vorbestrafter Verbrecher, der die ihm
zugewiesenen Leute zu größten Kriegsverbrechen gezwungen hat. Verbrämt
als "Wilddiebkommando" mussten Menschen, die in den
Konzentrationslagern aufgefallen waren, dem Kommando eines
verbrecherischen Sadisten gehorchen. Nach dem Kriegsende im Mai 1945
kam Hans Grüner nach Schwarzenbach zurück. Er hatte die
Zwangsherrschaft der Nazis und den Krieg überlebt, aber seine
Gesundheit war ruiniert. Ein knappes Jahr später starb er.
Weitere
Namen der im Jahr 1933 verhafteten Männer aus der Arbeiter- und
Gewerkschaftsbewegung dürften in Schwarzenbach noch gut bekannt sein,
es waren Martin Hornfischer, Karl Kaiser, Hans
Neupert, Andreas Tröger, Philipp Arzberger, Emil Meier, Hans Hahn,
Felix Leirer, Christian Wohlrab und Karl Unglaub.
Beispielhaft beschrieb Oechslein vier von ihnen:
Andreas Tröger war Mitglied der SPD, ebenso sein Sohn Rudolf Tröger,
der sich aktiv in den Kampf gegen die Machenschaften der
Nationalsozialisten einbrachte. Alfred Engelhardt war Mitglied der KPD
und war ebenfalls lange in Dachau inhaftiert. Es gibt Fotos von
Gefangenen auf dem Appellplatz in Dachau, auf denen man ihn inmitten
der Häftlinge erkennen kann. Er starb 1986 in Schwarzenbach. Auch Paul
Seidel war Mitglied der KPD, er hielt gute Kontakte zu dem Hofer
Widerstandskämpfer Hans Merker. Seidel war inhaftiert im KZ Buchenwald
und möglicherweise auch im KZ Mittelbau-Dora. Er überbrachte Anna
Merker die Todesnachricht von ihrem Mann Hans Merker, der in
Mittelbau-Dora ermordet wurde.
Die Gedenkstunde endete mit einem lebhaften und interessanten Austausch
der Besucher zu den geschilderten Ereignissen.

Die Bilder zeigen
- Randolf Oechslein bei seinen Ausführungen
Pressebericht
Bewegende
Gedenkveranstaltung in Helmbrechts
Der
13. April 1945 war für 1170 Mädchen und Frauen, die bis dahin im
Frauenkonzentrationslager Helmbrechts inhaftiert waren, der Tag, an dem
sie zu einem grausamen Todesmarsch aufbrechen mussten. Für viele von
ihnen bedeutete dieser Marsch das Todesurteil. Nur wenige konnten in
Volary im heutigen Tschechien von amerikanischen Soldaten befreit
werden. Viele überlebten auch die Befreiung nicht, sie starben an den
Folgen des monatelangen Hungers; an Erschöpfung und den erlittenen
Misshandlungen.
Seit vielen Jahren findet in Helmbrechts aus
diesem Anlass ein Gedenken statt. Am vergangenen Montagabend kamen mehr
als 80 Menschen zusammen, um an der bewegenden Gedenkveranstaltung
teilzunehmen, mit der die Erinnerung an diese Frauen und ihr Schicksal
aufrechterhalten wird.
Erster Bürgermeister Stefan Pöhlmann
dankte für die große Resonanz und zitierte Hape Kerkeling aus dessen
Buchenwalder Rede: "Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das "Nie wieder"
kein Lippenbekenntnis bleibt, sondern unser täglicher Kompass ist!"
Hartmut Hendrich, erster Vorsitzender des Vereins gegen das Vergessen
e. V., erwähnte die Mitveranstalter VVN-BdA und die Initiative gegen
Ausländerfeindlichkeit. Er wies auf die Bedeutung des Erinnerns für die
Demokratie hin. "Es darf aber nicht beim Erinnern bleiben", meinte er.
"wir müssen entschieden denen entgegentreten, die meinen, einfache
Lösungen für komplexe Probleme zu haben." Francesca Hilgner verkörperte
die Stimme der Jugend und meinte, dass es im Sinne der jungen
Generation sei, wenn der Hintergrund unseres Grundgesetzes im
Gedächtnis bliebe. Pfarrer Andreas Schmidt sprach ein eindringliches
Gebet, ehe zwei Schülerinnen der Helmbrechtser Realschule, Katharina
Knarr und Sofia Knoll ein Gedicht von Dietrich Bonhoeffer
vortrugen. Dietrich Bonhoeffer ist am 9. April 1945 in Flossenbürg
ermordet worden; vier Tage vor dem Beginn des Helmbrechtser
Todesmarsches.
Das Gedenkkonzert in der Friedhofskapelle wurde
von den Musikern Jens Bühring aus Plauen und Philipp Wiechert aus
Leipzig gestaltet. Einfühlsam und eindringlich spielten und sangen sie
Lieder und Gedichte, die in Konzentrationslagern gedichtet, komponiert
und gesungen worden sind, sowie eigene Lieder aus der Werkstatt des
Liedermachers Jens Bühring. Auch das Wiegenlied einer Mutter, das im
Konzentrationslager Theresienstadt entstanden ist, war dabei. Die Musik
brachte dem Publikum die Stimmung der damals von dem Unrecht und dem
Martyrium der Haft betroffenen Menschen nahe. Mit eindringlichen und
klaren Worten wiederholte der Sänger den Auftrag der Erinnerung: "Nie
wieder ist jetzt!"
Der Dank am Ende der Veranstaltung galt allen
Rednern, den Musikern und dem Publikum; insbesondere aber auch dem
Bundesprogramm "Demokratie leben" des Bundesministeriums für Bildung,
Familien, Frauen, Senioren und Jugend für die Förderung der
Veranstaltung, die allen Teilnehmenden sicher noch lange in Kopf und
Herz bleiben wird.
Die Bilder zeigen
-
am Gedenkstein vlnr Hartmut Hendrich, Bürgermeister Stefan Pöhlmann,
Francesca Hilgner, Nanne Wienands, Katharina Knarr, Sofia Knoll,
Pfarrer Andreas Schmidt
- Jens Bühring und Philipp Wiechert mit den Schülerinnen Katharina
Knarr und Sofia Knoll
Fotograf: Randoph Oechslein
- den Grabstein Hans Grüners
- Günter Niepel bei der Erklärung zum Grabstein Hans Grüners
Menschenkette
um das Hofer Rathaus
"Wir schützen unser Rathaus"
In
vielen Städten und Gemeinden der Metropolregion Nürnberg haben in den
vergangenen Wochen Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass es bei der
bevorstehenden Kommunalwahl am Sonntag, 8. März 2026 darum geht, die
Stadt- und Gemeindegremien vor rechtsextremen Einflüssen zu schützen.
Mit Menschenketten, Ansprachen, und Plakaten lenkten sie die
Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf die Gefährdung demokratischer
Prozesse und Inhalte durch die Einflüsse einer als gesichert
anzusehenden rechtsextremen politischen Haltung.
Die Hofer "Omas gegen Rechts" bilden
mit dem Aufruf zur Menschenkette am Samstag,
28. Februar 2026 um 11 Uhr am Hofer Rathaus den
Abschluss dieser Kampagne, die von der Allianz gegen Rechtsextremismus
in der Metropolregion Nürnberg ins Leben gerufen wurde. Sowohl die
Stadt als auch der Landkreis Hof und mehrere Hofer Vereine und
Institutionen sind zusammen mit rund 500 weiteren Mitgliedern Teil der
Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg.
Der
Inklusive Posauenenchor der Hofer Lebenshilfe unter der Leitung von
Kornelius Kelber sorgt für die musikalische Umrahmung.
Die
Hofer Omas und Opas gegen Rechts laden alle Bürgerinnen und Bürger ein,
die demokratischen Parteien in der Region Hof zu unterstützen, und sich
an dieser Aktion zu beteiligen. "Demokratie. Ohne Alternative." lautet
das Motto der Rathausschützer.
Das Bild zeigt
das
in der Metropolregion Nürnberg zur Kommunalwahl 2026.
Mit
der Bitte um Veröffentlichung!
und vielen Grüßen
Amtsblattbericht 30. Januar 2026
Ökumenischen
Gedenkgottesdienst
Dienstag,
27. Januar 2026, um 19.00 Uhr
St.
Gumbertus-Kirche
Schwarzenbach
an der Saale
Der
Gottesdienst wird musikalisch begleitet von
Pavel Kondakov,
Oboe
Im Anschluss an den Gottesdienst
gehen wir zu
den Gräbern der Opfer.
Evangelische
und Katholische Kirchengemeinde
Verein
gegen das Vergessen e. V.
-
Zum Gedenken für die Opfer der NS-Diktatur in der Region Hof -
Vereinigung
der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten
Initiative
gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit
Geschwister-Scholl-Mittelschule
Schwarzenbach an der Saale
Gudrun Lehmann
ist verstorben.

Gudrun
Lehmann
*
06.01.1943 Hof
† 30.08.2025 Hof
Neues vom
Verein gegen das Vergessen e. V.
Die Neuwahlen bei der Jahreshauptversammlung des Vereins gegen das
Vergessen e. V. in Schwarzenbach/Saale
brachten
nur wenige Veränderungen: erster Vorsitzender bleibt Hartmut Hendrich
aus Hof, zweite Vorsitzende ist wieder Nanne Wienands aus
Schwarzenbach/Saale, die Kasse wird von Regina Scholz aus Oberkotzau
verwaltet. Nanne Wienands übernimmt kommissarisch und vorübergehend
auch das Amt der Schriftführerin, Kassenprüfer bleiben Gabriela Möckel
und Bertram Popp. Beisitzer sind nun Francesca Hilgner, Günter Niepel
und Mirjam Drechsel. Der Vorstandswahl unter der Leitung von Reinhard
Walther waren vor allem die Berichte der Vorstandschaft vorangegangen:
Im
Jahr 2024 beging der Verein das zwanzigjährige Bestehen der
Gedenkstätte. Sie war im Jahr 2004 eröffnet worden. Am Abend des 9.
November 2024 hielt Frau Dr. Andrea Rudorff vom Fritz-Bauer-Institut
aus Berlin einen Vortrag über die Todesmärsche aus den Lagern
Schlesiersee Richtung Helmbrechts. Der Hofer Landrat Dr. Oliver Bär
wies in seinem Grußwort auf den hohen Wert der Erinnerungskultur hin.
Eine weitere gut besuchte Veranstaltung fand mit Dr. Adrian Roßner
statt. Ein Stadtrundgang zu Plätzen, die eine besondere Bedeutung
während der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges
hatten, wurde von Rupert Geupel und Bruno Hager fachkundig begleitet.
Während des Jahres 2024 zeigte das Erika-Fuchs-Haus die Ausstellung von
u. a. Barbara Yelin mit dem Titel "Aber ich lebe. Den Holocaust
erinnern". Mehrere Gruppen besuchten die Gedenkstätte Langer Gang, so
unter anderem die IGM-Jugend Oberfranken. Insgesamt kamen in diesem
Jahr 249 Besucherinnen und Besucher in die Gedenkstätte. Der
Gedenkgottesdienst am 27. Januar in Schwarzenbach/Saale mit dem Chor
"link to heaven" aus Regnitzlosau und die Theaterveranstaltung "Die
Nacht von Flossenbürg" am 13. April 2024 in Helmbrechts mit
dem "Theater in der Kirche" waren sehr gut besucht. Zur "Langen Nacht
der Demokratie" im Oktober 2024 gaben Hartmut Hendrich, Birgit Schreier
und Nanne Wienands den vom Todesmarsch betroffenen Frauen eine Stimme.
Bei der Lesung von Aufzeichnungen von Frauen, die das Lager und den
Todesmarsch überlebt hatten, konnten sich die Besucher im Evangelischen
Gemeindesaal Schwarzenbach/Saale in die erschreckenden Erlebnisse
einfühlen.
Der Verein hält guten Kontakt zu den Arolsen Archives, zur "Allianz
gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg" und zum
Netzwerk "Wunsiedel ist bunt".
Auf Antrag von Gabriela Möckel war der Vorstand entlastet worden.
Hartmut Hendrich bedankte sich bei allen Mitwirkenden; "alle
Vorstandsmitglieder arbeiten beispielhaft zusammen", betonte er. Großer
Dank galt auch der Aktion "Demokratie leben" des
Bundesfamilienministeriums. Man werde sehen, wie sich die
organisatorischen Veränderungen auf die weitere Arbeit auswirken.
Anschließend diskutierte man über bereits erfolgte Ereignisse im Jahr
2025. Hartmut Hendrich betonte eingangs, dass man stolz sein könne,
dass die Gedenkstätte in den vergangenen zwanzig Jahren an jedem ersten
Sonntag im Monat geöffnet gewesen sei; außer während der
Einschränkungen durch die Corona Pandemie. Viele der Mitwirkenden der
ersten Stunden des Vereins habe man am 18. Januar 2025 zu Gast gehabt.
Ein unglaublich interessanter Bildervortrag von Günter Niepel habe die
Zeit zurückversetzt in die Anfänge der Erinnerungsarbeit und die
Sanierung und später Eröffnung der Gedenkstätte am 9. November 2004.
Der Gottesdienst am 27. Januar sei von Jens Bühring aus Plauen
musikalisch würdevoll begleitet worden.
Das Wochenende des 13. April 2025 sei dem achtzigsten Jahrestag des
Todesmarsches gewidmet gewesen; der Besuch der Bürgermeisterin von
Volary / 'Tschechien mit einigen Stadtratsmitgliedern war ein
beeindruckendes Erlebnis der Freundschaft und Verbundenheit. Die Stadt
Helmbrechts mit Bürgermeister Stefan Pöhlmann habe den Gästen viel
geboten und die Beziehungen nochmals vertieft.
Die Teilnahme an der Literaturtrilogie des Vereins Wilsbergensis aus
Weißenstadt Anfang Mai 2025 habe für die Gedenkstätte Langer Gang auch
den Besuch von Oberbürgermeisterin Eva Döhla aus Hof und den Autoren
Ulrich Chaussy und Gerald Bäumler bedeutet. Einen Tag später konnte die
Vernissage der Ausstellung "Verbrannte Orte" in der Hofer Stadtbücherei
stattfinden, zu der Kurator Jan Schenck einen interessanten
Einführungsvortrag hielt. Drei Wochen war die Ausstellung zu sehen, bei
der es um die Orte ging, an denen die Nationalsozialisten Bücher von
Autoren verbrannten, die sie für unvereinbar mit ihrer verbrecherischen
Ideologie hielten. Zur Finissage wurden die Namen dieser
Schriftstellerinnen und Schriftsteller verlesen; auf Erich Kästner
wurde dabei genauer eingegangen.
Der Blick in die Zukunft ergab, dass der Verein an die Erstellung einer
weiteren Dokumentation denkt. Nach der Veröffentlichung des ersten
Buches im Jahr 2018 ergaben sich sehr viele neue Erkenntnisse und
Hinweise, so dass man jetzt am Anfang der Arbeit zu einer weiteren
Veröffentlichung steht.
Zum Abschluss des Abends überreichte Hartmut Hendrich allen Anwesenden
weiße Rosen; eine Hommage an die Widerstandsgruppe um Sophie und Hans
Scholl.

Das Bild zeigt vlnr: Günter Niepel, Nanne
Wienands, Eva Petermann, Regina Scholz, Reinhard Walther, Mirjam
Drechsel, Gabriela Möckel, Hartmut Hendrich und Kuno Zöller
Pressebericht
Finissage
"Verbrannte Orte"
Hartmut
Hendrich, 1.
Vorsitzender des "Vereins gegen das Vergessen e. V." erklärte bei der
Finissage der Ausstellung "Verbrannte Orte" in der Stadtbücherei Hof in
kurzen Worten das Leben und Werk von Erich Kästner: "Wer kennt ihn
nicht? Er ist Autor von viele Kinderbüchern, Geschichten und Romanen:
erinnern wir uns an Pünktchen und Anton, Emil und die Detektive, Das
fliegende Klassenzimmer, Das Verhexte Telefon, Drei Männer im
Schnee... Aber es gab auch noch eine andere Seite
von ihm. Mit sozialkritischen und satirischen Versen kommentierte er
den Berliner Alltag, vor allem aber auch die Politik der Weimarer
Republik. Im Jahr 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht.
Vereine und Verbände wurden der neuen Art zu Denken gleichgeschaltet,
Juden und andere Minderheiten wurden verfolgt. Der Satiriker, Kritiker
und Pazifist Erich Kästner musste miterleben, dass seine Bücher
verboten und verbrannt wurden. Er war sogar anwesend, als einziger bei
der Verbrennung der eigenen Bücher, im Mai 1933 auf dem Berliner
Opernplatz unter der Aufsicht des damaligen Reispropagandaministers
Joseph Goebbels. Kästner verstand sich als Zeitzeuge, der festhalten
wolle, was in Deutschland passiert.
Francesca
Hilgner und Nanne Wienands lasen Gedichte von Erich Kästner. Zuvor
hatten die beiden Frauen die Namen von Autorinnen und Autoren verlesen,
deren Bücher den Scheiterhaufen anheim fielen; damals, im Jahr 1933.
Die Ausstellung, die an diesem Tag zu Ende ging und abgebaut wurde,
hatte sich der Geschichte der Plätze angenommen, auf denen damals in
vielen Städten überall in Deutschland Bücher verbrannt worden waren.
Bei der Eröffnung der Ausstellung in Hof am Jahrestag der Ereignisse in
Berlin, München und anderen Orten, am 10. Mai, hatte Jan Schenck einen
eindrucksvollen Vortrag zur Geschichte der Ausstellung und der
Bücherverbrennungen gehalten. Das Publikum bei der Finissage wunderte
sich über bekannte Namen wie z. B. Ernest Hemingway, Sigmund Freud,
Jack London, Waldmar Bonsels, Irmgard Keun und Bert Brecht.
Gleichzeitig fiel auf, wie viele völlig unbekannte Namen verlesen
wurden - Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die nur wenig bekannt
oder gar unbekannt sind. "Wie hat man sie nur gefunden?" diese Frage
stellten sich manche Zuhörer. Und doch hat man eben nicht alle Bücher
gefunden, das zeigt eine Sammlung von Erstausgaben, die zu einem
kleinen Teil die Ausstellung ergänzt hatte. Nicht alle Bücher sind
damals den in Leihbüchereien, Buchhandlungen und Privathaushalten
suchenden Schergen in die Hände gefallen: etliche Exemplare gibt es
noch. Undeutscher Geist ist da gesucht worden? Und man fragte sich an
diesem Abend auch - wo stehen wir heute?

Das
Bild zeigt von vlnr: Francesca Hilgner, Hartmut Hendrich und Nanne
Wienands vom Verein gegen das Vergessen.
Pressebericht
Ausstellung "Verbrannte Orte" in der Hofer Stadtbücherei
Jan
Schenck ist ein junger Mann aus Niedersachsen, er ist aufgewachsen in
Hamburg, hat studiert in Berlin und ist vor allem Anfang Mai viel auf
Reisen. Er fotografiert und veröffentlicht mit einer Ausstellung
diejenigen Orte, in denen zu Zeiten des Nationalsozialismus Bücher
verbrannt wurden. Bei der Ausstellungseröffnung am vergangenen Samstag
- just dem 10. Mai, dem "Tag der Bücherverbrennungen" - sprach er in
der Hofer Stadtbücherei vor überraschend viel Publikum über die Phasen
der Bücherverbrennungen. Den Nationalsozialisten waren Bücher von
Sozialisten, Kommunisten, Geisteswissenschaftlern, Frauen, Juden und
Gesellschaftsbeobachern und -kritikern ein Dorn im Auge. Es begann
bereits Anfang März 1933 mit Plünderungen von Buchhandlungen,
Gewerkschaftshäusern und Zeitungsverlagen; die gefundenen Druckwerke
warfen die Hitleranhänger auf die Straße und zündeten sie an. In einer
zweiten Phase der Steigerung von Bücherverbrennungen wollte man gezielt
die "moralische Vernichtung von Juden" erreichen. Die rechtsgerichtete
Studentenschaft sammelte nach einem reichsweiten Aufruf Ausgaben von
entsprechenden Büchern. Es kam zu 22 Bücherverbrennungen in
Hochschulstädten. Nur in wenigen Städten wird heute an diese Vorgänge
erinnert.
In einer
dritten Phase der Bücherverbrennungen wurden ganz gezielt Bücher aus
Bibliotheken, aber auch aus Privathaushalten und Sammlungen
gewaltsam eingesammelt und mit großer Inszenierung organisiert
verbrannt. Kapellen spielten, Hakenkreuze leuchteten von Häuserwänden,
Fackelmärsche, Feuersprüche, Musik und Gesang begleiteten diese Abende.
Hunderte von Autorinnen und Autoren waren betroffen; viele verließen
das Land aufgrund der Bücherverbrennungen, die mit der persönlichen
Verfolgung einhergingen. Wer nicht rechtzeitig fliehen konnte, dem war
die Verbringung in ein Konzentrationslager sicher.
Jan Schenck hat bis heute viele der Plätze fotografiert und nach
Erinnerungshinweisen Ausschau gehalten. Noch sind garnicht alle Orte
bekannt, an denen Bücher verbrannt wurden. Nur wenige Zeitzeugen haben
berichtet. Es gibt Fotos und Belege aus Großstädten, aber aus den
vielen kleiner Städten und Dörfern ist häufig nichts überliefert.
In der Stadtbücherei liegen in einer Vitrine einige Exemplare von
Büchern, die der Mob damals übersehen hat. Udo Benker-Wienands hat sie
als Leihgabe aus seiner Sammlung zur Verfügung gestellt. Sie sind
kostbar, einige Erstausgaben sind darunter.
Veranstalter
und Organisator der Ausstellung ist der Verein gegen das Vergessen e.
V., der in Schwarzenbach an der Saale die Gedenkstätte "Langer Gang"
betreut. Die Vorstandssprecher Hartmut Hendrich und Nanne Wienands
begleiteten die Ausstellungseröffnung in Hof.
Ein Zitat von
Erich Kästner am 10. Mai 1933 auf dem Berliner Opernplatz:
"Ich .. sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen und hlrte
die schmalzigen Tiraden des kleinen abgefeimten Lügners.
Begräbniswette hing über der Stadt. Es war widerlich."
Bild zeigt
Jan
Schenck bei seinem Vortrag
Pressebericht

Hoher Besuch in der
Gedenkstätte "Langer Gang"
Eine
"Trilogie gegen das Vergessen" organisierte letzte Woche der
Förderverein "Wilsbergensis" in Bad Weißenstadt am See. Drei Tage, drei
Referenten, drei Besuche und drei Abendveranstaltungen waren
vorgesehen. Es wurde eine wirklich gute Sache, mit vielen Begegnungen
und Gesprächen, mit viel Nachdenklichkeit und der fundierten
Darstellung bisher unbekannter Fakten und Perspektiven. Die Referenten
besuchten gemeinsam mit den Organisatoren Philipp Charaoui, Kerstin
Olga Hirschmann und weiteren Mitgliedern von "Wilsbergensis" das
ehemalige Konzentrationslager Flossenbürg, die Gedenkstätte Langer Gang
in Schwarzenbach/Saale und das ehemals geteilte Dorf Mödlareuth.
Jeweils an den Abenden fanden Lesungen im wunderbaren Bürgersaal in Bad
Weißenstadt statt: der Fotograf und Autor Gerald Bäumler las Passagen
aus seinem Buch "Hitler in Kotzenried", Nanne Wienands zeigte den Film
über die Entdeckung des Konzentrationslagers Helmbrechts, und stellte
das Buch über das Lager Helmbrechts und den Todesmarsch nach Volary
vor, der Journalist Ulrich Chaussy hatte neu zugängliche Akten zum Mord
an den Mitgliedern der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" zu einem Buch
werden lassen.
Für den
beteiligten "Verein gegen das Vergessen" war es von großer Bedeutung,
die Referenten Gerald Bäumler und Ulrich Chaussy und die Organisatoren
der Trilogie in der Gedenkstätte "Langer Gang" begrüßen zu dürfen.
Dritter Bürgermeister Bertram Popp vertrat die Stadt
Schwarzenbach/Saale und zur Freude aller nahm die Hofer
Oberbürgermeisterin Eva Döhla an dem Besuch der Gedenkstätte teil. "Der
Lange Gang hat eine hohe Aussagekraft und ist viel mehr als einige
Kunstobjekte," meinte sie anschließend, als eine gute Stunde mit
Informationen und einem intensiven Austausch zu Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft vergangen war. "Er zeugt von den Ereignissen, die
hier bei uns geschehen ins, mitten in der unmittelbaren Gesellschaft um
uns herum. Als Schüler haben wir von den Verbrechen in den großen
Konzentrationslagern erfahren, aber was sich in unmittelbarer
Nachbarschaft, in unserem Umfeld abgespielt hat, das wurde nicht
thematisiert." Döhla nahm sich viel Zeit, um die Eindrücke auf sich
wirken zu lassen. Die Kunstwerke von Udo Rödel und Dr. Klaus Schroeter
aus Münchberg und von Dietrich Kelterer aus Plauen, die die
Gedenkstätte prägen, sind wohlüberlegt und mit viel Feingefühl dem
kleinen Raum angepasst worden; jedes Werk wirkt mit der ihm eigenen
Aussage.
Hartmut
Hendrich, Günter Niepel und Nanne Wienands vom Verein gegen das
Vergessen hatten die Gäste begrüßt und kurz die Entstehung der
Gedenkstätte und die Arbeit des Vereins erläutert.
die
Bilder zeigen
- die Gruppe vor der Gedenkstätte: in der Mitte Oberbürgermeisterin Eva
Döhla, links neben ihr Ulrich Chaussy, Gerald Bäumler und
Schwarzenbachs 3. Bürgermeister Bertram Popp.
- in der Gesprächsrunde: Hartmut Hendrich, Ulrich Chaussy, Philipp
Charaoui, Nanne Wienands und (ganz rechts) OB Eva Döhla
Bericht
fürs Amtblatt 8.05.2025
Dachauer
Besucher in der Gedenkstätte "Langer Gang"

In Dachau bei
München richteten die Nationalsozialisten im Jahr das erste
Konzentrationslager ihrer Herrschaftszeit ein. Am 22. März 1933 wurde
es eröffnet, bis zum 29. April 1945 waren insgesamt rund 162.000
Häftlinge unter schrecklichen Verhältnissen dort untergebracht. Mehr
als 40.000 Menschen verloren in Dachau ihr Leben. Das KZ Dachau, in dem
auch viele Hofer und Schwarzenbacher Bürger inhaftiert waren, ist heute
eine große Gedenkstätte, die täglich von hunderten Gästen besucht wird.
Achtzig Jahre nach der Befreiung des Lagers Dachau machte sich nun eine
Gruppe von Läuferinnen und Läufern auf den Weg von Dachau nach
Auschwitz, besser nach Oswiecim, wie der Ort in Polen heißt. Ein
"Staffellauf des Gedenkens und der Versöhnung" verbindet elf polnische
und zwölf deutsche Läuferinnen und Läufer. In einzelnen Etappen und
kleinen Gruppen sind sie unterwegs. Sie besuchen alle Gedenkstätten,
die an ihrem Weg liegen. Am vergangenen Samstagnachmittag kamen sie von
Marktleuthen her kommend an der Gedenkstätte "Langer Gang" an, wo sie
von Hartmut Hendrich, dem ersten Vorsitzenden des Vereins gegen das
Vergessen e. V. und Vorstandsmitglied Gabriela Möckel willkommen
geheißen wurden. Hendrich berichtete über die Ereignisse in der ersten
Nacht des Todesmarsches der 1170 Frauen und Mädchen am 13. April 1945.
Sie kamen aus dem Konzentration- und Zwangsarbeiterlager Helmbrechts.
Hendrich erläuterte auch die Besonderheiten, die zur Aufarbeitung des
Todesmarsches beitrugen - unter anderem die juristischen Folgen in den
1960er Jahren und über die Arbeit des früheren amerikanischen Soldaten
Bernhard Robinson, der die Namen der Frauen erforscht und
zusammengetragen hat.
Am kommenden Samstag, den 10. Mai 2025, werden die Läufer in Oswiecim
erwartet.
VEREIN GEGEN DAS VERGESSEN
-
Bericht Frankenpost
15.04.2025

Presseberich Werner
Bussler
Gedenken an den Todesmarsch
Zahlreiche Besucher gedachten der Opfer des Todesmarsches vor 80
Jahren, kurz vor Kriegsende. Im Bild von links: Bürgermeister Stefan
Pöhlmann, Diakonin Barbara Twisselmann, Bürgermeisterin Martina
Pospisilová, deren Stellvertreterin, Nanne Wienands sowie Mitglieder
des Stadtrats von Volary. Foto: WB
Werner Bußler
In
Helmbrechts kommen viele Menschen zur Gedenkfeier auf den Friedhof. Sie
wissen: Es ist wichtig, die Erinnerung wach zu halten.
HelmbrechtsIm August 1944 nahmen die Nationalsozialisten in Helmbrechts
ein KZ-Außenlager für weibliche Häftlinge in Betrieb. Es waren vor
allem jüdische Mädchen und Frauen, die dort viel leiden mussten. Kurz
vor dem Einmarsch der US-Truppen am 13. April 1945 schickten die
Aufseher die Insassen zu Fuß nach Wallern (heute Volary in der
Tschechischen Republik), eine Tortur, die viele nicht überlebten – in
23 Tagen 281 Kilometer von Helmbrechts nach Volary. Fast 130 Frauen
überstanden den Marsch nicht. Einige wurden wegen ihres schlechten
körperlichen Zustands von SS-Schergen erschossen, andere starben an
Erschöpfung und Krankheiten. Für die Frauen endete das Martyrium erst
am 4. Mai 1945 in Volary, wo sie von der Zivilbevölkerung und
amerikanischen Ärzten versorgt und gepflegt wurden. Zum Geschehen gibt
es eine umfassende Multimedia-Dokumentation auf der Homepage der
Frankenpost (www.frankenpost.de).
Um
an dieses schreckliche Kapitel der Geschichte zu erinnern, findet seit
vielen Jahren in der Helmbrechtser Friedhofshalle am Jahrestag eine
Gedenkstunde statt. Auch 80 Jahre nach Kriegsende und gerade in der
jetzigen Zeit, in der die Taten der Faschisten nicht selten verharmlost
werden, ist ein solches Zeichen für Toleranz und Versöhnung notwendig
und vielleicht wichtiger denn je. In diesem Jahr nahm auch eine
Delegation aus Volary mit Bürgermeisterin Martina Pospisilová teil.
Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom Verein gegen das Vergessen,
der evangelischen Kirchengemeinde Helm-brechts und der Stadt
Helmbrechts.
Im
Kirchenraum war ein Tuch ausgebreitet, das als Aufschrift Namen der bei
diesem Marsch ums Leben gekommenen Jüdinnen trägt. Diakonin Barbara
Twisselmann las Stationen der Todestour vor wie auch Passagen aus einem
Buch von Gerda Weißmann-Klein, die den Marsch nach Volary überlebt
hatte. Nach dem Krieg lebte sie mit ihrem Mann in den USA. Das Ehepaar
setzte sich für die Aufklärung über den Holocaust, für die
Menschenrechte und die Erziehung zur Toleranz ein.
Nach
der Andacht und dem Lied „Und wieder blüht der Mandelzweig“ begaben
sich die zahlreichen Besucher an den Gedenkstein, der am Eingang des
Friedhofs auf den finstersten Abschnitt der Heimathistorie hinweist.
Dort sagte Bürgermeister Stefan Pöhlmann, man müsse das Vermächtnis der
heute 103-jährigen Margot Friedländer weitertragen, wonach „die
Demokratie weiter bestehen muss und jeder Einzelne Mensch bleiben
soll“. Pöhlmann fragte, was wohl gewesen wäre, wenn in Amerika im Jahr
1945 Verhältnisse wie heute geherrscht hätten. „Damals haben die
Amerikaner den Deutschen geholfen, eine demokratische Gesellschaft
aufzubauen.“ Alle Kinder und Jugendlichen sollten in ihrer Schulzeit
mindestens einmal eine Gedenkstätte besuchen, meinte Pöhlmann. Er sei
froh, dass es in Helmbrechts Bürger gab, die sich in der jüngeren
Vergangenheit für dieses Thema interessiert und es aufgearbeitet haben,
„auch wenn es Leute gab, die eine Existenz eines KZ-Außenlagers gerne
totgeschwiegen hätten“. Das Gedenken an den Todesmarsch sei eine
Verpflichtung, sich für eine gute Zukunft einzusetzen und die
Demokratie zu verteidigen.

Bericht Frankenpost
03.02.2025

Berührende Lieder mit
entsetzlichem Hintergrund
Der Plauener
Liedermacher Jens Bühring im Gedenkgottesdienst in der Schwarzenbacher
Sankt-Gumbertus-Kirche. Foto: Pr.
Eindringlich sind
Lieder und Texte beim Schwarzenbacher Gedenkgottesdienst für die Opfer
des Nationalsozialismus.
Schwarzenbach an der SaaleDer
27. Januar ist seit vielen Jahren der vom ehemaligen Bundespräsidenten
Roman Herzog initiierte Gedenktag für die Opfer des
Nationalsozialismus. In Schwarzenbach an der Saale organisiert
alljährlich der Verein gegen das Vergessen mit der evangelischen und
der katholischen Kirchengemeinde, der VVN-BdA, der Initiative gegen
Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit und der
Geschwister-Scholl-Mittelschule einen Gedenkgottesdienst. Heuer ist es
80 Jahre her, dass das große Vernichtungskonzentrationslager Auschwitz
von der Roten Armee befreit wurde. Tausende Überlebende mussten mit dem
Chaos des Weiterlebens zurecht kommen.
Der Gottesdienst in der gut gefüllten Sankt-Gumbertus-Kirche
begann mit dem Glockenläuten und zwei Minuten Stille. Roland Marx las
den Text „Wir beginnen mit Schweigen“: Schweigen gegenüber dem Leid,
von dem man erfährt, gegenüber den Verbrechen, die offenkundig werden.
Das Schweigen der Bevölkerung während der Nazizeit und danach ist immer
noch sprichwörtlich. Zu vielen der Gräueltaten fehlen uns heute immer
noch die Worte.
Pfarrerin Annett Treuner begrüßte die Gottesdienstbesucher;
alle Texte und Beiträge befassten sich mit den Opfergruppen, die
betroffen waren von den Gräueltaten der Nazis: Mütter und Kinder,
Schüler, Lehrer, Schwule und Lesben, Roma und Sinti, Menschen mit
Behinderung und Kriegsverletzungen, Alte und Junge. Niemand war sicher.
Der Plauener Liedermacher Jens Bühring erklärte eindringlich
die Herkunft und die Gründe der Entstehung der Lieder, die er vortrug.
Das bekannteste Lied aus den Konzentrationslagern, das Lied „Wir sind
die Moorsoldaten“, klingt anklagend, resignierend und doch voller
Hoffnung. Zum Teil wurden die Lieder unter dem Druck der Nazischergen
komponiert. „Wiegala, Wiegala“ von Ilse Weber hat einen ganz anderen
Hintergrund: Sie sang das Lied, als sie sich bereits mit Kindern in der
Gaskammer befand – die Geschichte dazu kann sich kaum mehr jemand
vorstellen: Ilse Weber traf vor der Gaskammer einen Freund ihres
Sohnes, der dem Sonderkommando angehörte; diese Männer mussten die
Gaskammern räumen und die Leichen verbrennen. Er konnte ihr noch sagen,
wie der Tod am schnellsten eintritt.
Drei Konfirmanden trugen die Fürbitten vor: „Vieles auf der
Welt macht uns traurig oder erfüllt uns mit Angst.“ So begann jede
Bitte. „Wir bitten für alle, die von Krieg und Verfolgung bedroht
werden oder auf der Flucht sind. Wir bitten für die vielen Kinder,
Frauen und Männer, die ohne jede Sicherheit leben müssen und vor
Willkürentscheidungen der Mächtigen nicht geschützt sind. Lass
diejenigen, die sich für die Menschenrechte anderer einsetzen, immer
wieder Wege finden, den Bedrängten zu helfen. Wir bitten dich für die
Mächtigen dieser Welt, dass nicht Macht- und Profitgier ihre
Entscheidungen bestimmen.“ Dieter Jung segnete die Gottesdienstbesucher
zum Abschied.
Nach dem gemeinsamen Lied „Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe
bleibt“ ertönte von der Orgel Musik des jüdischen Komponisten Felix
Mendelssohn-Bartholdy; erst leise, dann immer kraftvoller füllte die
Musik den Kirchenraum. Erstmals war Christine Findeis-Dorn an der Orgel
in der Sankt-Gumbertus-Kirche zu hören.
Bericht
Amtsblatt
Gedenken an die Opfer des
Nationalsozialismus

Das Bild zeigt den Plauener Liedermacher Jens Bühring beim
Gedenkgottesdienst in der Schwarzenbacher St. Gumbertus-Kirche.
Die St. Gumbertuskirche war voller Menschen beim Ökumenischen
Gottesdienst am Abend des 27. Januar. Genau 80 Jahre ist es her, dass
die Rote Armee an diesem Tag das Konzentrationslager Auschwitz
befreite. Dieser besondere Jahrestag war Thema in allen Medien - nur
wenig passt eine Untersuchung dazu, die belegt, dass zehn Prozent aller
Bundesbürger mit dem Begriff "Holocaust" nichts anfangen können; dass
Schülerinnen und Schüler nichts wissen über die bedrückenden Ereignisse
und die Verbrechen von damals. Der ehemalige Bundespräsident
Roman Herzog erklärte den 27. Januar im Jahre 1996 zum Gedenktag für
alle Opfer des Nationalsozialismus. In Schwarzenbach wird seit vielen
Jahren in der St. Gumbertus-Kirche an die Ereignisse von 1945 gedacht.
Frau Pfarrerin Treuner von der Evangelischen Kirchengemeinde begrüßte
die Besucherinnen und Besucher zu diesem Gottesdienst und stellte den
Zusammenhang zur aktuellen Bedeutung heraus.
"Wir
beginnen mit Schweigen". Mit ruhiger Stimme liest Roland Marx den Text.
Schweigen gegenüber dem Unrecht, Schweigen gegenüber dem Leid, von dem
man erfährt. Das Schweigen der Bevölkerung während der Nazizeit und
auch danach ist immer noch sprichwörtlich. Zu vielen der Gräueltaten
fehlen uns heute immer noch die Worte. Dann aber befassen sich alle
Texte und Beiträge deutlich mit den Opfergruppen, die betroffen waren
von den Gräueltaten der Nazis: Müttern und Kindern, Schülerinnen und
Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Schwule und Lesben, Roma und Sinti,
Menschen mit Behinderungen und Kriegsverletzungen, Alte und Junge.
Niemand war sicher.
Fast schon ein bisschen Geschichtsunterricht gibt der Plauener
Liedermacher Jens Bühring. Er erklärte eindringlich die Herkunft und
die Gründe der Entstehung der Lieder, die er vorträgt. Das bekannteste
Lied aus den Konzentrationslagern "Wir sind die Moorsoldaten" klingt
anklagend, resignierend und und gleichzeitig doch voller Hoffnung.
Überhaupt erläutert er die Geschichte mancher Lieder, zum Teil wurden
sie unter dem Druck der Nazischergen komponiert. Das Lied von Ilse
Weber "Wiegala, Wiegala" hat einen ganz anderen Hintergrund, sie sang
es, als sie sich bereits mit Kindern in der Gaskammer befand - die
Geschichte dazu kann sich kaum mehr jemand vorstellen: Ilse Weber traf
vor der Gaskammer einen Freund ihres Sohnes, der dem Sonderkommando
angehörte. Die Männer dieses Kommandos mussten die Gaskammern räumen
und die Leichen verbrennen. Er konnte ihr noch sagen, wie der Tod am
schnellsten eintritt.
Die Fürbitten werden von drei Schwarzenbacher Konfirmanden
vorgetragen: "Vieles auf der Welt macht uns traurig oder erfüllt uns
mit Angst." So beginnt jede Bitte. "Wir bitten für alle, die
von Krieg und Verfolgung bedroht werden oder auf der Flucht sind. Wir
bitten für die vielen Kinder, Frauen und Männer, die ohne jede
Sicherheit leben müssen und vor Willkürentscheidungen der
Mächtigen nicht geschützt sind. Lass diejenigen, die sich für die
Menschenrechte anderer einsetzen immer wieder Wege finden, den
Bedrängten zu helfen. Wir bitten dich für die Mächtigen dieser Welt,
dass nicht Macht- und Profitgier ihre Entscheidungen bestimmen."
Aktueller können Fürbitten nicht sein. Dr. Dieter Jung segnet die
Gottesdienstbesucher zum Abschied.
Nach dem letzten gemeinsamen Lied "Freunde, dass der
Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass
die Liebe bleibt" ertönt von der Orgel Musik des jüdischen Komponisten
Felix Mendelssohn-Bartholdy; erst leise, dann immer kraftvoller füllt
die wunderbare Musik den Kirchenraum. Ein großer Dank geht an Christine
Findeis-Dorn, die an diesem Abend erstmals an der Orgel in der St.
Gumbertus-Kirche zu hören war, und an alle Mitwirkenden für diesen
bewegenden Gottesdienst.
Junge Gewerkschaftler zu Besuch in der
"Gedenkstätte Langer Gang"
Die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Wochenendseminar der
Ortsjugendausschüsse der IG Metall Ostoberfranken, Ulm und
Dresden-Riesa besuchten am vergangenen Samstag die Gedenkstätte Langer
Gang. Nanne Wienands begleitete die 24 jungen Leute durch die
Gedenkstätte, anschließend kam man im Konferenzraum im Erika-Fuchs-Haus
zusammen, um den von Ludwig Mertel zusammengestellten Film über die
Befreiung des Konzentrationslagers in Helmbrechts und die Folgen des
Todesmarsches der über 1000 Frauen und Mädchen nach Volary im heutigen
Tschechien zu erleben. Im Anschluss wurden viele Fragen gestellt, die
bestätigten, dass überregionale Zusammenarbeit und der Austausch
untereinander wichtig ist für die weitere gewerkschaftliche und
politische Arbeit. Vor allem die Besonderheiten der Schwarzenbacher
Gedenkstätte wurden detailliert besprochen: das kurze Bestehen des
Lagers in Helmbrechts, die juristische Aufarbeitung der Verbrechen des
Lagerleiters, die frühe Dokumentation der Fakten durch den
Helmbrechtser Klaus Rauh und das weitere Leben einzelner Frauen, die
den Todesmarsch überlebt hatten.

-
zwei der Besucher vor den Tafeln am Eingang zur Gedenkstätte

- das Gruppenbild nach dem Besuch des "Langen Gangs".
Pressebericht
20 Jahre Gedenkstätte Langer Gang in Schwarzenbach/Saale
oder
"Der
Wert von Erinnerungsarbeit"
Mit Frau Dr. Andrea Rudorff vom Fritz-Bauer-Institut aus Berlin hatte
der Verein gegen das Vergessen e. V. die richtige Referentin für diesen
Abend ausgewählt. Zum zwanzigjährigen Bestehen der Gedenkstätte "Langer
Gang"" hatte der Verein in das Evangelische Gemeindehaus in
Schwarzenbach an der Saale eingeladen. Im ehemaligen Nebengebäude des
Gemeindehauses befindet sich die Gedenkstätte, das Gebäude heißt im
Volksmund schon immer "Langer Gang". Die Gedenkstätte erinnert an den
Todesmarsch, auf den 1170 Frauen und Mädchen am 13. April 1945 in
Helmbrechts getrieben wurden.
Aber woher kamen diese Frauen? Was für ein Schicksal hatten sie vor
diesem Todesmarsch, der von Helmbrechts bis nach Volary im heutigen
Tschechien führte und viele Frauen das Leben kostete? Hier begannen die
Ausführungen von Frau Dr. Rudorff, die als Historikerin die
Frauenkonzentrationslager erforscht. Zwei Außenlager des
Konzentrationslagers Groß-Rosen im heutigen Polen waren die Lager
Schlesiersee I und Schlesiersee II. Dorthin wurden im Oktober 1944 etwa
2000 jüdische Mädchen und Frauen gebracht, viele von ihnen kamen aus
dem berüchtigten Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Die
Nationalsozialisten hatten der niederschlesischen Kleinstadt Schlawa
ihren slawisch klingenden Namen genommen und sie in "Schlesiersee"
umbenannt, weil sie an eben diesem See liegt. Ursprünglich stammten die
Frauen aus ganz Europa. Unter strenger Bewachung, bei
menschenunwürdiger Unterbringung und unzureichender Ernährung mussten
sie in Schlesiersee Panzergräben ausheben. Der gefrorene Boden stellte
die Frauen, die sich in einem erbarmungswürdigen Zustand befanden, aber
als arbeitsfähig eingestuft waren, vor große körperliche
Herausforderungen. Frau Dr. Rudorff erklärte, dass zahllose
nationalsozialistische Verbrechen nicht nur an den bekannten
Konzentrations- und Vernichtungslagern begangen wurden, sondern auch in
den vielen Nebenlagern, deren Verwaltung z. B. in Groß-Rosen oder auch
in Flossenbürg erfolgte. "Vor Ort erinnert nicht mehr viel an die
Lager, aber die Gräben in Schlesiersee sind zum Teil noch vorhanden,"
erläuterte die Referentin. Sie erweiterte ihren Vortrag mit
einigen Lebensgeschichten, mit Belegen, Zeichnungen, die eine
unbekannte Gefangene angefertigt hat, und Dokumenten aus verschiedenen
Archiven und Kirchenbüchern.
Weil sich die Rote Armee auf die Grenzregionen zubewegten, trieb man
Frauen aus den Lagern in Grünberg in Schlesien und Schlesiersee
Richtung Westen. Im Winter 1944/45 mussten die Frauen wochenlang durch
Schnee und Frost laufen. Am 6. März 1945 erreichten die Überlebenden
das KZ Helmbrechts. Arbeiten konnten sie nicht mehr, dafür war die
Erschöpfung zu groß, die Erkrankungen zu schlimm. Viele waren während
des Marsches gestorben oder ermordet worden. Es ist ein Zufall, dass
vor etwa zwei Jahren eine junge Studentin der Münchberger Hochschule
das Thema grafisch sichtbar gemacht hat: auf einer Landkarte hat sie
eingezeichnet, wie sich die Zahl der Frauen auf dem Weg von Grünberg
und Schlesiersee über Helmbrechts und Zwodau nach Volary und Prachatice
verringert hat. Nanne Wienands, die durch den Abend führte, erklärte
dazu ihre eigene These, dass dieser Verlust an Menschenleben wohl das
Ziel der Todesmärsche gewesen sein könnten.
Erster Vorsitzender Hartmut Hendrich hatte den Abend eröffnet und war
mit einer Einschätzung der derzeit ansteigenden Zahlen antisemitischer
Übergriffe auf die gegenwärtige demokratiegefährdende politische
Situation eingegangen. Mit der Aussage "Nie wieder ist jetzt" rief er
die Anwesenden zu Mut und Sensibilität auf. Er dankte den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Vorstand des Vereins für die
langjährige Zusammenarbeit und freute sich, einen ganz besonderen Gast
begrüßen zu können: Landrat Dr. Oliver Bär war gekommen, um die Arbeit
des Vereins zu würdigen. In seinem Grußwort betonte er die Bedeutung
der schleichenden Veränderungen im Alltag einer Gesellschaft, wenn
Kräfte an die Macht kommen, für die nicht alle Menschen gleich sind.
Die Bedeutung unserer Demokratie wird dann deutlich sichtbar, wenn sie
durch diese Kräfte gefährdet wird. Er erinnerte auch an eine ganz
andere Seite demokratischer Wirkung, denn er kam von der Eröffnung
einer Ausstellung in Mödlareuth über die Tage der Grenzöffnung im Jahr
1989. Weitere ganz besondere Gäste des Abends, der sehr gut besucht
war, waren Bürgermeister Hans-Peter Baumann mit Gattin, zweiter
Bürgermeister Michael Haas sowie dritter Bürgermeister Bertram Popp,
Pfarrerin Dr. Johanna Lunk und die Hofer Stadträtin Gudrun Kiehne. Die
Mitarbeiterinnen des Förderprogramms des Bundesministeriums für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend "Demokratie leben in der Mitte
Europas", Gesa Marxsen und Hanna Vinichuk, konnten ebenso begrüßt
werden wie eine Abordnung der Schwestern der Christusbruderschaft
Selbitz. Die Bildungsarbeit, die "Demokratie leben" fördert, erreicht
alle beteiligten Menschen unmittelbar.
Den Abschluss des Abends bildete die Öffnung der Gedenkstätte für alle,
die sie noch nicht kannten. Zeitgleich zeigte Günter Niepel im
Gemeindehaus Bilder aus den ersten Jahren der Planung, Sanierung und
Einrichtung des "Langen Gangs" mit den Künstlern Udo Rödel und Dr.
Klaus Schroeter aus Münchberg und Dietrich Kelterer aus Plauen, sowie
Ludwig Mertel. Zu sehen waren auch die vielen Unterstützerinnen und
Unterstützern, Besucherinnen und Besuchern der vergangenen zwanzig
Jahre.
Der Wert von Erinnerungskultur liegt darin, dass sich jede und jeder
Einzelne bewusst machen sollte, was "Nie wieder ist jetzt" bedeutet:
Ausgrenzung, Intoleranz und Rassismus dürfen in unserem Zusammenleben
und unserer Gesellschaft keinen Platz haben. Nie wieder.
Das Bild zeigt
- Frau Dr. Andrea Rudorff und Nanne Wienands beim Gespräch über den
Vortrag "Die Todesmärsche aus den Lagern Grünberg und Schlesiersee"
- Günter Niepel mit einem der Bilder aus der Geschichte der
Gedenkstätte "Langer Gang".
Pressebericht
Den Frauen eine Stimme geben
Im Rahmen der "Langen Nacht der
Demokratie" fand eine besondere Stunde im nächtlich dunklen
Gemeindesaal statt. Bereits bei den ersten Worten von Hartmut Hendrich,
1. Vorsitzender des Vereins gegen das Vergessen e. V., der in
Schwarzenbach die Gedenkstätte "Langer Gang" betreut, wurde es ruhig,
sehr ruhig im Publikum. Hendrich führte in das Thema ein:
"Am 20. Januar 1945 wurden
etwa 1000 weibliche Häftlinge aus dem Lager Schlesiersee, dem heutigen
Ort Sława im Westen Polens evakuiert, einer Region, die an Deutschland
annektiert worden war. Die Frauen wurden auf einen Todesmarsch in
Richtung Südwesten gezwungen. Unterwegs kamen die Gefangenen durch
andere Lager, wo sich weitere Frauen dem Marsch anschließen mussten.
Etwa 670 Frauen kamen im KZ Helmbrechts an, viele von ihnen starben
dort an Krankheit und Erschöpfung. Gemeinsam mit den dort bereits zur
Zwangsarbeit untergebrachten Frauen mussten sie am 13. April 1945
wieder aufbrechen. Am 5. Mai 1945, nachdem für die aus Schlesiersee
stammenden Frauen eine Entfernung von insgesamt über 800 Kilometern
zurückgelegt worden war, endete der Marsch in der Stadt Wallern, heute
Volary in Tschechien, unweit der Grenze zu Deutschland und Österreich.
Insgesamt lagen 106 Tage harten Marschierens durch den Schnee hinter
den Frauen. 106 Tage und Nächte nagenden Hungers, der Krankheit, der
Demütigung und des Mordens. Von den ungefähr 1300 Frauen, die nach
Volary laufen mussten, überlebten etwa 350."
Den Frauen wurde an diesem
Abend ihre Stimme gegeben. Birgit Schreier und Nanne Wienands lasen
abwechselnd u. a. die erschütternden Worte der Russin Natalia Margan,
die sie den amerikanischen Untersuchungsbehörden zu Protokoll gab. Lise
Drosdor, 19 Jahre alt, berichteteüber die Aufseherin Herta Haase und
den Aufseher Walter Kowaliv:
„Herta Haase hat
mich viel geschlagen, fast jeden Tag. Sie schlug mit einem
Gummischlauch. Meistens wusste ich nicht, wofür ich geschlagen wurde.
Auch hat sie mich mit Stiefeln und den Füßen gestoßen. Walter Kowaliv
hat mich auch sehr viel geschlagen. Er schlug mit dem Karabiner auf
meinen Kopf. Meistens schlug er so wild, dass ich blutete. Auch er hat
mich mit den Stiefeln gestoßen.“
Anna Gumbinger, eine
weitere Häftlingsfrau, berichtete zu Herzen gehend über die Quälerei,
die zwei geflüchtete Gefangene ertragen mussten; eine davon war eine
jüdische Ärztin, die ihren Mitgefangenen oft geholfen hatte - ohne
Medikamente und Verbandszeug, das bekamen Gefangene nicht. Bluba
Beilowitz beschrieb den Weg ihrer Familie in die Todeslager, sie selbst
musste von Schlesiersee bis Volary laufen. Eva Abrams und Emma Fraaß,
Tema Weinstock und Hana Kotlicki, Herta Zaubermann und die Mutter von
Rita Abraham berichteten vom Hunger und den Ermordungen während des
Marsches. Luba Dzilovski und Gerda Klein kamen zu Wort. Auch die
Eindrücke des amrikanischen Majors Aaron S. Cahan werden berichtet, und
die Tatsache, dass in Volary nach der Befreiung nicht alle Frauen vor
dem Tod gerettet werden konnten; viele starben dort an den Folgen von
Misshandlung, Hunger und Erschöpfung. Die Gedanken des amerikanischen
Arztes Charles Frazer bewegen die Zuhörenden; beschreibt er doch, dass
knapp zwanzigjährige Mädchen und Frauen aussahen, als wären sie 70
Jahre alt.
Ausführlich kommt Amalie Mary Robinson zu Wort, deren Lebensweg in
Buchform festgehalten wurde.
Das versöhnlich stimmende,
aber auch mahnende Ende der Stunde bestand aus den Worten von Klaus
Rauh und dem Helmbrechtser Bürgermeister Stefan Pöhlmann, vorgelesen
aus der Dokumentation über das Lager Helmbrechts und den Todesmarsch: "Dem
Erstarken rechter Tendenzen müssen wir in aller Entschiedenheit
entgegen treten. Wer das nicht tut, gefährdet die Demokratie. Gerade
unsere Jugend muss dafür stark sein, und stark gemacht werden – durch
eine gute Bildung und eine breite Auseinandersetzung mit der Zeit des
Nationalsozialismus. Es muss immer wieder daran erinnert werden, wozu
Menschen fähig sind. Freiheit muss von Mal zu Mal neu erkämpft werden,
Demokratie ist nicht selbstverständlich. Wir alle müssen „Demokratie
leben“. In Helmbrechts und überall wollen wir dies voller Überzeugung
tun und nicht nachlassen in unseren Bemühungen, für Frieden,
Versöhnung, Respekt und Toleranz einzutreten.“
Die Bilder zeigen
- einen Blick in die
Gedenkstätte "Langer Gang"
- vlnr: Nanne Wienands, Hartmut Hendrich, Birgit Schreier bei der Lesung

Spende von der IGMetall
an den
Verein gegen das Vergessen e. V.

Pressebericht
Amtsblatt
Gedenken an die Opfer des
Nationalsozialismus 27.01.2024

Das Bild zeigt Nanne Wienands
an der neue
Hinweistafel am Schwarzenbacher Friedhof, unmittelbar hinter der
Friedhofskapelle.

Gedenken an die Opfer des
Nationalsozialismus
Sehr gut besucht war der
diesjährige ökumenische Gottesdienst am Abend des 27. Januar. Vor 79
Jahren befreite die Rote Armee an diesem Tag das Konzentrationslager
Auschwitz. Schockierende Bilder begleiten die Welt seit diesem Tag.
Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog erklärte den Tag im Jahre
1996 zum Gedenktag für alle Opfer des Nationalsozialismus. In
Schwarzenbach wird seit vielen Jahren in der St. Gumbertus-Kirche an
die Ereignisse von 1945 gedacht. Pfarrer Daniel Lunk von der
Evangelischen Kirchengemeinde begrüßte die Besucherinnen und Besucher
zu diesem Gottesdienst und stellte seine aktuelle Bedeutung heraus.
Sein Dank galt dem Team, das alljährlich diese Stunde gestaltet.
"Wir beginnen mit Schweigen". Eindrucksvoll liest Roland Marx diesen
Text. Schweigen gegenüber dem Unrecht, Schweigen gegenüber dem Leid,
von dem man erfährt. Dann aber sind alle Texte und Beiträge alles
andere als Schweigen; es sind deutliche Worte, die genau benennen,
welche Opfergruppen betroffen waren von den Gräueltaten der Nazis. Die
jungen Stimmen des Rehauer Chores "link to heaven" unter der Leitung
von Ursula Dollinger machen einmal mehr klar: auf die Jugend wurde
keine Rücksicht genommen im sogenannten Dritten Reich. In den Lagern,
im Krieg und im Alltag litten Kinder und Jugendliche, nur wenige
überlebten den Krieg.
Von zwei Kindern handelte auch der Impuls, den Nanne Wienands
ausgewählt hatte. Der irische Schriftsteller John Boyne schrieb im
Jahre 2006 das Buch "Der Junge im gestreiften Pyjama". Die
beeindruckende Geschichte, berichtet von dem Sohn des Kommandanten von
Auschwitz. Der neunjährige Bruno trifft an dem Zaun, hinter dem er nur
Menschen in gestreifter Kleidung herumlaufen sieht, einen ebenfalls
neunjährigen Jungen: Schmuel. Die beiden freunden sich rasch an; mit
seinem kindlich-naivem Blick kann Bruno die schrecklichen
Lebensumstände seines Freundes nicht erfassen. Aber er möchte wissen,
was sich hinter dem Verschwinden dessen Vaters verbirgt; er möchte
seinem Freund bei der Suche nach dessem Vater helfen. Dieser besorgt
einen "gestreiften Pyjama" aus einer Baracke, in der Kleidung gesammelt
wird. Bruno lässt seine eigenen Kleider am Zaun liegen. Bald werden die
Kinder von Soldaten in eine Halle getrieben ... Die Geschichte geht
nicht gut aus.
Wienands ging darauf ein, dass dieses Buch auch Kritik hervorgerufen
hat: einmal, weil es in den Lagern keine herumlaufenden Kinder gab. Sie
wurden sofort nach der Ankunft umgebracht und verbrannt. Und weil das
Buch eher Mitleid mit Bruno, einem Angehörigen der Täter erregt; und
die hohe Zahl von 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, die
willkürlich verfolgt, geschunden und ermordet wurden, in den
Hintergrund gerät. "Dieses Phänomen, den Tätern mehr Aufmerksamkeit zu
geben als den Opfern, kann jede und jeder von uns sofort ändern",
betonte Nanne Wienands.
Das Buch, das auch verfilmt wurde, sollte auch heute noch in keinem
Haushalt fehlen.
Sichtlich bewegt segnete
und verabschiedete der katholische Pfarrer Dr. Dieter Jung die
Anwesenden nach dem Lied "Freunde, dass der Mandelzweig sich in Blüten
wiegt...". Die jungen Frauen des Chors verabschiedete die
Gottesdienstbesucher auf ihre Weise: modern, schwungvoll und mit der
Hoffnung auf Frieden und Liebe.
Günter Niepel lud
abschließend zum Gang über den Friedhof zur Gräberzeile der Opfer ein.
Fackeln erhellten den Weg. An dem neuen Schild, das der Verein gegen
das Vergessen e. V. erst im Herbst dort aufgestellt hat, rief Nanne
Wienands alle Anwesenden dazu auf, sich um die Geflüchteten in der
Stadt zu kümmern. "Wir haben gerade für alle Menschen auf der Flucht,
für alle Menschen in Bedrängnis gebetet. Die Türen sind offen - bitte
sprechen Sie die jungen Menschen an!" ermunterte sie zur
Kontaktaufnahme. Zwei junge Syrer hatten Gottesdienst und das Gedenken
an den Gräbern begleitet; sie freuten sich über die
Gemeinschaft und das Kennenlernen dieser Tradition.
Helmbrechts findet klare Worte

In
Helmbrechts legten sie zum Gedenken Gebinde nieder. Foto:
Werner Bußler
PRESSEBERICHT
Frankenpost
Werner Bußler 10.11.2023
Bürgermeister
und einige Bürger nutzen den 9. November um der Pogrome von 1938 zu
gedenken. Dabei positionieren sich die Redner deutlich.
In
vielen Städten und Gemeinden wird am 9. November neben vielen anderen
Ereignissen, die dieses Datum zum deutschen Schicksalstag machen, in
Gedenkfeiern an die Pogromnacht von 1938 erinnert. Damals organisierte
das nationalsozialistische Regime Gewaltmaßnahmen in Deutschland und
Österreich gegen Juden. Schergen der der SS und der NSDAP ließen damals
über 1200 Synagogen in Flammen aufgehen, zerstörten jüdische Friedhöfe
misshandelten Menschen und demolierten Geschäfte, deren Inhaber
jüdischen Glaubens waren. Danach wurden seitens des Regimes zahlreiche
Menschen ermordet oder in Konzentrationslagern unter menschenunwürdigen
Bedingungen inhaftiert. Die Gräueltaten sollen nicht in Vergessenheit
geraten, deshalb heißt es am 9. November in vielen Orten: „Nie wieder“.
Auch
Helmbrechts hat bekanntlich ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte mit
dem KZ-Außenlager Flossenbürg. Von da aus startete am 13. April 1945
ein Todesmarsch in Richtung Volary, währenddessen Frauen jüdischen
Glaubens geschunden wurden und nicht wenige die Tortur nicht
überlebten. Daher findet am Jahrestag immer eine Zusammenkunft statt,
die ein Signal der Toleranz senden soll. Aber auch am 9. November
versammeln sich Menschen am Gedenkstein am Friedhof, um sich deutlich
gegen Gewalt und zunehmende Antisemitismus-Tendenzen zu positionieren.
Angesichts
aktueller Vorkommnisse müsse man überlegen, ob diese Gedenkfeiern und
Aufrufe etwas gebracht haben, fragte Bürgermeister Stefan Pöhlmann
provokant. Doch er sagte weiter, man dürfe nicht nachlassen, auf die
schrecklichen Ereignisse hinzuweisen und den Rechtsextremismus in der
Gesellschaft auch zu benennen. Viele Wähler, die als Protestwähler
gelten, wüssten aber leider genau, was sie tun, wenn sie Parteien mit
deutlich rechtsextremem Gedankengut wählen. Spricht man diese Leute
darauf an, warum sie unzufrieden sind, nennen sie einfache Parolen,
haben aber selbst keine Antworten und sehen als Lösung nur einen
Angriff auf die Freiheit und die Demokratie. Diese Errungenschaften
müsse man aber verteidigen. Zudem sei es wichtig, jüdisches Leben gegen
Angriffe zu schützen.
Hartmut
Hendrich vom Verein gegen das Vergessen sagte, die diesjährige Feier
werde dominiert von aktuellen Konflikten. Im größten Massaker seit dem
Holocaust überwanden Mordkommandos der islamischen Hamas die
israelischen Grenzanlagen und töteten über 1400 Menschen. „Wir trauern
um die Tausenden von Opfern auf israelischer Seite und ebenso um
unschuldige Palästinenser.“ Der Redner erwähnte dann antisemitische
Straftaten, die sich in Deutschland häuften und auch die teils
unverhohlene Zustimmung zu antisemitischen Aussagen ist erschreckend
hoch. „Wir müssen alles tun, damit Jüdinnen und Juden in Deutschland
sicher leben können. Nie wieder ist jetzt.“
Pfarrer
Andreas Schmidt betonte, ein Volk könne sich nicht wegducken von
Antisemitismus und auch nicht von seiner Geschichte, sondern müsse
diese annehmen und daraus Lehren ziehen. Das aus der Historie
gewachsene Bewusstsein für Recht und Unrecht müsse man schon bei
Kindern in der Schule verankern. Israel, so stellte er ausdrücklich
fest, sei die Heimstatt des jüdischen Volkes. Es folgten stille Minuten
des Gedenkens. Gebinde waren bereits vorher am Mahnmal niedergelegt
worden.
Pressebericht

Das Bild
zeigt die neue Hinweistafel am Schwarzenbacher Friedhof, unmittelbar
hinter der Friedhofskapelle.
Seit
vergangener Woche steht am Friedhof in Schwarzenbach an der Saale eine
neue Hinweistafel, und zwar am Gräberfeld der Opfer aus der Nazizeit.
Recherchiert und verwirklicht, in Auftrag gegeben und nun letztendlich
aufgestellt wurde die Tafel vom Verein gegen das Vergessen e. V., der
seit zwanzig Jahren in Schwarzenbach aktiv ist und die Gedenkstätte
"Langer Gang" in der Schwarzenbacher Bahnhofsstraße betreut. "Wir
denken es ist höchste Zeit, endlich darauf hinzuweisen, dass unser
Friedhof auch eine letzte Ruhestätte für Menschen geworden ist, die in
den Wirren des Kriegsendes 1945 ums Leben gekommen sind, und deren
Heimat weit entfernt war;" meint Nanne Wienands, 2. Vorsitzende des
Vereins. Gemeinsam mit Günter Niepel hat sie sich um die Aufstellung
der neuen Tafel gekümmert. Für die Recherchearbeit wurde neben
Aufzeichnungen der Schwarzenbacher Stadtverwaltung auch das bekannte
"Arolsen Archive" in Anspruch genommen. Dorthin pflegt der Verein gute
Kontakte.
Drei Personengruppen werden auf der Tafel aufgeführt: zum einen starben
in Schwarzenbach Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die in den
ansässigen Betrieben arbeiten mussten. Gedacht ist an die Frauen des
Todesmarsches vom Konzentrationslager Helmbrechts nach Volary im
heutigen Tschechien; mindesten sechs von ihnen starben in der Nacht vom
13. auf den 14. April 1945. Andere Quellen nennen sogar zehn tote
Frauen. Dazu kamen weitere Opfer aus Konzentrationslagern, die auf
ihrem Weg durch unsere Region starben oder ermordet wurden. Letztlich
wurden auch Soldaten und Kriegsgefangene unterschiedlicher Herkunft
nach Schwarzenbach zum Friedhof gebracht.
Bis heute kommen ständig bisher unbekannte Fakten über die
Kriegsereignisse ans Tageslicht. "Das Chaos der damaligen Zeit ist
heute schwer vorstellbar. Unser Anliegen heißt 'Niemand soll vergessen
sein'!" meinen die Aktiven vom Verein gegen das Vergessen e. V..
Die
Gedenkstätte "Langer Gang" ist wieder am Sonntag, 5. November 2023 von
14 bis 16 Uhr geöffnet.
Internationales Zentrum über NS-Opfer - Arolsen Archives
(arolsen-archives.org)
Gedenkstätte Langer Gang
(schwarzenbach-saale.de)
Pressebericht Amtsblatt
Sonja&Wulli im Hinterhalt

Großartig
war dieser Abend mit den beiden Musikern; handgemacht und selbst
gesungen; traurige, fröhliche, besinnliche und zu Herzen gehende alte
und neue Lieder waren zu erleben. Kraftvoll und emotional sangen sich
Sonja & Wulli in die Herzen der Gäste im Schwarzenbacher
Hinterhalt. Sie nahmen das Publikum mit auf eine Art Reise durch ganz
unterschiedliche Musikrichtungen. Deutsche und englische Liedtexte
waren zu hören, und ihre eigenen Werke und Kompositionen
vervollständigten den Abend. "Songs für das Leben, die Liebe und den
Frieden" - wie ein roter Faden zog sich die Vorankündigung durch das
Programm. Auch die Verarbeitung der eigenen Belastung durch die
Corona-Zeit fand ihren Platz mit dem Lied "Einfach nur müde".
Der
Verein gegen das Vergessen e. V. hatte diesen Abend organisiert,
nachdem vor exakt zwei Jahren nur zwanzig geladene Gäste zur Feier des
zwanzigjährigen Bestehens des Vereins dabei sein durften. Voll besetzt
war der Zuschauerraum der Kleinkunstbühne Hinterhalt diesmal; die
Besucher drängten sich um die Plätze. Werden Sonja & wulli
wiederkommen? Man wird sehen. Wer den Abend verpasst hat, kann sich
jedenfalls auf ihrem YouTube-Kanal einen Eindruck verschaffen. Ein
Tisch voller CD's der Musiker und Informationen des Vereins
vervollständigten den Abend.
Pressebericht
Neue Pläne beim Verein gegen das Vergessen e. V.
Die Neuwahlen bei der Jahreshauptversammlung des Vereins gegen das
Vergessen e. V. in Schwarzenbach/Saale brachten keine Überraschung: der
alte Vorstand ist wieder einmal der neue Vorstand. Erster Vorsitzender
wurde erwartungsgemäß Hartmut Hendrich aus Hof, zweite Vorsitzende ist
wieder Nanne Wienands aus Schwarzenbach/Saale, die Kasse wird von
Regina Scholz aus Oberkotzau verwaltet, Schriftführerin ist Birgit
Schreier aus Schwarzenbach/Saale; als Kassenprüfer agieren Gabriela
Möckel und Bertram Popp. Auch die Beisitzer sind wieder im bewährten
Team: Francesca Hilgner, Günter Niepel und Michael Stumpf. Der
Vorstandswahl unter der Leitung von Ulrike Dierkes-Morsy aus Hof waren
vor allem die Berichte der Vorstandschaft vorangegangen.
Trotz der Pandemie mit allen ihren Einschränkungen waren die
Besucherzahlen in der Gedenkstätte Langer Gang nur geringfügig weniger
geworden. Die Gedenkveranstaltungen jeweils am 27. Januar, 13. April
und 9. November konnten alle stattfinden und waren sehr gut besucht. In
der Schwarzenbacher St. Gumbertuskirche begeisterte der Chor "link to
heaven" aus Regnitzlosau im Januar 2022 alle Anwesenden.
Dieser Gottesdienst, die Lesung "Eine Mutter kämpft gegen Hitler" in
Helmbrechts und die Neugestaltung der Kinopassage in Schwarzenbach in
Kooperation mit der Geschwister-Scholl-Mittelschule
Schwarzenbach/Saale, dem Künstler Nils Oskamp und dem Arbeitskreis
"Attraktives Schwarzenbach" zeigen die große Bandbreite der Aktivitäten
des Vereins. Zum Konzert "Shalom" am Muttertag, 8. Mai 2022 mit Liedern
jüdischer Komponisten kamen erfreulicherweise über achtzig Gäste. Auch
der Vortrag von Elfriede Schneider „Der Landrat aus dem KZ“ im November
2022 fand viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer.Die Sanierung
der Gedenkstätte "Langer Gang" im Herbst 2022 konnte mit Hilfe einiger
Zuschüsse und Spenden abgeschlossen werden; unterstützt wurde der
Verein u. a. durch die Oberfrankenstiftung. Eine Spende der Stadt
Schwarzenbach ist zugesagt. Nicht unerwähnt blieb, dass nach der
Pandemie die Gedenkstätte "Langer Gang" wieder regelmäßig an jedem
ersten Sonntagnachmittag im Monat geöffnet wurde.
Der Kassenbericht von Regina Scholz ergab, dass weiterhin 50 Mitglieder
dem Verein die Treue halten. Für Sanierung, Energiekosten und
Veranstaltungen waren im Jahr 2022 knapp 9.000 Euro ausgegeben worden;
die Einnahmen aus Zuschüssen und Spenden betrugen rund 11.000 Euro.
Gabriela Möckel und Bertram Popp hatten die Kassenführung geprüft und
alles wohlgeordnet vorgefunden.
Auf Antrag von Gabriela Möckel war der Vorstand entlastet worden. Viele
Dankesworte wurden an jeden Einzelnen im Vorstand verteilt; und ein ums
andere Mal betont, dass alle Vorstandsmitglieder optimal
zusammenarbeiten. Großer Dank galt auch der Aktion "Demokratie leben"
des Bundesfamilienministeriums, auf dessen Unterstützung man
zuverlässig zählen könne.
Anschließend diskutierte man über bereits erfolgte Ereignisse im Jahr
2023. Hier wurde besonders an den Vortrag von Lothar Krause vom Theater
Hof über das Theaterstück "Die weiße Rose" erinnert, und an das Referat
von Ulrich Fritz, der im April 2023 in Helmbrechts über den Todesmarsch
der 1170 Frauen gesprochen hat. Ulrich Fritz ist Leiter der
Geschäftsstelle des Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für
jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und
geschichtliches Erbe. Seine Forschungsarbeiten haben immer auch
Oberfranken im Blick!
Schließlich ging es um die Pläne für den Herbst 2023 und das kommende
Jahr 2024. Innerhalb der nächsten Wochen wird auf dem Schwarzenbacher
Friedhof eine Informationstafel an der Gräberreihe der Opfer
aufgestellt. Mitglieder des Vereins halten guten Kontakt zu den Arolsen
Archives, zur "Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion
Nürnberg" und zum Netzwerk "Wunsiedel ist bunt".
Unter dem Titel "Vergessene Orte" arbeitet der Verein seit einiger Zeit
daran, Häuser und Plätze in Schwarzenbach ausfindig zu machen, die mit
der Nazi-Zeit in Verbindung stehen. Weil sich dazu immer wieder neue
Aspekte und Hinweise ergeben, ist es in den vergangenen Jahren noch
nicht gelungen, hier einen Abschluss zu finden. Ziel wäre es, einen
Stadtrundgang dazu zu erarbeiten. An dieser Stelle bittet der Verein
die Bevölkerung, alte Bilder oder überlieferte Hinweise weiterzugeben.
Gerne können die Mitglieder des Vereins bei den Öffnungszeiten der
Gedenkstätte "Langer Gang" an jedem ersten Sonntag im Monat von 14 - 16
Uhr angesprochen werden.
Geplant ist am 13. April 2024 eine Aufführung der Gruppe "Theater in
der Kirche" zur letzten Nacht von Dietrich Bonhoeffer im KZ
Flossenbürg. Er ist dort am 9. April 1945 umgebracht worden. Gezeigt
werden soll das Theaterstück in der Johanniskirche in
Helmbrechts. Im Helmbrechtser Textilmuseum soll eine große Ausstellung
gezeigt werden, die zusammen mit polnischen Studenten erarbeitet wird
und viel vorbereitende Überlegungen erfordert. Im November 2024 jährt
sich die Eröffnung der Gedenkstätte "Langer Gang" zum zwanzigsten Mal.
Der Vorstand wird noch darüber beraten, in welcher Form der Verein
diesen Jahrestag begehen wird.

Das Bild zeigt Mitglieder und den Vorstand des
Vereins gegen das Vergessen e. V.
vlnr: Hartmut Hendrich aus Hof, Gabriela Möckel aus Martinlamitz, Kuno
Zöller aus Töpen, Regina Scholz aus Oberkotzau, Francesca Hilgner aus
Münchberg, Nanne Wienands, Birgit Schreier und Günter Niepel aus
Schwarzenbach/Saale.

Bürgermeister
Stefan Pöhlmann bei seiner Ansprache am Mahnmal. Foto: /Bußler
KZ-TodesmarschDie
Mahnung der getöteten Frauen
Werner Bußler 14.04.2023
- 13:18 Uhr
Helmbrechts gedenkt zum Jahrestag des Todesmarschs nach Volary. Der
aktuelle Bezug liegt auf der Hand.
Am 13. April 1945 schickten Schergen des NS-Regimes 1173 Insassen des
in Helmbrechts betriebenen Außenlager des KZ Flossenbürg auf einen
Marsch, der sie, sofern sie überlebten, nach Volary führen sollte. Mit
dieser Maßnahme wollten sie gegenüber den nahenden amerikanischen
Truppen Beweise für die in den Lagern verübten Verbrechen vertuschen.
Ein Großteil der im KZ Gefangenen waren Frauen jüdischen Glaubens,
welche die Aufseher besonders brutal behandelten. Viele von ihnen waren
von den Anstrengungen des langen Laufens bald erschöpft, hatten keine
Kraft mehr und wurden unterwegs kurzerhand hingerichtet.
Um dieses grausige Kapitel der Geschichte nicht zu vergessen und als
ständig wiederkehrende Mahnung vor Hass, Gewalt, Rassismus und Terror
in jedweder Form findet jeweils zum Jahrestag ein Gedenken statt,
organisiert von den drei Gruppen Verein gegen das Vergessen,
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten,
Initiative gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit in enger
Kooperation mit der Stadt Helmbrechts und der evangelischen
Kirchengemeinde Helmbrechts.
Gerade in der jetzigen Zeit stehen Fragen im Raum, nämlich: Schweigen
wir wieder, wenn Menschen verunglimpft oder angegriffen werden? Tun wir
genug gegen Nationalismus, Rechtsextremismus, Rassismus und
Antisemitismus? Ist es genug, an Gedenktagen an die Gräueltaten des
Nationalsozialismus zu erinnern? Wie sieht unser Einsatz für Demokratie
und Menschenwürde aus? Darauf sollte es eine eindeutige Antwort geben,
doch man muss sich auch überlegen, wie man selbst gehandelt hätte, wäre
man Bürger im Naziregime gewesen. Dies war ein Aspekt, den ein Experte
ansprach, der in dieses Jahr für die Gedenkrede in der Helmbrechtser
Friedhofskapelle gewonnen werden konnte. Ulrich Fritz fungiert als
Leiter der Geschäftsstelle des Beauftragten der Bayerischen
Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für
Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. In seinem Vortrag ging er
auf die Entwicklung der KZ[1]Außenlager
ein und auch auf die Situation in Helmbrechts. Hier waren die
Insassinnen übrigens nicht ständig im Lager, sondern mussten auch
Zwangsarbeit in einer Fabrik leisten, die Kabel und Munition herstellte.
Die juristische
Aufarbeitung des Geschehens begann erst spät mit der Anklage gegen
Lagerleiter Alois Dörr, der bis 1969 unbehelligt in Baden-Württemberg
lebte. Das Magazin Stern bezeichnete ihn in einem Artikel als „der gute
Mensch von Höpfingen“.
In Helmbrechts
befassten sich Heimatforscher mit diesem dunklen Zeitabschnitt. Leuten
wie Walter Schlosser, Dr. Ekkehard Hübschmann, Klaus Rauh und Elfriede
Schneider ist es zu verdanken, dass dank Forschungen und Recherchen
dieser Teil der Stadthistorie nicht verschwiegen oder verdrängt wird,
sondern ein offensiver Umgang damit erfolgt. Die Helmbrechtser haben
als Zeichen der Reue für die in ihrer Stadt verübten Verbrechen den
Überlebenden des Lagers die Hand zur Versöhnung gereicht und die Opfer
haben diese Geste angenommen. Für Pfarrer Andreas Schmidt, der zur
Gedenkstunde begrüßte, sollte es sich von selbst verstehen, dass den
Nachgeborenen die Ereignisse als Mahnung dienen und sie nicht vergessen
dürfen. Dies griff auch Ulrich Fritz auf, der betonte: „Das Befassen
mit der Geschichte ist kein Selbstzweck, sondern dringend notwendig.“
Pfarrer Andreas Schmidt war es, der Namen der getöteten jüdischen
Frauen vorlas und damit stellvertretend allen Opfern ihre Würde
zurückgab.
Anschließend
erfolgte eine Kranzniederlegung am Mahnmal am Friedhofseingang. Dabei
sagte Bürgermeister Stefan Pöhlmann, die Realität zeige, dass man um
die Errungenschaften kämpfen und das Schild der Demokratie hochhalten
müsse. Er ging in diesen Zusammenhang auch auf die bald ankommenden
Geflüchteten ein, die in Helmbrechts ein Quartier erhalten. Er sei
davon überzeugt, dass die Bevölkerung diesen Menschen helfen wird, den
Alltag leichter zu machen. Bürgerinnen und Bürger, die skeptisch den
Neuankömmlingen gegenüber stehen, sollten sich in die Lage von Leuten
versetzen, die wegen Gefahren für Leib und Leben ihre Heimat verlassen
haben.
Hartmut Hendrich vom Verein gegen das Vergessen betonte in seiner
kurzen Ansprache, man sei der historischen Verantwortung für
Menschheitsverbrechen bewusst und sei verpflichtet sich jederzeit für
Frieden sowie gegen Rassismus und gegen Antisemitismus einzusetzen
05.03.2023 Spendenübergabe

Pressebericht
fürs Amtsblatt
Gedenkgottesdienst für die
Opfer des Nationalsozialismus
Es war für viele
Gottesdienstbesucherinnen und -besucher eine Überraschung: eine
Liebesgeschichte stand im Mittelpunkt des alljährlich stattfindenden
ökumenischen Gedenkgottesdienstes für die Opfer des
Nationalsozialismus. Zumindest hätte es zu normalen Zeiten eine
Liebesgeschichte sein können. Die Oper "Helena Citronova", die in den
vergangenen Wochen in der Reihe "Wider das Vergessen" am Theater Hof
gezeigt wurde, hatte die Geschichte aufgegriffen, die sich tatsächlich
zugetragen hat.
Franz Wunsch, der sich im Alter
von 17 Jahren freiwillig zur SS gemeldet hatte, war nach Fronteinsatz
und Verletzung Aufseher im Konzentrationslager Auschwitz. Er verliebt
sich in eine zwanzigjährige slowakische Jüdin, die in seinem Kommando
arbeitet: Helena Citronova. Der Regisseur der Oper und zukünftige
Intendant des Hofer Theaters, Lothar Krause, brachte den zahlreichen
Zuhörerinnen und Zuhörern die Geschichte nahe. Einfühlsam und in die
Tiefe gehend berichtete er von dem Geschehen:
Bereits 1942 war Helena
Citronova mit dem "Transport der 999 Frauen", dem ersten
Frauentransport nach Auschwitz gekommen. Eine Freundin sorgte dafür,
dass sie statt körperliche Schwerstarbeit verrichten zu müssen, im
Sonderkommando "Kanada" arbeiten konnte; dort wurden die Habseligkeiten
der für Zwangsarbeit oder Gaskammer bestimmten Neuankömmlinge sortiert
und verwertet.
An seinem 21.
Geburtstag - es ist Citronovas erster Arbeitstag im Sonderkommando
"Kanada" - lässt Unterscharführer Wunsch die junge Häftlingsfrau ein
Lied als Geburtstagsständchen für sich selbst vortragen. Bisher war er
durch Grausamkeit und Menschenverachtung aufgefallen, er war für
brutale Misshandlungen und die Mitwirkung bei den Selektionen an der
Rampe bekannt. Offenbar aber weckte der Gesang Seiten in ihm, die dazu
führten, dass er Helena half, in seinem Kommando zu bleiben. Dort
musste sie leichtere Arbeiten verrichten, als so manch andere
Mitgefangene. Als ihre Schwester Rozinka mit ihren beiden Kindern auf
dem Weg in die Gaskammer ist, bittet sie Wunsch darum, diese ihr so
nahe stehenden Menschen zu retten; obwohl sie sein Werben strikt
ablehnt. Wunsch kann die Schwester vor der Gaskammer bewahren; die
Kinder werden ermordet. Wegen seiner wahrnehmbaren Zuneigung zu Helena
bekommt Wunsch große Probleme mit seinen Vorgesetzten. Insgeheim hatte
er erkannt, wie sehr seine frühere Menschenfeindlichkeit von außen
gesteuert wurde. Helena aber kann zu einem Mörder keine Beziehung
haben, auch wenn sie durchaus Gefühle entwickelt hat für Franz Wunsch.
Als das Lager
Auschwitz am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit wird, trennen
sich die Wege der beiden jungen Menschen. Helena wird im Januar 1945
wie 56.000 andere Menschen aus dem Lager Auschwitz auf einen
Todesmarsch geschickt. Den Zettel mit der Adresse von Wunsch's Eltern
wirft sie in den Schnee. Sie überlebt diese schlimmen Zeiten und geht
über ihre Heimat Slowakei nach Israel und beginnt dort ein neues Leben.
Franz Wunsch geht nach Österreich zurück. Beide gründen eigene Familien.
Im Jahr 1972
steht Franz Wunsch in Wien vor Gericht. Helena Citronova tritt als
Zeugin auf. Sie berichtet die Wahrheit. Wunsch wird trotz erdrückender
Beweise freigesprochen - seine Taten sind verjährt. Die beiden sehen
sich danach nie wieder.
Der ökumenisch
geprägte Gottesdienst im gut gefüllten Gemeindehaus wurde musikalisch
von Ursula Dollinger am Klavier begleitet. Pfarrerin Annett Treuner und
Pfarrer Dr. Dieter Jung hatten die Begrüßung und den Segen am
Ende des Gottesdienstes übernommen. Mitglieder der beiden
Kirchengemeinden, des Vereins gegen das Vergessen e. V. und Schüler der
Geschwister-Scholl-Mittelschule lasen die immer wieder ergreifenden
Texte. Im Anschluss an den Gottesdienst war die Gedenkstätte "Langer
Gang" geöffnet. Großes Interesse dafür zeigte Lothar Krause, der von
einigen Kolleginnen und Kollegen aus dem Theater Hof begleitet wurde.
Noch lange wurde erzählt und diskutiert. Die Gedenkstätte wird am
kommenden Sonntag, 5. Februar 2023 von 14 Uhr bis 16 Uhr wieder
geöffnet sein.
Das
Bild zeigt die Begleitbroschüre zur Oper "Helena Citronova".
Viele
Grüße und vielen Dank für alle Unterstützung,
nanne wienands

Der Landrat aus dem KZ -
Vortrag von Elfriede Schneider

Das Bild
zeigt Elfriede Schneider bei ihrem Vortrag.
Der Landrat aus dem KZ - Anselm
Joel
Elfriede
Schneider hat als Redakteurin der Frankenpost in den vergangenen
Jahrzehnten viele gut recherchierte Berichte geschrieben. Ab und zu tut
sie es heute noch. In ihren Berichten war stets neben viel
Hintergrundinformation auch Herzblut zu enthalten: wenn sie sich in ein
Thema vertieft, dann ist sie ganz und gar dabei.
Jetzt - im Ruhestand - hat sie
Zeit und Muse, sich Themen zu widmen, die ihr bei der alltäglichen
Berufsarbeit am Rande begegnet sind. So zum Beispiel die geschichtlich
nicht unbedeutende Episode, als nach dem Zweiten Weltkrieg, im Jahr
1945, die amerikanischen Militärbehörden, einen ehemaligen Häftling der
nazideutschen Konzentrationslager als Landrat einsetzten. Wie sie
berichtet, war viel Forschungsarbeit in Archiven erforderlich, etliche
Gespräche mit Zeitzeugen wurden geführt, Bücher gelesen, um nun
Ergebnisse darstellen zu können.
Der Verein gegen das Vergessen e.
V. hatte Frau Schneider zum Vortrag eingeladen; und sie berichtete eine
Stunde lang aus dem Leben dieses Mannes, der Hofs erster Landrat nach
dem Krieg wurde. Sein Vorname ist zutiefst christlich geprägt, der
Nachname jüdisch: Anselm Joel. Er wurde geboren am 2. Januar 1898 in
Frankfurt am Main, der Vater war Jude, deshalb durfte er in Preußen
nicht im Staatsdienst arbeiten, sonder war als wissenschaftlicher
Privatlehrer tätig. Die Mutter gehörte der reformierten Kirche an.
Anselm hatte zwei jüngere Brüder; Zwillinge. Vater und Mutter sterben
früh; die Kinder haben keine einfache Kindheit. Anselm wollte
Schriftsteller werden, aber auf Wunsch des Vaters schlägt er eine
Offizierslaufbahn ein. Im Jahr 1916 wird er nach einer Ausbildung zum
Militär eingezogen. Wegen der Anstiftung eines militärischen Aufruhrs
wird er inhaftiert und zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Aufgrund
einer Amnestie kommt er gegen Ende des Ersten Weltkriegs frei und
findet überraschenderweise ein Anstellung als Pressedezernent im
Berliner Polizei-Präsidium, dann bei verschiedenen Zeitungen als
politscher Redakteur. Er heiratet; die Eheleute bekommen einen Sohn
"Max". Max wächst bei den Großeltern auf; die Armut der Eheleute Joel
erlaubt nicht einmal eine eigene Wohnung. Ein Nachbar erinnert sich,
Joel sei ein Idealist gewesen, der ohne Rücksicht auf sich und seine
Familie für Freiheit und Gerechtigkeit gekämpft habe. In entsprechenden
Organisationen engagierte er sich.
Im
März 1933 gehörte er zu den ersten, die von von den Nazis in Berlin
festgenommen und in Lager gebracht wurden. Zwölf Jahre musste er in
Konzentrationslagern verbringen; in Sonnenburg bei Küstrin, in
Esterwegen und in Sachsenhausen. Seine grauenvollen Erlebnisse prägen
ihn. Als das letzte Lager, das KZ Prettin aufgelöst wird, erreicht ein
Transport mit Häftlingen den Bahnhof Hof/Moschendorf. Anselm Joel ist
einer von ihnen. Sein Überleben verdankt er unter anderem Anneliese
Nusch, der Frau des Pfarrers der Moschendorfer Kirche. Er flüchtet und
versteckt sich; am 15. April 1945 kommen die Amerikaner nach Hof. Zwei
Wochen später war er Landrat. Das damalige Landratsamt befand sich in
Hof in der Theresienstraße 29; heute sind dort moderne Wohnungen
eingebaut. Die Arbeit in der chaotischen Nachkriegszeit bestand für ihn
in der Verbesserung der Lebensverhältnisse der Bewohnerinnen und
Bewohner des Landkreises, der Unterbringung und Verpflegung von
tausenden Flüchtlingen und der Strukturierung der erforderlichen
Amtsgeschäfte. Was wir uns alle nicht vorstellen können: das
Trinkwasser war knapp.
Bei der damaligen Regierung in München setzt er sich u. a. für eine
bessere Versorgung mit Lebensmitteln ein; aber er erlebt immer wieder
üble Nachrede, Missgunst und schwere Unterstellungen. Aus dieser Zeit
sind etliche originale Schreiben und Aufzeichnungen erhalten. Anselm
war ein überzeugter Kämpfer für demokratische Entscheidungswege. Am 27.
Januar 1946, ein Jahr nach der Befreiung von Auschwitz, finden
Gemeindewahlen statt: heute würde man sagen "Kommunalwahlen". Es sind
schlichtweg Intrigen und unterschiedliche Informationen, die dazu
führen, dass Joel Mitte Juni 1946 die Saalestadt verlässt. Wegen
fehlender Unterlagen bekommt Joel weder eine Wiedergutmachung für die
erlittene Haft, noch wird ihm eine Rente bezahlt. Auch eine angemessene
berufliche Laufbahn ist ihm nicht mehr vergönnt; er starb alkoholkrank
und völlig mittellos im Juni 1961 in Berlin. Hinterlassen hat er ein
beeindruckendes Manifest der Demokratie; es ist ein weitsichtig
geprägtes Schreiben, das aktuell auch in unsere Zeit passt. Elfriede
Schneider liest daraus vor.
Viele Einzelheiten müssen hier unerwähnt
bleiben.
Da einige fachkundige Besucherinnen und
Besucher dem Vortrag gelauscht hatten, kam es im Anschluss zu
vertiefenden Diskussionen. Anschließend besuchten eine Reihe von Gästen
die Gedenkstätte "Langer Gang".
Pressebericht
Jahreshauptversammlung "Verein gegen das Vergessen e. V."
Hoch erfreut war die Vorstandschaft des "Vereins gegen das Vergessen e.
V." über den guten Besuch der diesjährigen Jahreshauptversammlung.
Erster Vorstand Hartmut Hendrich aus Hof betonte in seinem
Rechenschaftsbericht für das Jahr 2021, dass man trotz der
Einschränkungen durch die Pandemie zahlreiche Veranstaltungen
durchführen konnte. Obwohl die Gedenkstätte "Langer Gang" in
Schwarzenbach/Saale mehrmals geschlossen bleiben musste, kamen über das
Jahr verteilt etwa 80 Besucherinnen und Besucher an den Öffnungstagen.
Einige Gruppen hatten sich angemeldet, die zusätzlich den Film über das
Konzentrationslager in Helmbrechts und das Kriegsende 1945 sehen
konnten. "Höhepunkt der Veranstaltungen im Jahr 2021 war das Konzert
"Friedenslieder" zum zwanzigjährigen Bestehen des Vereins am 4. Juli
2021 in der Kleinkunstbühne "Hinterhalt" in Schwarzenbach/Saale,"
berichtete Hendrich. Er erinnerte auch an den 100. Geburtstag von
Sophie Scholl, zu dem der Verein der Geschwister-Scholl-Mittelschule in
Schwarzenbach/Saale ein großes Portrait von Sophie Scholl überreichte,
das der Grafiker und Zeichner Nils Oskamp entworfen hatte.
Zur Friedensdekade konnte die zweite Vorsitzende des Vereins, Nanne
Wienands, in der St. Gumbertuskirche aus dem wechselhaften Leben von
Helena Bohle-Szacki berichten. Als Zwangsarbeiterin kam sie als junges
Mädchen in das Lager in Helmbrechts. Durch glückliche Fügungen
überlebte sie den Todesmarsch und kehrte auf langen Wegen und zu Fuß in
ihr Elternhaus nach Polen zurück. Sie wurde eine anerkannte
Textilkünstlerin und lehrte später an der Lette-Schule in Berlin.
Geplant ist nun für das Jahr 2023 eine Ausstellung mit ihren Werken im
Textilmuseum in Helmbrechts. Dazu hat bereits Ende August 2021 ein
Treffen mit studentischen Vertretern des polnischen Textilmuseums in
Lodz stattgefunden.
Die Lesungen in Wunsiedel und Helmbrechts mit Patricia Litten "Eine
Mutter kämpft gegen Hitler", deren Organisation der "Verein gegen das
Vergessen e. V." übernommen hatte, waren jeweils gut besucht.
Interessant war im Jahr 2021 die Übernahme von Akten aus dem Nachlass
eines Rechtsanwaltes, der einem der Aufseher des Konzentrationslagers
Helmbrechts als Pflichtverteidiger zur Seite stehen musste. Die in den
Unterlagen enthaltenen neuen Erkenntnisse sollen in einer Neuauflage
des Buches "Das Frauenkonzentrationslager Helmbrechts und der
Todesmarsch nach Volary" berücksichtigt werden.
Hendrich bedankte sich herzlich bei der gesamten Vorstandschaft und
allen Beteiligten. Besonderer Dank ging an die Verantwortlichen des
Bundesprogramms "Demokratie leben in der Mitte Europas". "Ohne diese
Unterstützung wären viele Aktivitäten nicht möglich gewesen," erklärte
Hendrich, "auch das sehr gut besuchte Konzert "Shalom" am Nachmittag
des 8. Mai 2022 wurde von "Demokratie leben!" gefördert." Hendrich
betonte auch die gute Zusammenarbeit mit dem Oberkotzauer Bündnis für
Demokratie, dem Hofer Bündnis für Zivilcourage, dem "Netzwerk Wunsiedel
ist bunt" und der "Allianz gegen Rechtsextremismus in der
Metropolregion Nürnberg".
Für die nächste Zeit plant der Vorstand Sanierungsarbeiten in der
Gedenkstätte; an den Stufen soll ein Handlauf angebracht werden. Dazu
ist die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz erforderlich. Eine
Vortragsveranstaltung im Herbst 2022 ist genauso in Vorbereitung wie
die immer wiederkehrenden Gedenkveranstaltungen am 9. November, 27.
Januar und 13. April. Mit einem neu gestalteten Flyer und weiteren
Angeboten wird man versuchen, das Interesse von jungen Menschen an der
Erinnerungsarbeit zu wecken.
Kassiererin Regina Scholz stellte den Kassenbericht des Vereins vor;
die Kassenprüfer Gabriela Möckel und Bertram Popp bestätigten die
ordnungsgemäße Führung der Kasse. Auf Antrag wurde der Vorstand
einstimmig entlastet; Neuwahlen stehen im Jahr 2023 an. Der "Verein
gegen das Vergessen e. V." geht zuversichtlich in die nächsten Jahre.
Das Bild zeigt das im Jahr 2018 veröffentlichte und mehrfach neu
aufgelegte Buch des Vereins.

Pressebericht
Bücher für die "Arolsen
Archives"
Die "Arolsen Archives", die "Arolsener
Archive" gehen zurück auf ein bedeutsames Anliegen der Allierten nach
dem Zweiten Weltkrieg: sie wollten den Millionen Opfern, den vermissten
und getöteten Kindern, Frauen und Männern nicht nur ein Andenken geben,
sondern für Aufklärung sorgen, für einen würdevollen Umgang mit dem
Leid, den der Krieg erzeugt hatte. "International Tracing Service"
nannte sich anfangs diese Einrichtung im heutigen Bad Arolsen bei
Kassel. Dreißig Millionen Karteikarten, Belege und Listen zu Opfern des
Holocaust werden hier seit Jahrzehnten aufbewahrt und erforscht. "Ein
Denkmal aus Papier" heißt denn auch die ständige Ausstellung, die zu
dieser wichtigen Institution gehört und momentan in leerstehenden
Geschäftsräumen untergebracht ist.
Dorthin brachten Gabriela
Möckel und Nanne Wienands kürzlich etliche hundert Bücher in fast
zwanzig Kartons verpackt; Bücher über die Zeit des
Nationalsozialismus mit dem Schwerpunkt der Erinnerungs- und
Opferkultur. Es handelte sich insbesondere um Dokumentationen,
Bildbände, Erlebnisberichte, Biografien und Autobiografien, Romane,
Kataloge und Broschüren aus zwei Nachlässen. Die Schenkung wurde
bereits vor Monaten mit dem Leiter der Bibliothek der Arolsen Archives,
Jens Paul, abgesprochen. Er erwartete die Gäste und sprach von der
umfangreichsten Bücherspende seit Bestehen des Archivs. Er zeigte den
Gästen aus Schwarzenbach an der Saale einige Arbeitsplätze des Archivs
und vor allem die Dauerausstellung "Ein Denkmal aus Papier". Gabriela
Möckel und Nanne Wienands bekamen einen umfassenden Eindruck in die
immer noch aktuelle Arbeit des Archivs.
Die Arolsen Archives waren das
erste digitalisierte Archiv in Deutschland. Die Anfragen
nachforschender Betroffener, beteiligter Institutionen und
interessierter Nachkommen nahmen in den vergangenen Jahren wieder
stetig zu. Einzelschicksale der Ausstellung zeigen die persönliche
Bedeutung der Arbeit. So fanden sich Familienangehörige wieder, Freunde
trafen sich nach jahrelanger Suche. In den letzten Jahren ist es
gelungen, sogenannte "Effekten" - letzte Erinnerungsstücke, die man u.
a. in Konzentrationslagern und Gefängnissen den Gefangenen und
Zwangsarbeitern abgenommen hatte, den Nachkommen der Betroffenen
zurückzugeben. "Das ist in aller Regel ein sehr emotionaler Moment,"
meinte Jens Paul. Er erläuterte, dass auch aktuell jedermann online
nach vermissten Angehörigen suchen kann. "Ob vermisste Geschwister,
desertierte Soldaten, Opfer des Holocaust oder Zwangsarbeiterinnen und
Zwangsarbeiter - es gibt immer wieder neue Erkenntnisse. Namen werden
unterschiedlich geschrieben oder nach Aussprache weitergegeben; wir tun
wirklich alles, was wir können, um Menschen weiterzuhelfen," betonte er.
Momentan sei eine große Aktion in Gang, bei der Bilder der Deportation
von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern gesucht werden. "Und unsere
Onlinevorträge und -zeitzeugengespräche sind ein großer Erfolg, das
Interesse ist groß," berichtete er. Über alle Aktivitäten der Arolsen
Archives kann man sich mit Hilfe der website informieren:
Internationales Zentrum über
NS-Opfer - Arolsen Archives (arolsen-archives.org)
In Zukunft wird der "Verein gegen
das Vergessen e. V." enger mit dem Archiv zusammenarbeiten und auch die
bekannten Namen der Frauen, die auf den Todesmarsch vom
Konzentrationslager Helmbrechts ins tschechische Volary getrieben
wurden, in das Archiv aufnehmen lassen.
Gedenkstätte Langer Gang
(schwarzenbach-saale.de)
Unterstützt
wurde die Überbringung der Bücher von der Aktion "Demokratie leben!"
des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Die Bilder zeigen:
- Jens Paul und Gabriela Möckel vor einer Wand von Karteikästen mit
Belegen.

- Beschreibung
der Geschichte des Arolsen Archives in der Ausstellung "Ein Denkmal aus
Papier"
nanne wienands
Pressebericht
"Shalom!" Konzert in Schwarzenbach/Saale
Auf
den Zusammenhang zwischen dem Muttertag und dem historischen
Hintergrund dieses Datums "8. Mai 2022" ging Hartmut Hendrich, der
erste Vorsitzende des Vereins gegen das Vergessen e. V. kurz in
Schwarzenbach an der Saale zu Beginn des Konzertes "Shalom!" ein.
"Der 8. Mai ist als Tag
der Befreiung in verschiedenen europäischen Ländern ein Gedenktag, an
dem als Jahrestag zum 8. Mai 1945 der bedingungslosen Kapitulation der
Wehrmacht und damit des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa und der
Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht wird," betonte Hendrich.
Nach diesen ernsten Worten hatte die Musik Zeit und Raum, sie zeigte
ihre verbindende und friedvolle Wirkung. Kapellmeister Michael Falk
begleitete Julia Leinweber und Thilo Andersson am Klavier bei einem
Potpourri bekannter und weniger bekannter Melodien. "Bej mir bist du
schejn", damit nahmen der Sänger und die Sängerin die vielen Zuhörer im
voll besetzten Saal des Gemeindehauses sofort in den Bann. Viele
wippten mit den Füßen und wären wohl gerne zum Tanz aufgesprungen -
aber man soll ja immer noch Abstand halten!
Thilo
Andersson erklärte die Verbindung der Liedauswahl zur jüdischen Kultur
und zu jüdischen Künstler vor; dann ging es schon weiter mit "Dafür bin
ich immer gut!" - hier war die Interpretin Julia Leinweber auch in
ihrem schauspielerischen Element. So manche Frau unter den Anwesenden
mag sich gedacht haben - ja, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Dann
wechselten sich die beiden Künstler ab, sangen solo oder miteinander,
sie ergänzten sich beide und mit dem Pianisten ganz wunderbar.
Traditionals und Oberettenmelodien wechselten gelungen, und den
Zuhörerinnen und Zuhörern gefiel es sehr!
Regina
Scholz vom Vereins gegen das Vergessen e. V, deren Idee dieser
Nachmittag gewesen war, bedankte sich bei den Künstlern, beim Vertreter
von "Demokratie leben!" Stefan Denzler für die Unterstützung, und bei
allen Gästen für ihre Teilnahme an dem Nachmittag. Viele von ihnen
nutzten die Gelegenheit, sich die nach dem Konzert geöffnete
Gedenkstätte "Langer Gang" anzusehen.
Nanne Wienands überreichte Blumen an Hartmut Hendrich: er hat Ende März
2022 in Nürnberg das Ehrenzeichens des Bayerischen Ministerpräsidenten
für Verdienste von im Ehrenamt tätigen Frauen und Männern erhalten.
Hartmut Hendrich ist seit über zwanzig Jahren Vorsitzender des Vereins
gegen das Vergessen e. V.
Alle Bilder wurden von Francesca Hilgner zur Verfügung gestellt.

Die
Bilder zeigen: vlnr Regina Scholz, Michael Falk, Julia Leinweber und
Thilo Andersson;

ein
Blick in die Gedenkstätte "Langer Gang". |

Hartmut Hendrich, |
|
Gedenken am Mahnmal

Pressebericht
"Eine Mutter kämpft gegen Hitler"

Im
Helmbrechtser Jubiläumsjahr "600 Jahre Stadterhebung Helmbrechts -
gestern-heute-morgen" steuerte der Verein gegen das Vergessen e. V.,
unterstützt von dem Bundesprogramm "Demokratie leben!", einen ganz
besonderen Abend bei, der natürlich am 13. April stattfinden musste.
Denn -an diesem Tag im Jahre 1945 verließen 1170 Frauen und Mädchen das
Frauenkonzentrationslager Helmbrechts; die erste Übernachtung musste
unter freiem Himmel in Schwarzenbach/Saale stattfinden. Viele der
Frauen überlebten den Todesmarsch, der später Richtung Süden ging,
nicht. Das unsägliche Leid der Frauen, die Qualen, die sie ausstehen
mussten und die Willkür der Mächtigen wurden an dem Abend in der
Helmbrechtser Johanniskirche deutlich - allerdings auf der Grundlage
eines Buches, das eine Mutter über das dramatische Leben und Sterben
ihres Sohnes geschrieben hat. Irmgard Litten versuchte in den 1930er
Jahren ihren Sohn aus der sogenannten "Schutzhaft" zu befreien. Der
junge Rechtsanwalt Hans Litten, ältester von drei Brüdern, war im Jahr
1931 Rechtsanwalt der betroffenen Nebenkläger im sogenannten
"Edenpalast-Prozess". Als solcher berief er gemeinsam mit dem Gericht
Adolf Hitler in den Zeugenstand. Durch Litten's Fragen war Hitler
blamiert und in die Enge getrieben; diese Niederlage verzieh er ihm
nie. In der Nacht des Reichstagsbrandes am 28. Februar 1933 wurde
Litten verhaftet; sein Leben bestimmten von nun an die Meister von
Folter und Vernichtung.
Aus
dem Buch von Irmgard Litten "Eine Mutter kämpft gegen Hitler" las in
der Helmbrechtser Johanniskirche Patricia Litten, die Enkelin von
Irmgard Litten und Nichte von Hans Litten. Man spürte förmlich die
Authentizität, die Spannung, die durch die Versuche der Mutter
hervorgerufen wurde, den Sohn zu besuchen. Die Mutter, ihn befreien
wollte und die immer wieder Wege suchte, sich mit ihm auch während der
Haft durch Briefe und Verständigungscodes auszutauschen. Dazu muss man
wissen, dass die Familie Litten eine angesehene Gelehrtenfamilie war,
bei der zu passenden gesellschaftlichen Anlässen wichtige und
entscheidungsbefugte Menschen des öffentlichen Lebens ein- und
ausgingen. Vater Litten war ebenfalls ein hoch anerkannter Jurist und
Universitätsrektor in Königsberg. Man kannte viele einflussreiche
Persönlichkeiten.
Hans
Litten verbrachte die ersten Hafttage im Spandauer Gefängnis. Von der
ersten Minute an waren die Verhöre von Gewalt geprägt. Später wurde er
in das Konzentrationslager Sonnenburg, dann in das Zuchthaus
Brandenburg und im Jahr 1934 in das Konzentrationslager im Moor,
Esterwegen im Emsland verlegt. Drei Jahre später kam Litten in das KZ
Buchenwald bei Weimar, kurze Zeit danach in das KZ Dachau. Egal wohin
man ihn brachte, die Foltermethoden waren grausam und unmenschlich.
Keine seiner Verletzungen wurde medizinisch behandelt, die wochenlange
Dunkelhaft schloss sich den zerstörerischen Prügeln an. Seine Mutter
folgte ihm stets und versuchte immer wieder ihn zu besuchen. Was muss
geschehen ssein, wenn sich die Kopfform eines Menschen verändert?
Ununterbrochen suchte die Mutter Kontakt zu einflussreichen Bekannten
und bat um Hilfe und Unterstützung ihrer Bitte um Freilassung des
Sohnes. Patricia Litten las eine Reihe von Passagen aus dem von Absagen
und Vertröstungen geprägten und eindringlichen Bericht von Irmgard
Litten. Immer wieder wurde die Lesung sehr einfühlsam von der Cellistin
Birgit Saemann ergänzt und untermalt. Die Schwere der Musik, die
Schwere des Themas legte sich bleiern auf die Zuhörer. Unerträglich
spürbar war die Last, die Mütter tragen.
Am 5. Februar 1938 wurde Hans Litten im KZ Dachau erhängt aufgefunden.
Beide Annahmen haben ihre Berechtigung: der Mord und der Selbstmord.
Seine Mithäftlinge bestätigten jedoch, dass Litten durch vorangegangene
wiederholte Folter in den Suizid getrieben wurde.
Hundertausende Menschen waren
damals vom schweren Schicksal jahrelanger Gefangenschaft und ständigen,
gewaltsamen Übergriffen betroffen, einige Tausend auch in Helmbrechts.
Gedenken
an den Todesmarsch
Zu einer Gedenkfeier
trafen sich am 77. Jahrestag des Todesmarsches Helmbrechts-Volary
Vertreter der Stadt, der evangelischen Kirchengemeinde, der Initiativen
„Gegen das Vergessen“, „Gegen Rechtsextremismus und
Ausländerfeindlichkeit“ sowie des Vereins der Verfolgten des
Naziregimes/Bund der Antifaschisten an dem Mahnmal im Helmbrechtser
Friedhof. Ein solcher Gedenkstein steht auch in Volary. Am 13. April
1945 schickten Schergen des NS-Regimes 1173 Insassen des in Helmbrechts
betriebenen Außenlagers des Konzentrationslagers Flossenbürg auf einen
Marsch, der sie, sofern sie überlebten, nach Volary führen sollte.
Damit sollten gegenüber den nahenden amerikanischen Truppen auch
Beweise für die in den Lagern verübten Verbrechen vertuscht werden. Ein
Großteil der Gefangenen waren Frauen jüdischen Glaubens, die von den
Aufsehern besonders brutal behandelt wurden. Viele von ihnen waren bald
erschöpft, hatten keine Kraft mehr und wurden unterwegs hingerichtet.
Als Mahnung vor Hass, Gewalt, Rassismus und Terror in jedweder Form
findet jeweils zum Jahrestag ein Gedenken statt, heuer in Form einer
Lesung mit musikalischer Begleitung in der Johanniskirche. Vorher
trafen sich die Beteiligten am Mahnmal. Zweiter Bürgermeister Robert
Geigenmüller sagte in seiner Ansprache, es gebe Leute, die sich gegen
zunehmende menschenverachtende Aktionen und rechtsextreme Tendenzen
stellen und für Toleranz eintreten – „aber es sind immer noch zu
wenig“. Der Todesmarsch sei ein durch nichts zu rechtfertigendes
Verbrechen. Helmut Hendrich vom Verein gegen das Vergessen betonte, man
gedenke diesmal auch der Opfer des russischen Angriffs auf die Ukraine
und gab das Versprechen, dass engagierte Bürgerinnen und Bürger
weiterhin zu Unrecht nicht schweigen wollen. Foto/Text:
W. Bußler
Pressebericht
Gedenkgottesdienst am 27.01.2022 in
Schwarzenbach/Saale
Unser ehemaliger Bundespräsident Roman Herzog hat im Jahr 1996 den
Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ins Leben gerufen.
Alljährlich am 27. Januar, dem Tag der Befreiung des
Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee, erinnert in
Schwarzenbach/Saale ein ökumenischer Gottesdienst an diese Zeit - 77
Jahre ist das jetzt her.
"Wir beginnen mit Schweigen ........" nach diesem eindrucksvollen
Beginn zum Glockenläuten begrüßte Pfarrerin Annette Treuner die
erfreulich vielen Gottesdienstbesucher.

Alle Lieder im Gottesdienst wurden vom Chor "link to heaven" gesungen
und begleitet. Unter der Leitung von Ursula Dollinger sangen sich die
jungen Frauen in die Herzen der Besucher. "Es tut so gut, die frischen
Stimmen zu hören," meinte eine Besucherin nach dem Gottesdienst.
Drei Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Mittelschule
Schwarzenbach/Saale berichteten von drei Überlebenden des
Konzentrationslagers Auschwitz. Eine der vorgestellten Frauen - Trude
Simonsohn - ist erst vor wenigen Tagen, am 6. Januar 2022 im Alter von
100 Jahren gestorben. Mit viel Glück hatte sie drei Jahre in den Lagern
Theresienstadt und Auschwitz überlebt. In Frankfurt wurde sie zur
Ehrenbürgerin ernannt, jahrzehntelang hatte sie als Zeitzeugin in
Schulen über ihre Erlebnisse berichtet.
Ein bekannter Name war Esther Bejarano. Im Alter von 96 Jahren ist sie
im Juli des Jahres 2021 verstorben. Im Konzentrationslager Auschwitz
musste sie im Mädchenorchester das Akkordeon spielen - dass sie dafür
eingeteilt wurde, rettete ihr das Leben. Als sie im Jahr 1960 von
Israel nach Deutschland zurückkehrte, erlebte sie erneut Nazi's in der
Bundesrepublik. "Man muss als Zeitzeuge auftreten und berichten, anders
geht es nicht," sagte sie oft. Mit der Rapper-Band "Microphone Mafia"
stand sie unzählige Male auf der Bühne - auch im März 2016 in Hof. Sie
war Vorsitzende des Auschwitz-Komitees, Ehrenpräsidentin des
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und Trägerin des
Bundesverdienstkreuzes.
Der letzte Beitrag berichtete von Noah Klieger. Er war noch keine 20
Jahre alt, als er an der Rampe in Auschwitz fast der Selektion zum
Opfer gefallen wäre. Ein serbischer Wachmann stieß ihn von dem
Lastwagen, der direkt zu den Gaskammern fuhr, wieder herunter. Klieger
war ein guter Sportler. In Auschwitz musste er zur Unterhaltung der
Wachmannschaften an Boxkämpfen teilnehmen. Er gewann keinen einzigen
Kampf, aber die Sonderration für die Boxer - einen Topf Suppe täglich -
ermöglichte ihm das Überleben. Der Autor Takis Würger schrieb ein
bemerkenswertes Buch über das Leben von Noah Klieger.
Das
Hoffnung gebende Lied "Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und
treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?"
wurde von allen Anwesenden nach dem Segen von Pfr. Dr. Dieter Jung
gesungen.

Auf dem Schwarzenbacher Friedhof wurde bereits am Nachmittag des 27.
Januar am Kreuz bei der Gräberreihe der Opfer des Naziregimes ein
Blumengruß hinterlegt.
- VEREIN GEGEN DAS
VERGESSEN -
zum Gedenken für die Opfer der NS-Diktatur in
der Region Hof

Das Bild
zeigt vlnr: Hartmut Hendrich, Günter Niepel, Eva Petermann, Regina
Scholz, Nanne Wienands, Bürgermeister Stefan Pöhlmann und Pfarrerin
Ramona Kaiser.
fürs Amtsblatt
Gedenken an das Frauenkonzentrationslager in Helmbrechts
Alljährlich am 9. November
treffen sich am Helmbrechtser Friedhof der Bürgermeister von
Helmbrechts, Stefan Pöhlmann, Frau Pfarrerin Ramona Kaiser und
Mitglieder des Vereins gegen das Vergessen e. V., sowie der Vereinigung
der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und
Antifaschisten, um an das dortige Konzentrationslager und an den
Todesmarsch zu erinnern.
"Einhundertunddrei Anschläge auf jüdische Gedenkstätten gab es in den
vergangenen Jahren," betonte Pfarrerin Ramona Kaiser. Ihre Liste mit
den Daten und Orten war schier endlos. Bürgermeister Stefan Pöhlmann
ging in seiner Ansprache auf die Veränderungen ein, die sich in den
vergangenen dreißig Jahren im Umgang mit Fakten entwickelt haben.
"Holocaustleugnung ist nur eines der Themen, das diese Veränderung
betrifft," meinte er. Er bedachte auch die Zwiespältigkeit dieses
Gedenktages für Deutschland - einerseits zerstörten an diesem Tag des
Jahres 1938 die Nazis jüdische Geschäfte und Synagogen, andererseits
wird an die Aufhebung der deutschen Teilung gedacht, die im Jahre 1989
auf friedlichem Wege möglich wurde.
Hartmut Hendrich erinnerte daran, dass in der sogenannten
Reichsprogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 mehr als 30.000
jüdische Mitbürger in Gefängnisse eingeliefert wurden. Viele Menschen
starben in dieser Nacht an den Misshandlungen oder nahmen sich das
Leben. Die Aktion gegen diese Menschen war der Beginn jahrelanger ganz
konkreter Gewalt gegen jüdische Familien, Geschäfte und Betriebe. "Es
ist in der heutigen Zeit sehr wichtig, immer wieder an das Unrecht und
die Verbrechen der Nationalsozialisten zu erinnern!"
Eva Petermann ergänzte die Aufzählung rechtsextremer Gewalt mit dem
Hinweis auf die Verbrechen des NSU. Die Gruppierung
Nationalsozialistischer Untergrund sei vor exakt zehn Jahren erkannt
worden - durch Selbstmord und Brandstiftung. Jahrelang habe diese
Gruppe unerkannt morden können, und es seien noch längst nicht alle
Straftaten aufgeklärt. Viele Hintermänner seien noch immer tätig.
Regina Scholz aus
Oberkotzau beendete die Gedenkstunde mit einer Einladung. "Am kommenden
Samstag dürfen in Wunsiedel wieder Anhänger der Partei "III. Weg"
marschieren. Alle Demokraten sollten am Nachmittag bei der
Gegenkundgebung auf dem Wunsiedler Marktplatz dabei sein!"
Pressebericht
Junge Menschen aus Griechenland in der Gedenkstätte Langer Gang
Eine "Interkulturelle
Woche" erlebten einige junge Menschen aus Griechenland in
unserer Region. Nach einem Rundgang durch das ehemals geteilte Dorf
Mödlareuth kamen sie mit dem Wunsiedler Kreisjugendpfleger Uwe Götz
nach Schwarzenbach/Saale zur Gedenkstätte "Langer Gang". Rasch tauchten
die ersten Fragen auf "was ist eigentlich ein Todesmarsch?" und "warum
musste soviel Unrecht am Ende des Krieges noch geschehen?"
Dass die Nazi-Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg der Grund für die
Teilung Deutschlands war, wie sie in Mödlareuth noch erkennbar ist, war
für Nanne Wienands die Verbindung zur Geschichte der Entstehung des
Frauenkonzentrationslagers in Helmbrechts. Das Lager in Helmbrechts
bestand nur relativ kurze Zeit, im Jahr 1944 gebaut, wurde es im April
1945 verlassen und auch rasch mit anderen Gebäuden überbaut.
Etwa 1170 Frauen und Mädchen, die in Helmbrechts in der
Rüstungsindustrie arbeiten mussten, wenn sie dazu nicht bereits zu
schwach und krank waren, wurden am 13. April 1945 auf einen Marsch
geschickt. Viele überlebten diesen Marsch nicht, der erst drei Wochen
später - wenige Tage vor der Kapitulation der von Hitler eingesetzten
Regierung - im heute tschechischen Volary endete. Die erste Station des
Helmbrechtser Todesmarsches war von Kommandant Alois Dörr und den
Bewacherinnen und Bewachern des Marsches in Schwarzenbach an der Saale
angeordnet worden. Sechs Frauen überlebten diese erste Nacht nicht.
Dass sich die Gräber heute noch auf dem Schwarzenbacher Friedhof
befinden, bezeichnete Wienands als eine der Besonderheiten des
Marsches. Bemerkenswert sei auch die Anzeige gegen den Kommandanten,
der von zwei Überlebenden auf einem Zeitungsfoto erkannt worden war. Es
kam zur Verhandlung bei Gericht in Hof, Dörr wurde im Jahre 1969 zu
lebenslanger Haft verurteilt. Nach acht Jahren wurde er begnadigt: die
alten Nazi-Seilschaften hatten geholfen.
Auch die sogenannte "Robinson-Liste" zähle zu den Besonderheiten: eine
der überlebenden Frauen heiratete nach dem Krieg einen amerikanischen
Soldaten, Bernard Robinson. Er trug über Jahre die Namen der Frauen
zusammen, die den Todesmarsch erleben mussten. Die Amerikaner waren es
auch, die das Lager in Helmbrechts wenige Tage nach seiner Auflösung
entdeckten, und die verscharrten Überreste der dort verstorbenen Frauen
ordentlich bestatten ließen. Von diesen Vorgängen berichtete der Film
über Helmbrechts, den die Gruppe im Evangelischen Gemeindehaus, das
sich neben der Gedenkstätte befindet, ansehen konnte.
Am Ende des Besuches stand die Lebensgeschichte von Helena
Bohle-Szacki. Als 16jähriges Mädchen war sie nach Helmbrechts
verschleppt worden und musste dort Zwangsarbeit leisten. Für die jungen
Frauen und Männer aus Griechenland war es kaum nachvollziehbar, wie
sich ihre Lebensgeschichte trotz des damals herrschenden Chaos und der
Lebensumstände nach dem Krieg noch zum Guten wenden konnte.
Der Besuch der Gedenkstätte Flossenbürg stand den jungen Menschen noch
bevor; sie kommen gut informiert an diesem Ort.

Die Bilder zeigen:
- die Gruppe mit dem Wunsiedler Kreisjugendpfleger Uwe Götz (links
unten) und Nanne Wienands vom Verein gegen das Vergessen e. V., (ganz
rechts)
vor dem evangelischen Gemeindehaus in Schwarzenbach/Saale.
- Die Gästebuchseite der Gruppe im Langen Gang. |
 |
Pressebericht
Helena Bohle-Szacki


Vor einigen Tagen
besuchten drei junge Polen die Städte Helmbrechts und Schwarzenbach an
der Saale. Marcin Rozyk ist Journalist und Kurator, Katarzyna Siuepska
und Kaspar Pawluk sind Studenten in Bialystok. In Helmbrechts trafen
sich die drei jungen Leute mit Bürgermeister Stefan Pöhlmann und dem
Vorstand des Vereins gegen das Vergessen; Hartmut Hendrich und Nanne
Wienands. Der Kontakt für dieses Kennenlernen und die Kooperation der
Gruppe wurde hergestellt von Ulrich Tempel, Archivar in der Berliner
Gedenkstätte "Topografie des Terrors", und Annabelle Lienhart, sie ist
die kommissarische Leiterin der historischen Abteilung der Gedenkstätte
Flossenbürg.
Die Vorgeschichte dieses
Treffens ist das Leben einer Frau, die in der Zeit der
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wohl die dunkelsten Stunden
ihres Lebens erlebte: Helena Bohle-Szacki.
Helena Bohle-Szacki wurde im Februar 1928 in Bialystok in Polen geboren
und starb im Jahr 2011 in Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte
sie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Lodz und
erwarb ihr Diplom im Fach Grafik. Schließlich arbeitete sie als
Modedesignerin und machte sich international bei großen Firmen und
Ausstellungen einen Namen. Ihre private Situation brachte einen Umzug
nach Berlin mit sich: sie bekam einen Lehrauftrag an der bekannten
Lette-Schule. Es gäbe viel zu erzählen über die Zeit ihres Studiums und
über ihre Berufstätigkeit.
Aber die Verbindung zu
Helmbrechts kam schon sehr viel früher zustande: Helena Bohle-Szacki
wurde bereits 1944 von der deutschen Besatzung im Gestapogefängnis in
Bialystok inhaftiert. Sie wurde in das Konzentrationslager Ravensbrück
gebracht, von dort aus ging der Weg des 16jährigen Mädchens zur
Zwangsarbeit in das Frauenkonzentrationslager Helmbrechts. Unter
unvorstellbaren Bedingungen mussten die Frauen für die Nürnberger Firma
Neumeyer, deren Produktionsstätten in Nürnberg zerbombt worden waren,
Rüstungsgüter in den Räumen der ehemaligen Textilfirma Witt anfertigen.
Helena Bohle-Szacki überlebte diesen Winter 1944/45 und sie überlebte
auch den Todesmarsch, der am 13. April 1945 für ca. 1170 Frauen und
Mädchen in Helmbrechts begann. Sie musste von Helmbrechts über
Schwarzenbach/Saale, Rehau und Asch bis nach Zwodau, dem heutigen
Svatava im heutigen Tschechien laufen. Auch dort mussten Hunderte
Frauen in einer Fabrik Zwangsarbeit leisten. Krank an Leib und Seele
gelang es Helena, in Zwodau zu bleiben. Ob sie dort sogar wieder zur
Arbeit eingeteilt wurde, weiß man nicht. Am 7. Mai 1945 erreichten
amerikanische Truppen das Lager in Zwodau und befreiten die Frauen. Man
kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie das Mädchen es fertig
brachte, mit dem Zug über Dresden und Warschau nach Hause zu fahren zu
ihren Eltern, die die Schreckensherrschaft überlebt hatten.
Über "Lilka", wie Helena auch genannt wurde, gibt es ein Buch in
polnischer und englischer Sprache, das jetzt sowohl im Helmbrechtser
Rathaus, als auch beim Verein gegen das Vergessen e. V. aufbewahrt
wird. Im Gegenzug nahmen die polnischen Studenten die Dokumentation
über das Konzentrationslager Helmbrechts und den Todesmarsch mit nach
Hause.
Zurück in die Gegenwart nach Helmbrechts: das Anliegen der drei jungen
Polen war es, die Stätten aufzusuchen, an denen Helena gelebt und
gearbeitet hatte. Ihr konkretes Vorhaben ist es, im Textilmuseum im
polnischen Lodz eine Ausstellung der Werke von Helena Bohle-Szacki zu
zeigen, und dazu gehört selbstverständlich der Lebenslauf der
Künstlerin. Mit Bürgermeister Stefan Pöhlmann machte sich die Gruppe
auf den Weg durch Helmbrechts. Leider erinnert in der Stadt nur noch
der Gedenkstein vor der Friedhofskapelle an die Frauen, die in
Helmbrechts soviel Unrecht erlitten hatten. Hartmut Hendrich und Nanne
Wienands berichteten vor Ort von den regelmäßigen Gedenkveranstaltungen
und den zahlreichen Informationen und Kontakten, die sich im Laufe der
letzten Jahre ergeben hatten. Später fuhr man gemeinsam zur
Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach an der Saale, relativ
authentisch auf dem Weg, den die Frauen im Frühjahr 1945 von
Helmbrechts aus laufen mussten. "Wo haben die Frauen geschlafen?"
wollten die jungen Polen wissen, "woher wissen Sie die Namen der
Frauen? Wer hat die Kunstwerke im "Langen Gang" angefertigt?" Die
vielen Fragen konnten beantwortet werden, und auch auf die
Besonderheiten der juristischen Aufarbeitung ging Nanne Wienands ein.
Unvorhergesehen haben sich nach Fertigstellung der Dokumentation im
Jahr 2018 noch viele Schriftstücke, Beobachtungen und Geschichten rund
um die damaligen Ereignisse gefunden, erklärte sie den interessierten
Studenten. "Eine erneute Auflage müsste mit vielen Details ergänzt
werden," meinte sie.



Eine weitere Station in Helmbrechts aber war das
dortige Textilmuseum - und dort beginnt nun eine weitere "zufällige"
Geschichte.
Durch das Textilmuseum Helmbrechts wurde die Gruppe
von der Leiterin der Einrichtung, Ulrike Oelschlegel geführt. Ulrike
Oelschlegel hat ihre Ausbildung zur Textilfachfrau und Fachlehrerin vor
einigen Jahrzehnten an der Lette-Schule in Berlin absolviert. Sie kann
sich an Helena Bohle-Szacki erinnern - die beiden "liefen sich über den
Weg". Natürlich ohne zu voneinander die Verbindung zu Helmbrechts oder
auch nur zum Frankenwald zu erahnen. Als Ulrike Oelschlegel sich am
Abend vor dem Besuch der Gruppe auf die Führung durch das Helmbrechtser
Textilmuseum vorbereitete, erkannte sie die Brisanz des Treffens und
war tief erschüttert. Und natürlich wird man nun in
Helmbrechts über die Ausstellung mit den Werken von Helena
Bohle-Szacki nachdenken. Der Ausstellungsplan gibt ab dem Jahr 2023 die
Möglichkeit dazu. Die Studenten und der Kurator halten die
Räumlichkeiten für sehr gut geeignet.
Helena
Bohle-Szacki – Wikipedia
http://www.lette-akademie.de/
Textilmuseum
Helmbrechts
Gedenkstätte
Langer Gang (schwarzenbach-saale.de)
Pressebericht
Grüne zu Besuch zum Tag des offenen Denkmals in der Gedenkstätte
"Langer Gang"
Gemeinsam mit der grünen Landtagsabgeordneten Ursula
Sowa aus Bamberg nahm der Bundestagskandidat der Bündnisgrünen für den
Wahlkreis Hof/Wunsiedel, Ralf Reusch aus Hof, das Angebot wahr, am "Tag
des offenen Denkmals" die Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach
an der Saale zu besuchen. An diesem Tag war auch der gegenüber liegende
Saal des Evangelischen Gemeindehauses geöffnet, und man konnte dort den
inzwischen etwa zwanzig Jahre alten Film von Ludwig Mertel über die
Befreiung des Konzentrationslagers in Helmbrechts ansehen. Die zehn
Besucherinnen und Besucher kannten bis dahin die kleine Gedenkstätte
nur vom Hörensagen und zeigten sich tief beeindruckt. "Es ist ein
großer Unterschied, ob man von den Ereignissen hört oder liest, oder ob
man authentische Bilder und Berichte von Überlebenden sehen kann,"
meinte Ursula Sowa. Sie wies darauf hin, dass von Flossenbürg aus, wo
heute fast das gesamte Lagergelände für Besucher offen ist,
unvorstellbar viele kleinere Konzentrationslager verwaltet wurden. "Die
Arbeit des Vereins ist wichtig für das Geschichtsverständnis einer
ganzen Region," meinte sie als Bambergerin. "Nur so kann man verstehen,
wie nahe die Gräueltaten der Nazis an die Bevölkerung herankamen."
Nach der Filmbetrachtung konnte Nanne Wienands vom "Verein gegen das
Vergessen" den Besuchern noch viele weitere Begebenheiten berichten,
die erst nach der Erstellung der Dokumentation über das
Konzentrationslager Helmbrechts und den Todesmarsch der 1170 Frauen und
Mädchen nach Volary im heutigen Tschechien bekannt geworden sind. Zwei
bemerkenswerte Besonderheiten sind aber schon viel länger bekannt: der
Verbleib der Gräber der in der Nacht vom 13. auf den 14. April 1945 in
Schwarzenbach gestorbenen Frauen auf dem Schwarzenbacher Friedhof,
sowie die juristische Aufarbeitung der Verbrechen des Lagerleiters
Alois Dörr in den 1960er Jahren vor dem Hofer Landgericht und die
Bestätigung des Urteils von der nächsthöheren Instanz. Das Urteil für
Dörr lautete damals "lebenslange Haft"; er wurde aber nach Fürsprache
des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel vorzeitig
aus der Haft entlassen.
Die Gedenkstätte "Langer Gang" ist am Sonntag, 3. Oktober 2021 von 14 -
16 Uhr wieder geöffnet. Individuelle Termine für Einzelpersonen und
Gruppen können unter 0160 5518825 vereinbart werden.
Gedenkstätte
Langer Gang (schwarzenbach-saale.de)
Das Bild zeigt vlnr: Nanne Wienands, Ralf
Reusch, Ursula Sowa.
Pressebericht
Rückblick und Vorstandswahlen
beim "Verein gegen das Vergessen e. V."
Mit einem intensiven und bewegenden Rückblick auf das
Konzert zum zwanzigjährigen Bestehen des Vereins am 4. Juli 2021 begann
die Jahreshauptversammlung des "Vereins gegen das Vergessen e. V." in
Schwarzenbach an der Saale. Der Verein schuf dort vor 20 Jahren die
Gedenkstätte "Langer Gang", die er seit Fertigstellung und Einweihung
am 9. November 2004 betreut. Grund für die Schaffung der Gedenkstätte
war die Erinnerung an die über 1170 Frauen und Mädchen, die am 13.
April 1945 in Schwarzenbach die erste Nacht des Todesmarsches von
Helmbrechts nach Volary verbringen mussten. Das Konzert mit
Friedensliedern von Sonja&Wulli musste leider als "Geschlossene
Veranstaltung" stattfinden. Sobald sich die Möglichkeit ergibt, wird es
auf vielfachen Wunsch nochmals öffentlich organisiert.
"Im vergangenen Jahr 2020 haben trotz der
Coronamaßnahmen 118 Menschen die Gedenkstätte besucht," konnte erster
Vorsitzender Hartmut Hendrich in seinem Rückblick ausführen. Im Herbst
des Jahres 2020 besuchten mehrere Gruppen die Gedenkstätte. Weil es
dann auch möglich ist, den von Ludwig Mertel erstellten Film zum
Konzentrationslager Helmbrechts anzusehen, sind Gruppenbesuche
intensiver und tiefergehend als der spontane Besuch der Gedenkstätte an
den offenen Sonntagnachmittagen jeweils am ersten Sonntag im Monat.
Hendrich erinnerte an das Theaterstück "Enisas Tagebuch", das im
Oktober 2020 zweimal gezeigt wurde. Zwei Lesungen aus der Dokumentation
des Vereins zum Konzentrationslager Helmbrechts und zum Todesmarsch
konnten im Herbst 2020 stattfinden: in Arzberg und Naila. Zwei weitere
Lesungen wurden wegen der Coronakrise abgesagt bzw. verschoben. Eine
Veranstaltung zu den historischen Hintergründen des KZ`s Moschendorf
musste ebenfalls verschoben werden; ein neuer Termin wird gesucht. Die
Dokumentation wurde inzwischen mehrmals nachgedruckt. Ein interessanter
Kontakt ergab sich zu einer aus Rehau stammenden älteren Dame, die die
Frauen auf dem Todesmarsch gesehen hat, und ihre Beobachtungen
ebenfalls in einem Buch festgehalten hat. Überhaupt, so betonte
Hendrich, sei das Buch Anlass für vielerlei Kontakte, die im Moment
intensiviert werden. In diesem Zusammenhang dankte er ausdrücklich
Regina Scholz, die nicht nur die Kasse sehr ordentlich führt, sondern
auch für den Versand der Bücher verantwortlich zeichnet.
Die alljährlichen Gedenkveranstaltungen am 27. Januar, 13. April und 9.
November wurden aufgrund der Pandemie im kleinen Kreis organisiert und
waren zeitlich begrenzt.
Die Mitgliederzahl des Vereins ist stabil bei 50 Personen und
Institutionen. Nanne Wienands berichtete über die Arbeit des Vereins im
bisherigen Jahr 2021. Dazu gehörte auch die Teilnahme an der
Gedenkstunde zum 100. Geburtstag von Sophie Scholl bei der
Schwarzenbacher Geschwister-Scholl-Mittelschule am 9. Mai 2021. Sophie
Scholl war gemeinsam mit ihrem Bruder Hans Scholl maßgeblich an der
Arbeit der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" beteiligt und wurde am 22.
Februar 1943 von den Nazis hingerichtet. Ihre Zivilcourage ist seither
Vorbild vor allem für die Schülerinnen und Schüler, die eine Schule mit
ihrem Namen besuchen.
Für das kommende Jahr 2022 stellte Hendrich die seit
langem geplante Fahrt in das jüdische Museum in Untersteinach in
Aussicht; ein Termin wird rechtzeitig bekanntgegeben. Geplant ist auch
eine Peer-Schulung für junge Menschen, möglicherweise in Zusammenarbeit
mit der Anne-Frank-Stiftung in Berlin. Auch dazu erfolgt im Herbst 2021
eine Einladung für junge Menschen über die entsprechenden
Institutionen.
Die Neuwahlen ergaben folgendes Ergebnis:
Erster und zweite Vorsitzende blieben Hartmut
Hendrich aus Hof und Nanne Wienands aus Schwarzenbach/Saale,
Kassiererin ist wieder Regina Scholz aus Oberkotzau, die Schriftführung
übernimmt Birgit Schreier aus Schwarzenbach/Saale. Beisitzer sind
Günter Niepel und Michael Stumpf, Kassenprüfer*in wurden Gabriela
Möckel und Bertram Popp; alle aus Schwarzenbach/Saale.

Das Bild zeigt vlnr: Nanne Wienands,
Gabriela Möckel, Regina Scholz, Hartmut Hendrich, Günter Niepel
und Birgit Schreier
Trauer
in Schwarzenbach an der Saale Manfred Möckel ist tot
Der SPD-Stadtrat war ein vielfach engagierter Mensch und machte sich
stark für Werte wie Solidarität und Gerechtigkeit. Am Freitag ist
Manfred Möckel gestorben.
Schwarzenbach an der Saale - Tief betroffen nimmt die SPD-Fraktion in
Schwarzenbach an der Saale Abschied von ihrem Fraktionskollegen Manfred
Möckel. Wie die SPD mitteilt, ist Manfred Möckel am vergangenen Freitag
gestorben. Mit ihm verlieren die Sozialdemokraten in Schwarzenbach vor
allem einen herzensguten Menschen, heißt es in dem Nachruf seiner
Fraktionskollegen. Möckel habe seinen Mitmenschen mit seiner
humorvollen Art und oft auch durch seine Cartoons im Amtsblatt oder am
Aushang der Bäckerei Fiedler ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. „Unsere
Fraktion verliert einen treuen und langjährigen Mitstreiter, der sich
seit 2008 im Stadtrat der Stadt Schwarzenbach vielseitig, besonders
aber für die Bekanntheit und Attraktivität Schwarzenbachs für Touristen
stark machte“, heißt es in dem Nachruf.
Noch im Herbst hat Manfred Möckel eine seiner Herzensangelegenheiten,
den Wohnmobilstellplatz, erneut im Stadtrat aufs Tableau gebracht. Und
als bekennender Donaldist – was unter anderem am Nummernschild des
stadtbekannten VW-Busses zu erkennen ist – hat er mit seiner Frau Gabi
auf Reisemessen und in vielen Ländern leidenschaftlich Werbung für das
Erika-Fuchs-Haus in Schwarzenbach gemacht.
Für Werte wie Gerechtigkeit und Solidarität hat er sich als
DGB-Ortskartellvorsitzender hartnäckig stark gemacht und dies immer
wieder seinen Mitmenschen in Erinnerung gerufen. „Seine Weltoffenheit
und Mitmenschlichkeit machten ihn zum langjährigen und entschiedenen
Kämpfer gegen rechtes Gedankengut und rechtsradikale Gewalt“, betont
die SPD-Fraktion. Manfred Möckel hat sich nicht zuletzt auch im Verein
gegen das Vergessen“ und in der Gedenkstätte „Langer Gang“ in
Schwarzenbach engagiert. Auch für die Feuerwehr hat sich Manfred Möckel
stark gemacht – sechs Jahre lang bis zur Kommunalwahl im Mai auch in
seiner Funktion als Feuerwehrreferent im Schwarzenbacher Stadtrat.
Reisen mit seiner Frau, um fremde Kulturen, neue Menschen und als
Taucher auch die Unterwasserwelt kennenzulernen, gehörten zu seinen
privaten Highlights.



Nanne Wienands
vom Verein gegen das Vergessen und Eva Petermann von der VVN-BdA
Hof-Wunsiedel vor dem Grabstein des Schwarzenbacher Nazigegners Hans
Grüner, der als junger Mann zehn Jahre im KZ Dachau war.
Pressebericht
Gäste aus Bayreuth in der
Gedenkstätte "Langer Gang"
Stellvertretend für alle Bayreuther Besucher legte
Andreas Porst an der Gedenkstätte "Langer Gang" einen Strauß Rosen für
die Opfer der nationalsozialistischen Gewalttaten nieder. Die zehn
Besucherinnen und Besucher waren auf Einladung der VVN-BdA Bayreuth,
Verein der Verfolgten des Nazi-Regimes - Bund der Antifaschistinnen und
Antifaschisten, nach Schwarzenbach/Saale gekommen. Fast alle waren
erstmals in der Saalestadt und nutzen den Aufenthalt auch für einen
Rundumblick. Im Mittelpunkt stand aber der gut vorbereitete Besuch in
der Gedenkstätte "Langer Gang". "Es ist ein großer Unterschied, ob man
das Buch über die damaligen Ereignisse liest, oder ob man am
authentischen Ort des Geschehens steht," meinte Leo Rauh, der
Organisator der Gruppe. Günter Niepel und Nanne Wienands erläuterten
den Gästen die Ereignisse vom April 1945. Etwa 550 weibliche Häftlinge
internationaler Herkunft mussten für etwa ein Jahr in Helmbrechts in
einem Konzentrationslager für die Rüstungsindustrie arbeiten. Sie
wurden für geringste "Vergehen" grausam bestraft, auf engstem
Raum waren sie untergebracht. Mit 600 jüdischen Häftlingsfrauen, die
erst wenige Wochen vorher angekommenen waren, wurden sie auf einen
Todesmarsch gezwungen. Die letztgenannten Frauen hatten bereits
hunderte Kilometer zu Fuß hinter sich; sie kamen aus Grünberg in
Schlesien und waren unglaublichen Strapatzen ausgeliefert gewesen. Die
etwa 1170 Frauen und Mädchen mussten die Nacht vom 13. zum 14. April
1945 in einem Garten in Schwarzenbach/Saale verbringen. Drei Wochen
waren sie unterwegs, bis sie in Volary im heutigen Tschechien von den
Amerikanern befreit wurden. In einem ähnlichen Lager in Zwodau - heute
das tschechische Svatava - wurden sie getrennt und mit anderen Gruppen
vermischt; das macht die heutige Erforschung von Zielen und Namen
ungemein schwierig.
Die beiden Vertreter des Vereins gegen das Vergessen
e. V., die die Gedenkstätte seit dem Jahr 2004 mitverantworten,
erklärten einige Besonderheiten dieses Todesmarsches: die Bestattung
und den Verbleib der Gräber von sechs Frauen, die die erste Nacht in
Schwarzenbach/Saale nicht überlebt hatten, die Verurteilung des
KZ-Kommandanten Alois Dörr vor dem Landgericht in Hof in den 1960er
Jahren, sowie die lebenslange Suche des US-Soldaten Bernard Robinson
nach den Namen der Frauen, die den Marsch erleben mussten. Bernard
Robinson hatte als junger Soldat in Salzburg eine Überlebende des
Todesmarsches kennengelernt; die beiden heirateten. Als Sohn jüdischer
Flüchtlinge war Robinson in USA aufgewachsen. Die Erforschung des
Schicksals seiner Frau wurde zu seinem Lebensthema. Der Film von Ludwig
Mertel über das KZ Helmbrechts und die Zeit nach der Befreiung bis zum
Beginn der Aufarbeitung sorgte für Betroffenheit. "Wir fassen hier die
Fakten zusammen," meinte Günter Niepel anschließend. "Es geht uns nicht
um Schuld, sondern um die Verantwortung, damit solches Unrecht nie
wieder passiert."

Das Bild zeigt Andreas Porst bei der
Niederlegung der Rosen.
Individuelle Besuche in der Gedenkstätte können vereinbart werden: 0160
5518825.
Spendenübergabe von der IGMetall
an den
Verein gegen das Vergessen e. V.
Pressebericht
Besuch aus dem Vogtland in der Gedenkstätte "Langer Gang"
Einen ganzen
Samstagnachmittag lang beschäftigten sich zehn Gäste aus dem Vogtland
mit der Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach/Saale. Peter
Giersich hatte die Fahrt vorbereitet, Doritta Korte und Steffen Unglaub
aus dem Vogtland begleiteten die Gruppe. Alle Besucher waren Mitglieder
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der
Antifaschisten. Die VVN-BdA ist ein überparteilicher Zusammenschluss
von überlebenden NS-Verfolgten, aber auch von Angehörigen der
nachfolgenden Generationen. Da einige der Besucher aus
dem Vogtland bereits das 80. und sogar das 90. Lebensjahr überschritten
hatten, lässt sich unschwer ahnen, dass sie als Kinder den Krieg und
den Terror der Nazis erlebt haben. Die Familien haben gelitten, die
Nachkriegszeit hat ihre Spuren hinterlassen, und das politische
Bewusstsein, Erinnerungen und viel Detailwissen hat die Menschen
geprägt. Davon wurde in den Gesprächen vieles wieder lebendig.
Im "Langen Gang" kam durch die Erklärungen von Nanne Wienands und
Günter Niepel das Grauen der Nazizeit noch einmal ganz nah. Die
Geschichte der 1170 Frauen, die am 13. April 1945 von Helmbrechts aus
auf den Todesmarsch nach Volary im heutigen Tschechien getrieben
wurden, wurde wieder spürbar. Etwa 500 der Frauen mussten in
Helmbrechts monatelang für die Rüstungsindustrie arbeiten, bei
schlechter Versorgung und drastischen Strafen für jedes Verhalten, das
als Vergehen gewertet wurde. Weitere über 600 Frauen waren erst wenige
Wochen vor dem Todesmarsch nach Helmbrechts gekommen - zu Fuß mussten
sie wochenlang bei Kälte und Schnee aus Grünberg in Schlesien nach
Helmbrechts laufen. Sie waren alle vollkommen erschöpft und nicht mehr
arbeitsfähig, sie wurden praktisch ohne Versorgung in einer Baracke
eingesperrt. Viele Fragen gab es zu dem Film von Ludwig Mertel, der u.
a. die Exhumierung von in Helmbrechts gestorbenen Frauen zeigt .
Die
Besonderheiten der Ereignisse im KZ Helmbrechts, während des
Todesmarsches, bei der Befreiung der Frauen und bei der juristischen
Aufarbeitung wurde den Besuchern erläutert und sorgte für viel
Gesprächsstoff. Es gingen im Frühjahr 1945 hunderte Todesmärsche durch
ganz Deutschland. Der Marsch von Helmbrechts nach Volary ist sehr früh
erforscht und dokumentiert worden. Grund ist die Facharbeit
des damaligen
Abiturienten Klaus Rauh aus Helmbrechts aus den 1980er
Jahren, und die lebenslange Suche des ehemaligen amerikanischen
Soldaten Bernard Robinson nach den Namen der Opfer. Seit dem Jahr 2019
ist diesem Todesmarsch eine Veröffentlichung in Buchform gewidmet.
Die Vorsitzende der Hofer VVN-BdA, Eva Petermann, hatte es sich nicht
nehmen lassen, an diesem Nachmittag dabeizusein. Ein wunderschöner
Blumenstrauß mit einem Gruß aus dem Vogtland wurde an der Gedenkstätte
niedergelegt. Einige der Besucher gingen nach dem Film und den
Erläuterungen nochmals allein in die kleine Gedenkstätte, um die
Stimmung aufzunehmen. Ein oft gewürdigtes Objekt war dabei die
Bodeninstallation von Dietrich Kelterer. Dem Plauener Künstler fühlten
sich die Besucher besonders verbunden.
Der nächste
Tag, an dem die Gedenkstätte für die Öffentlichkeit geöffnet hat, ist
Sonntag, der 4. Oktober 2020 von 14 - 16 Uhr. Einen Termin für einen
individuellen Besuch einer Gruppe kann unter 1060 5518825 vereinbart
werden.

Die Bilder
zeigen
- eine Besucherin allein in der Gedenkstätte
- der Blumengruß aus dem Vogtland

Das Bild zeigt vlnr:
Hartmut Hendrich, Nanne Wienands, Gabriela Möckel, Regina Scholz,
Robert Geigenmüller, Volker Seidel, Mirjam Drechsel
Gerade während dieser heiklen Pandemiezeit brechen den
Vereinen die Mittel weg - die festen Kosten laufen weiter,
Veranstaltungen können aber nicht stattfinden. Deswegen waren die
Verantwortlichen des Vereins gegen das Vergessen e. V., die in
Schwarzenbach/Saale die Gedenkstätte "Langer Gang" betreuen und
organisieren, doppelt dankbar für eine Spende der IGMetall. 1500,00
Euro überreichte Volker Seidel, Geschäftsführer der IG Metall
Ostoberfranken am Gedenkstein in Helmbrechts an die Vorsitzenden
Hartmut Hendrich und Nanne Wienands, sowie an Kassiererin Regina
Scholz. Die Spende geht zurück auf einen Besuch in der Gedenkstätte
"Langer Gang" in Schwarzenbach/Saale, die auch am kommenden Sonntag
wieder geöffnet ist. Im März diesen Jahres hatte Mirjam Drechsel aus
Schwarzenbach am Wald den Besuch für eine Gruppe interressierter
SPD-Mitglieder organisiert.
Der 2. Bürgermeister von Helmbrechts zeigte sich in Vertretung von
Bürgermeister Stefan Pöhlmann dankbar für die Arbeit, die der Verein
leistet. "Es war für die Bürger von Helmbrechts in der Nachkriegszeit
nicht leicht zu verkraften, dass in ihrer Stadt ein Konzentrationslager
existiert hatte," meinte er bei der Spendenübergabe.
Hendrich erläuterte kurz das Zustandekommen des Buches über
das Lager in Helmbrechts und den dreiwöchigen Todesmarsch der über 1000
Frauen ins tschechische Volary. "800 Exemplare der Dokumentation sind
bis jetzt gedruckt worden. Es ist eine Zusammenfassung der Ereignisse
und geht zurück auf die Facharbeit von Klaus Rauh, die er als
Abiturient verfasst hat. Im Buch wurden auch die Ereignisse im Umfeld
von Helmbrechts dargestellt und die juristische und menschliche Arbeit
danach. Wir haben an viele Schulen in der Umgebung Bücher verschenkt,
damit dieses Wissen nicht verloren geht - für diese Ausgaben kommt die
Spende genau richtig," meinte Hendrich.
Die
Gedenkstätte "Langer Gang" ist an jedem ersten Sonntag im Monat von 14
- 16 Uhr geöffnet, zu finden ist sie in der Nähe des Bahnübergangs in
Schwarzenbach/Saale. Gruppen können Besuchstermine auch frei
vereinbaren unter 09284 801536.
Blumen am
Gedenkstein in Helmbrechts

Das Bild zeigt: im
Vordergrund Regina Scholz,
Nanne Wienands,
Klaus Rauh, Mirjam Drechsel und Bürgermeister Stefan Pöhlmann
Urhebervermerk Foto: Hannes Bessermann
13. April 1945: Todesmarsch vom KZ-Außenlager Helmbrechts
Vor 75 Jahren, am 13. April 1945, begann in der Kleinstadt Helmbrechts
der Todesmarsch von 1.170 Frauen aus dem KZ-Außenlager. Nur 350 Frauen
überlebten den Weg. Zur Erinnerung legten Ehrenamtliche eine
Blumenschale auf dem Helmbrechtser Friedhof ab.
Nur 350 von fast 1.200 Frauen überlebten den rund 200 Kilometer langen
Weg nach Volary (Wallern) in Südböhmen. Der Großteil verhungerte
unterwegs, brach entkräftet zusammen oder wurde von den
SS-Aufseherinnen und -Aufsehern erschlagen oder erschossen. Die für
Ostermontag geplante Gedenkfeier anlässlich des 75. Jahrestages des
Todesmarsches musste zwar ausfallen – doch zur Erinnerung an
die KZ-Häftlinge legten Ehrenamtliche vom "Verein gegen das Vergessen"
zusammen mit Bürgermeister Stefan Pöhlmann eine Blumenschale am
Gedenkstein auf dem Helmbrechtser Friedhof ab.
Todesmarsch ist gut erforscht
Kurz vor
Kriegsende trieb die SS in ganz Deutschland KZ-Häftlinge
durchs Land. "Der Todesmarsch von Helmbrechts, wo ein Außenlager des KZ
Flossenbürg war, gilt als einer der am besten erforschten", so Nanne
Wienands vom "Verein gegen das Vergessen". Im BR-Gespräch verweist sie
vor allem auf die intensive Archiv-Arbeit des Helmbrechtsers Klaus Rauh
seit den 80er Jahren hin und auf die sogenannte "Robinson-Liste". Der
US-Amerikaner Bernard Robinson hatte akribisch die Namen der
Zwangsarbeiterinnen und jüdischen Häftlinge im KZ-Außenlager
Helmbrechts zusammengetragen – seine Ehefrau Amalie Mary Reichmann
hatte den Todesmarsch überlebt.
Helmbrechts als Frauen-Außenlager
Das KZ Helmbrechts wurde 1944 als Frauen-Außenlager für das KZ
Flossenbürg errichtet. Die Häftlinge mussten in Helmbrechts für die
Nürnberger Rüstungsfabrik Neumayer arbeiten. Der aus Baden-Württemberg
stammende Lagerkommandant Alois Dürr wurde 1962 verhaftet, nachdem ihn
eine frühere KZ-Gefangene zufällig auf einem Zeitungsfoto als
Feuerwehr-Kommandant wiedererkannt hatte. Das Landgericht Hof
verurteilte den Lagerkommandant 1969 wegen gemeinschaftlich begangenen
fünffachen Mordes zu lebenslanger Haft - zehn Jahre später wurde Dörr
allerdings begnadigt.
Gedenkstätte "Langer Gang"
Neben dem Gedenkstein auf dem Helmbrechtser Friedhof erinnert die
Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach an der Saale an das
Martyrium der Frauen. Schwarzenbach war die erste Station des
Todesmarschs, in der kalten Nacht vom 13. auf den 14. April 1945
mussten die KZ-Häftlinge im Freien schlafen, sechs von ihnen starben
damals, so Nanne Wienands. Der "Verein gegen das Vergessen" hat 2019
ein Buch über das Frauen-KZ Helmbrechts und den Todesmarsch von
Helmbrechts nach Volary in Tschechien veröffentlicht. In der
südböhmischen Stadt Volary (Wallern) wurden die Frauen am 4. Mai 1945
von der US-Armee befreit – allerdings starben rund 100 von ihnen kurz
danach, sie wurden auf dem dortigen Friedhof bestattet.
Museum derzeit geschlossen
Die Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach an der Saale kann nach
Aufhebung der coronabedingten Ausgangsbeschränkungen wieder besucht
werden. Das kleine Museum in der Nähe des Bahnhofs ist jeden ersten
Sonntag im Monat sowie nach Vereinbarung geöffnet.
© BR/ Annerose Zuber
Derzeit ist das Museum "Langer Gang" in Helmbrechts coronabedingt
geschlossen.
Pressebericht
Besuch in der Gedenkstätte Langer Gang
Die Bilder Zeigen

- einen Blick durch das Fenster
auf ein Werk von Professor Klaus Schröter aus Münchberg
|
- einen Teil der Besuchergruppe
|
Mirjam Drechsel hatte als
stellvertretende Vorsitzende des SPD-Kreisverbandes Hof-Land im Rahmen
der Reihe "Termine für Frauen" zu einem Besuch in die Schwarzenbacher
Gedenkstätte "Langer Gang" eingeladen. Wie interessant so ein Besuch
ist, zeigte sich auch darin, dass eine ganze Reihe von Männern
teilnahmen; unter ihnen MdL Klaus Adelt und Volker Seidel,
Geschäftsführer der Gewerkschaft IG Metall Ostoberfranken. Regina
Scholz vom "Verein gegen das Vergessen e. V." begleitete die Gruppe in
der Gedenkstätte und erklärte die historischen Begebenheiten vom April
1945 sowie die Ausgestaltung des Gebäudes "Langer Gang" mit Kunstwerken
von Ludwig Mertel, Udo Rödel, Professor Klaus Schröter und Dietrich
Kelterer. Die Absicht von Mirjam Drechsel, den Frauen ein Gesicht zu
geben, die im Konzentrationslager Helmbrechts als Arbeitshäftlinge
Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie verrichten mussten, gelang gut
an diesem Nachmittag.
Mirjam Drechsel schrieb nach dem Besuch ihre Gedanken
auf:
"... ich bin eigentlich kalte Temperaturen gewöhnt. Aber mich hat es
heute in Schwarzenbach an der Saale gefroren, obwohl ich eine
Allwetterjacke trug. Wie mögen sich die Frauen gefühlt haben, die zu
Fuß unterwegs waren, getrieben wie Vieh, und völlig entkräftet hier ihr
erstes Etappenziel erreichten? Ohne Nahrung, Kleidung und Medikamente
hatte man sie unter grausamer Bewachung auf diesen Marsch geschickt,
als klar war, dass die näher rückenden amerikanischen Truppen die
Greueltaten der Nazis entdecken würden, räumte der Kommandant Alois
Dörr das Lager Helmbrechts. Etwa sechzig todkranke und nicht mehr
marschfähige Frauen ließ er auf einem Fuhrwerk transportieren. Sechs
von ihnen starben in dieser Nacht in Schwarzenbach, zehn der
marschierenden Frauen wurden auf dem Weg von Helmbrechts nach
Schwarzenbach erschossen oder erschlagen. 75 Jahre ist es her, genau
geschah es am 13. Arpil 1945, dass der Zug von 1170 Frauen in zwei
Marschblöcken das KZ Helmbrechts verließ. Der Gewalt der Wachmänner und
Bewacherinnen waren sie vollkommen ausgeliefert. Erst drei Wochen
später wurden die überlebenden Frauen in Volary in Tschechien von
amerikanischen Soldaten befreit.
In der Gedenkstätte "Langer Gang" hört man aus den Lautsprechern eine
Frauenstimme, monoton spricht sie die vielen Namen der Häftlingsfrauen.
Dazwischen die Berichte einer der überlebenden Frauen, grausam im
Inhalt, aber gefasst und respektvoll in der Stimme spricht sie von
unfassbaren Vorfällen. Tageslicht und einzelne Sonnenstrahlen fallen in
den Raum, der vor etwa zwanzig Jahren vom Verein gegen das Vergessen e.
V. mit Hilfe einiger Zuschussgeber saniert wurde. Einer der Künstler,
die den einzigen Raum der Gedenkstätte mit ausgestalteten, war
Professor Klaus Schröter, mein Mentor. Seine Bilder sollten als Mahnmal
wirken. Und so spürte ich an diesem emotionsgeladenen Nachmittag die
Kälte. Ich danke allen Besucherinnen und Besuchern für die Begleitung,
und dem Verein für den Einsatz gegen das Vergessen."
Regina Scholz lud abschließend alle Besucherinnen und
Besucher ein zur Gedenkveranstaltung in Helmbrechts am 13. April 2020
um 17 Uhr an der Friedhofskapelle.

27.01.2020
Pressebericht
Schicksale in Auschwitz
Der 75. Jahrestag der Befreiung des deutschen
Konzentrationslagers Auschwitz mit den 39 Nebenlagern stand im
Mittelpunkt des ökumenischen Gedenkgottesdienstes in der St.
Gumbertuskirche in Schwarzenbach/Saale. Die Soldaten der Roten Armee
haben das Lager im strengen Winter 1945 befreit.
"Wir beginnen mit Schweigen". Mit diesen Worten beginnt die Stunde des
Gedenkens am Tag der Opfer des Nationalsozialismus
alljährlich. Das Schweigen zu Beginn des Gottesdienstes
drückte die große Betroffenheit über den industriellen Mord an
insgesamt über sechs Millionen Menschen aus, den die
Nationalsozialisten akribisch geplant und durchgeführt haben, und der
möglich wurde durch die Gleichgültigkeit derer, die sich nicht
gefährden wollten.
Vier junge Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Schule-Mittelschule
in Schwarzenbach/Saale gingen auf das Schicksal von zwei Frauen und
zwei Männern ein, die in Auschwitz inhaftiert waren.
Karel Stojka wurde als elfjähriger Junge von den Nazis verhaftet und
nach Auschwitz gebracht. Er überlebte, sein jüngerer Bruder
verhungerte. Erst 1985 begann Stojka, die Bilder zu malen, die in
seinem Gedächntnis eingegraben waren und seine Erlebnisse
dokumentierten. Weltweite Ausstellungen folgten. Er starb im Jahr 2003
in Wien.
Edith Frank, die Mutter von Margot und Anne Frank, grub sich heimlich
unter der Wand der Krankenbaracke durch, um ihre Töchter mit geklauter
Nahrung zu versorgen. Sie starb am 6. Januar 1945.
Walter Rosenberg gelang mit einem Freund zusammen die Flucht aus
Auschwitz, tage- und nächtelang hatten sie sich unter einem Holzhaufen
versteckt. Seine Berichte wurden von der Öffentlichkeit nicht für
möglich gehalten, so grausam beschrieb er seine Erlebnisse. Nach dem
Krieg nannte er sich Rudolf Vrba, er studierte in Prag und lehrte
schließlich als Professor an einer Universität in Kanada.
Else Ury war die Autorin aller Nesthäkchen-Bücher. Weil sie Jüdin war,
verschleppte man sie im Viehwaggon nach Auschwitz. Ihr Leben und
Sterben wird in dem Buch "Nesthäkchen kommt ins KZ" eindrucksvoll
beschrieben.
Auch an die Kinder in Auschwitz wurde gedacht. Die fünfte Schülerin
hatte diese schwere Aufgabe übernommen:
"Insgesamt
wurden mindestens 232.000 Säuglinge sowie Kinder und Jugendliche im
Alter von ein bis 17 Jahren nach Auschwitz verschleppt. 216.000 waren
Juden, 11.000 Sinti und Roma. Viele von ihnen waren Waisenkinder –
denken Sie an den polnischen Arzt Janusz Korczak,
der mit den
Kindern aus seinem Kinderheim ins Gas ging.
Es sind auch Kinder in Auschwitz geboren worden. Die Bedingungen waren
unvorstellbar grausam. Die älteren Kinder
waren von Eltern und Geschwistern getrennt worden, sie
hatten sie weggehen oder sterben sehen. Sie vertrauten niemandem, waren
voller Angst, sie hörten auf zu sprechen, sie waren vollkommen allein
der Willkür ausgeliefert. Sie waren die Schwächsten im Lager und auf
Hilfe durch Erwachsene angewiesen, die selbst nur schlecht zurecht
kamen.
Die Kinder machten sich nach Möglichkeit unsichtbar. Die eintätowierte
Häftlingsnummer ist mitgewachsen.
Nur wenige Kinder haben Auschwitz überlebt. Manche der Kinder, die
überlebten, kannten weder ihr Alter noch ihren Namen, sie sprachen ein
Gemisch aus mehreren Sprachen, kannten kein Spiel. Viele Kinder, vor
allem auch Zwillinge, wurden für medizinische Experimente missbraucht.
Die meisten haben Auschwitz nicht überlebt. Wer überlebte, war fürs
Leben gezeichnet."
Pfarrerin Annett Treuner und Pfarrer Dieter Georg
Jung begleiteten den Gottesdienst, der von zahlreichen
Gemeindemitgliedern der evangelischen und der katholischen
Kirchengemeinden gestaltet wurde. Das Schwarzenbacher Klezmer-Ensemble
gab einen würdevollen musikalischen Rahmen mit Christine
Pickert-Martschin am Klavier, Gisela Schildbach mit Gesang und
Klarinette und Manfred Martschin mit dem Akkordeon. Die Lieder des
Gottesdienstes begleitete Christine Pickert-Martschin an der Orgel.
Das
Bild zeigt einen der vielen Koffer.

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Die Bilder zeigen
- die Gräberreihe mit dem Blumengruß der VVN/BdA Kreisvereinigung
Hof/Wunsiedel;
- Nanne Wienands bei der Ansprache.
Pressebericht
Gedenken auf dem Friedhof in Schwarzenbach/Saale
Im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst in Schwarzenbach/Saale am
27. Januar 2020 kamen am Gräberfeld der Opfer des Nationalsozialismus
auf dem Schwarzenbacher Friedhof zahlreiche Besucher
zusammen. Hier haben sechs Frauen des Todesmarsches aus Helmbrechts
ihre letzte Ruhestätte gefunden, aber auch einige Zwangsarbeiter und
Bürger aus Schwarzenbach, die nach ihrer Rückkehr aus einem
Konzentrationslager an den Folgen der Haft starben.
Nanne Wienands als Vertreterin der VVN-BdA Hof/Wunsiedel war
anzumerken, dass es die aktuellen Ereignisse der letzten Tage und
Wochen waren, die sie bewegten. "Die mediale Aufmerksamkeit für den 75.
Jahrestag der Befreiung von Auschwitz müsste zwei Wochen andauern. Dann
wäre ungefähr die Zeitspanne erreicht, die die Rote Armee brauchte, um
die etwa 6000 Überlebenden des Konzentrationslager Auschwitz
einigermaßen zu versorgen."
Wienands zählte einige Ereignisse auf, die sich in den vergangenen
Tagen ereignet hatten. Dabei nannte sie die Besonderheiten bei der
Ansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der
Gedenkstätte Yad Vashem in Israel genauso wie die Auflösung der
rechtsextremen Gruppe "Combat 18" durch Bundesinnenminister
Horst Seehofer. Auch die drohende Rücknahme der Gemeinnützigkeit der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten
durch die Finanzbehörden fand eine Bemerkung - "antifaschistische
Arbeit ist in höchstem Maße von Nutzen für die Allgemeinheit und
deshalb ohne Zweifel gemeinnützig", meinte sie. Sie verwies darauf,
dass die Ehrenvorsitzende der VVN-BdA, die 95jährige Überlebende von
Auschwitz Esther Bejarano, dazu klar Stellung genommen habe. Bejarano
ist mehrfach für ihr Engagement ausgezeichnet worden, u. a. mit dem
Großen Bundesverdienstkreuz.
Ein weiterer erwähnenswerter Punkt für Wienands war es, auf
Abschiebungen aufmerksam zu machen: "Die Innenminister der Länder sind
auch verantwortlich für die immer noch stattfindenden Abschiebungen
nach Afghanistan, für das Ertrinken von Menschen im Mittelmeer und die
schrecklichen Flüchtlingslager diesseits und jenseits des Mittelmeers.
Damit erfüllt man Forderungen der AfD nach weniger Flüchtlingen; diese
wiederum macht sich das als Erfolg zunutze!"
Wienands erwähnte den Gerichtsprozess in Hof gegen eine
Holocaustleugnerin genauso wie die Diskussion im Bayerischen Landtag
über den besseren Schutz von Kommunalpolitikern gegen rechtsradikale
Angriffe. Auch dass in einem Getränkemarkt in Südthüringen "Reichsbier"
erfolgreich zum Kauf angeboten wurde, den Kasten zu 18,88 Euro und
ausgestattet mit eindeutigen Symbolen, gehörte in diese Rubrik.
"Wenn wir heute hier an die Opfer des Faschismus denken, sollten wir
auch alle diese viel jüngeren Ereignisse nicht aus den Augen verlieren.
Nach 75 Jahren leben wir immer noch nicht nazifrei," lautete ihr
eindringlicher Appell.
Werner Bußler

Auf
dem Friedhof in Helmbrechts fand am Jahrestag der Pogromnacht eine
Gedenkstunde statt. Unser Bild zeigt (von links): Hartmut Hendrich,
Regina Scholz, Nanne Wienands, Klaus Rauh, Robert Geigenmüller, Ramona
Kaiser und Alfred Rauh. Foto: Werner Bußler
Helmbrechts
-
Der 9. November 1938 gehört zu den traurigsten Tagen der deutschen
Geschichte. Seinerzeit mobilisierte Reichspropagandaminister Goebbels
Schergen der SA, 191 Synagogen im ganzen Land anzuzünden und weitere 76
jüdische Gotteshäuser zu demolieren. Die Täter plünderten und
zerstörten Geschäfte und Einrichtungen, die Bürger jüdischen Glaubens
gehörten. 20 000 Menschen verschleppten die Nazis in
Konzentrationslager, viele fanden den Tod. Seit auf dem Helmbrechtser
Friedhof ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des KZ-Außenlagers
aufgestellt ist, finden hier zweimal jährlich Gedenkstunden statt - am
Jahrestag des Todesmarsches vom 13. April 1945 und am 9. November, wenn
sich die Pogromnacht jährt.
Neues vom Heimatforscher
Klaus Rauh
Klaus Rauh aus Helmbrechts hat schon vor Jahren eine
vielbeachtete Facharbeit über das KZ-Außenlager Helmbrechts verfasst.
Diese Dokumentation dient als Basis für ein Buch, das in den nächsten
Wochen erscheinen soll. Dazu hat Klaus Rauh seine Abhandlung deutlich
erweitert, ergänzt und in Archiven recherchiert, die erst nach der
Grenzöffnung zugänglich waren und zu neuen Erkenntnissen geführt haben.
Im Rahmen der Gedenkfeier sagte er: "Mit diesem Buch sollen
nachfolgende Generationen erfahren, was im Jahr 1945 und vorher
geschehen ist. Das sei umso wichtiger, weil es immer weniger Zeitzeugen
gibt.
Mit dabei waren in diesem Jahr zweiter Bürgermeister
Robert Geigenmüller, Pfarrerin Ramona Kaiser sowie Regina Scholz, Nanne
Wienands und Helmut Hendrich vom Verein gegen das Vergessen, den
Initiativen gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit und der
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten.
Als Bürger der Stadt, die lokale Ereignisse für die Nachwelt
festgehalten haben, beteiligten sich Alfred Rauh und Klaus Rauh.
Helmut Hendrich bedauerte, dass heute viele Menschen
die Ära des Nationalsozialismus ausblenden und der Rechtspopulismus
zunimmt: "Diesem Trend gilt es in der Öffentlichkeit etwas
entgegenzusetzen." Nanne Wienands sieht aber Hoffnung für die Zukunft.
Es mache Mut zu sehen, wie sich junge Leute rund um die
Anne-Frank-Ausstellung in Selbitz engagiert haben. "Hier entsteht eine
Haltung, die wir nur begrüßen können." Für Robert Geigenmüller ist es
unverständlich, dass manche Bürger die schrecklichen Ereignisse
zwischen 1933 und 1945 vergessen wollen oder bagatellisieren. Die
Kirche sei sich ihrer Verantwortung beim Thema Fremdenhass bewusst,
betonte Ramona Kaiser.
Nanne
Wienands teilte noch mit, dass die rechtsextreme Gruppierung "Der
dritte Weg" am 17. November wieder einen Aufmarsch in Wunsiedel plant.
Hier möchte man mit Friedensgebeten und Gegenveranstaltungen deutlich
Flagge für die Demokratie zeigen. "Wer sich beteiligen möchte, ist
eingeladen." Los geht es um 17 Uhr auf dem Wunsiedler Marktplatz.
Amtsblatt
Bericht 3.05.2019
von
Nanne Wienands

Frankenpostbericht
vom 26.04.2019
Autor: Alexander
Wunner

Das Buch
Das Frauenkonzentrations- und
Außenlager Helmbrechts
Der Todesmarsch von Helmbrechts nach
Volary CZ/Wallern
Es kostet zehn Euro.


Gedenkveranstaltung für
die Opfer des
Frauenkonzentrationslagers Flossenbürg –
Außenlager Helmbrechts und des
Todesmarsches nach Volary CZ
13.04.2019






Der
Landesverband Bayern der Partei DIE LINKE
vergibt
zum 3 Mal den Klaus Bruno Engelhardt Preis um damit herausragende
Leistungen, im Kampf gegen Antisemitismus, Neonazismus und Rassismus zu
würdigen. Diesjährigen Preisträger waren wir vom "Verein gegen das
Vergessen" Übergabe in den Räumen der Diakonie am Campus.


13.03.2019
Bei
der DGB Frauentagsveranstaltung kamen bei der Sammlung 210€ zusammen.
Diese wurden dem „Verein gegen das Vergessen„ übergeben.





Auf dem Friedhof in Helmbrechts
fand am Jahrestag der Pogromnacht eine Gedenkstunde statt. Unser Bild
zeigt (von links): Hartmut Hendrich, Regina Scholz, Nanne Wienands,
Klaus Rauh, Robert Geigenmüller, Ramona Kaiser und Alfred Rauh. Foto:
Werner Bußler
Helmbrechts
-
Der 9. November 1938 gehört zu den traurigsten Tagen der deutschen
Geschichte. Seinerzeit mobilisierte Reichspropagandaminister Goebbels
Schergen der SA, 191 Synagogen im ganzen Land anzuzünden und weitere 76
jüdische Gotteshäuser zu demolieren. Die Täter plünderten und
zerstörten Geschäfte und Einrichtungen, die Bürger jüdischen Glaubens
gehörten. 20 000 Menschen verschleppten die Nazis in
Konzentrationslager, viele fanden den Tod. Seit auf dem Helmbrechtser
Friedhof ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer des KZ-Außenlagers
aufgestellt ist, finden hier zweimal jährlich Gedenkstunden statt - am
Jahrestag des Todesmarsches vom 13. April 1945 und am 9. November, wenn
sich die Pogromnacht jährt.
Neues vom
Heimatforscher Klaus Rauh
Klaus Rauh aus Helmbrechts
hat schon vor Jahren eine vielbeachtete Facharbeit über das
KZ-Außenlager Helmbrechts verfasst. Diese Dokumentation dient als Basis
für ein Buch, das in den nächsten Wochen erscheinen soll. Dazu hat
Klaus Rauh seine Abhandlung deutlich erweitert, ergänzt und in Archiven
recherchiert, die erst nach der Grenzöffnung zugänglich waren und zu
neuen Erkenntnissen geführt haben. Im Rahmen der Gedenkfeier sagte er:
"Mit diesem Buch sollen nachfolgende Generationen erfahren, was im Jahr
1945 und vorher geschehen ist. Das sei umso wichtiger, weil es immer
weniger Zeitzeugen gibt.
Mit dabei waren in diesem
Jahr zweiter Bürgermeister Robert Geigenmüller, Pfarrerin Ramona Kaiser
sowie Regina Scholz, Nanne Wienands und Helmut Hendrich vom Verein
gegen das Vergessen, den Initiativen gegen Rechtsextremismus und
Ausländerfeindlichkeit und der Vereinigung der Verfolgten des
Naziregimes - Bund der Antifaschisten. Als Bürger der Stadt, die lokale
Ereignisse für die Nachwelt festgehalten haben, beteiligten sich Alfred
Rauh und Klaus Rauh.
Helmut Hendrich bedauerte,
dass heute viele Menschen die Ära des Nationalsozialismus ausblenden
und der Rechtspopulismus zunimmt: "Diesem Trend gilt es in der
Öffentlichkeit etwas entgegenzusetzen." Nanne Wienands sieht aber
Hoffnung für die Zukunft. Es mache Mut zu sehen, wie sich junge Leute
rund um die Anne-Frank-Ausstellung in Selbitz engagiert haben. "Hier
entsteht eine Haltung, die wir nur begrüßen können." Für Robert
Geigenmüller ist es unverständlich, dass manche Bürger die
schrecklichen Ereignisse zwischen 1933 und 1945 vergessen wollen oder
bagatellisieren. Die Kirche sei sich ihrer Verantwortung beim Thema
Fremdenhass bewusst, betonte Ramona Kaiser.
Nanne Wienands teilte noch
mit, dass die rechtsextreme Gruppierung "Der dritte Weg" am 17.
November wieder einen Aufmarsch in Wunsiedel plant. Hier möchte man mit
Friedensgebeten und Gegenveranstaltungen deutlich Flagge für die
Demokratie zeigen. "Wer sich beteiligen möchte, ist eingeladen." Los
geht es um 17 Uhr auf dem Wunsiedler Marktplatz.
in Schwarzenbach im Schulhof der
Geschwister-Scholl-Mittelschule blühen die weißen Rosen.

Dank geht nochmals an
alle, die sich an der Realisierung dieser Idee beteiligt haben.
Verein gegen das Vergessen e. V.
Veröffentlicht
am:
18. 05. 2018
Rainer Maier


Der
lebenslange Kampf des Ernst Grube
In
Wunsiedel spricht der Überlebende des Holocausts über seinen Einsatz
für Toleranz. Er muss auch nach dem Krieg noch Verfolgung aushalten.
Ernst
Grube überlebte die Judenverfolgung im Dritten Reich, hatte es aber als
Kommunist auch im Nachkriegs-Bayern nicht leicht. Foto: Rainer Maier
Wunsiedel -
Er hat sein Leben lang gekämpft: Erst ums blanke Überleben als
jüdisches Kind in der Nazi-Zeit, dann um seine kommunistischen Ideale
im konservativen Nachkriegs-Bayern, immer gegen Rassismus und Krieg,
gegen Intoleranz und Militarismus. Ernst Grube hat Rückschläge
erlitten, aufgegeben hat er nie. Im Wunsiedler Mehrgenerationenhaus
berichtete der 85-Jährige am Donnerstagabend aus seinem Leben.
Ein Dokumentarfilm über Grube steht am Anfang der Veranstaltung. Die
ersten Bilder zeigen die Münchner Herzog-Max-Straße, in der sein
Elternhaus stand. Und die Synagoge der Landeshauptstadt. Im Juni 1938
wird sie auf direkten Befehl von Adolf Hitler abgerissen. Die Juden in
der Umgebung bekommen Räumungsbefehle. Grube hat eine jüdische Mutter.
Der Vater, ein Malermeister, ist kein Jude, aber Kommunist. Die drei
Kinder werden in ein Heim gesteckt. Hier kommt Grube erstmals intensiv
mit dem jüdischen Glauben in Kontakt. Und mit den Repressalien der
Nazis gegen diese Volksgruppe. Der Junge muss den gelben Judenstern
tragen.
Nach und nach werden die anderen Kinder abtransportiert - in den Tod,
wie sich später herausstellt. Ernst Grube, sein Bruder Werner und die
Schwester Ruth bleiben zurück. Im Barackenlager des Judenghettos
Milbertshofen warten sie auf ihren Transport. "Das war ein Ort des
Terrors, ein Ort der Verfolgung", sagt Grube. "Es war die brutalste
Nazi-Maßnahme in der Stadt München, sichtbar für alle Einwohner. Doch
die Bevölkerung hat mitgemacht."
Im Februar 1945 wird Grubes Mutter mit den drei Kindern ins Ghetto
Theresienstadt deportiert. 154 000 Juden aus ganz Europa werden hierher
gebracht. Als die Rote Armee das Lager am 8. Mai 1945 befreit, sind
noch knapp 17 000 am Leben, darunter die Grubes. Ernst Grube sagt: "Ich
werde bis an mein Lebensende diese Verbundenheit mit der Roten Armee
für diese Rettung der Menschheit im Herzen behalten."
Wie sein Vater, bei dem er Maler lernt, wird der junge Münchner
Kommunist. Er verehrt die Widerstandskämpfer der Stadt, tritt in die
Gewerkschaft ein, engagiert sich politisch, demonstriert gegen die
Wiederaufrüstung. Immer wieder eckt Ernst Grube an, landet nach einer
Demonstration wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt für sieben
Monate im Gefängnis. Er arbeitet bei der Friedensbewegung mit, stößt
die Idee der Ostermärsche gegen Militarismus an und erntet erneut eine
Gefängnisstrafe: zwölf Monate wegen Staatsgefährdung.
Neben seinem Malerbetrieb, den er vom Vater übernommen hat, wird er
Fachlehrer an der Berufsschule. Das Abitur hat er in Abendkursen
nachgemacht. 1972 trifft ihn der Radikalenerlass der deutschen
Ministerpräsidenten: Grube, seit 1968 KPD-Mitglied, bekommt ein
Berufsverbot. Doch er lässt sich nicht unterkriegen. Mit
bewundernswerter Kraft engagiert er sich: für ein Denkmal für die
Münchner Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, für den Bau
eines NS-Dokumentationszentrums in der Stadt, für eine internationale
Jugendbegegnungsstätte am ehemaligen Konzentrationslager Dachau. In der
Gedenkstättenstiftung Dachau/Flossenbürg des bayerischen
Kultusministeriums sitzt er erst im Kuratorium, wird dann sogar
Vorsitzender.
Während der gesamten Zeit wird Ernst Grube vom bayerischen
Verfassungsschutz beobachtet. Es heißt, er nutze seine Auftritte als
Zeitzeuge der Judenverfolgung nur, "um politisch subversiv zu wirken".
Innenminister Joachim Herrmann würdigt Grubes Verdienste für die
Allgemeinheit, schränkt aber ein: "Der ist Kommunist, deswegen wird er
weiter beobachtet."
Ernst Grube ficht das nicht an. Er geht - von vielen bekannten
Persönlichkeiten und Organisationen unterstützt - weiter seinen Weg der
Toleranz, kämpft gegen Rassismus: "Das ist für mich entscheidend.
Antisemitismus ist Rassismus. Aber wenn das Gleiche gegen Moslems
passiert, muss ich es auch anprangern."
Hat er, fragt ein Zuhörer, bei all diesen Rückschlägen im
Nachkriegs-Deutschland nie daran gedacht, auszuwandern? Nein, sagt
Grube. "Ein Aufgeben hat es für mich nicht gegeben." Und: "Ich war
immer ein Befürworter dieses Staates, der sich ein Grundgesetz gegeben
hat, in dem eine Wiederkehr rassistischer Gedanken nicht zugelassen
wird." Durch und durch Demokrat sei er, sagt Grube. Und durch und durch
Pazifist.
Nanne Wienands, die die Veranstaltung der Vereinigung der Verfolgten
des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
(VVN-BdA) Hof-Wunsiedel moderiert, weist darauf hin, dass, während man
hier Erinnerungsarbeit mache, gleichzeitig anderswo absolutes Unrecht
stattfinde. Menschen würden abgeschoben in Kriegsgebiete. Ernst Grubes
Frau Helga, die ihren Mann nach Wunsiedel begleitet hat, pflichtet
Wienands bei: "Was da passiert, ist schizophren und wahnsinnig."
In Regensburg, wo Helga und Ernst Grube heute leben, engagieren sich
die beiden für Flüchtlinge. Über CSU-Landesgruppenchef Alexander
Dobrindts Äußerung von der "Anti-Abschiebe-Industrie" haben sie sich
sehr geärgert, fühlen sich aber andererseits auch bestätigt: "Das
zeigt, wie wichtig unsere Arbeit in dieser Richtung war." Die Grubes
rufen in Wunsiedel auf, alle rechtlichen Möglichkeiten für die
Flüchtlinge in Deutschland zu nutzen. Im Publikum sitzen viele
Mitglieder von Helferkreisen im Fichtelgebirge. Alle nicken.
Ernst Grube sagt, er verknüpfe sein lebenslanges Engagement gegen Krieg
und Aufrüstung jetzt konkret auch mit der Lage der Geflüchteten. Und
eine Frau aus dem Publikum schildert, wie bei ihr beim Ansehen der
Bilder von der Judenverfolgung im Kopf "ein zweiter Film abläuft". Sie
sehe die Bilder der Polizeihundertschaften, die die Abschiebung einer
jungen Flüchtlingsfrau mit ihrem Säugling erzwingen. "Es wird wieder
mit Unmenschlichkeiten gearbeitet", sagt sie.
Pressemitteilung
Veröffentlicht
am:
16. 04. 2018
Werner
Bußler
Opfer von damals mahnen
bis heute zum Frieden
Eine Feierstunde in
Helmbrechts erinnerte an die Opfer des Todesmarsches nach Volary.
Versöhnung und Frieden sind weiter wichtige Themen.

Das gemeinsam gesungene
Lied "Und wieder blüht der Mandelbaum" stimmten Gerd Koppitz, Reinhard
Flessa, Oliver Geipel und Thomas Berthold (von links) an. Foto:
Bußler
Helmbrechts
- Am 13. April 1945 wurden vom hiesigen KZ-Außenlager 1175 Mädchen und
Frauen jüdischen Glaubens nach Volary getrieben - daran erinnert jedes
Jahr eine Gedenkveranstaltung in der Helmbrechtser Friedhofshalle und
am Mahnmal. Frauen, die aufgrund der Erschöpfung Schwächen zeigten,
erschossen die NS-Schergen auch schon mal kaltblütig. Mit der
Erinnerungsstunde, sagte Pfarrer Thomas Berthold bei der Feier am
Freitag, wolle man ein Zeichen der Versöhnung und Mahnung setzen und
ein Signal für Frieden und Gerechtigkeit geben. Die evangelische
Kirchengemeinde, die Stadt Helmbrechts sowie die Vereine "Gegen das
Vergessen", "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der
Antifaschisten" und die Initiative gegen Rechtsextremismus und
Ausländerfeindlichkeit richten die Veranstaltung aus.
Die Ereignisse vor 73
Jahren scheinen aus heutiger Sicht unfassbar, sagte zweiter
Bürgermeister Robert Geigenmüller. Jeder müsse sich fragen, auf welcher
Seite er damals vielleicht selbst gestanden hätte. Ausblenden dürfe man
die Jahre des sogenannten Dritten Reiches keinesfalls: "Es gibt Leute,
die heute nichts mehr von den Gräueln wissen wollen. Gerade jenen, die
es nicht hören wollen, muss man immer wieder deutlich machen, was
damals passiert ist. Das ist unsere heilige Pflicht." Lichtblicke sind
für ihn Menschen, die gegen die Ignoranz arbeiten und sich gegen
bedenkliche und einfache politische Parolen stemmen. Eine weitere
positive Sache sei die gute Beziehung zwischen Volary und Helmbrechts.
Er selbst habe bei einem Besuch in der polnischen Gemeinde eine selten
so gut empfundene Gastfreundschaft erlebt. Er riet: "Schauen Sie sich
in Volary die Gedenkstätte mal an."
Wachsam zu bleiben und die
Erinnerung an die schlimme Zeit des 20. Jahrhunderts nicht enden zu
lassen, dazu forderte auch Hartmut Hendrich aus Hof auf. Die Schwelle
für Hass und Ausgrenzung sei wieder niedriger geworden, Rufe nach
Abschottung würden immer lauter. Menschen, die vor Terror und Willkür
geflohen sind, müsse man in einem Rechtsstaat aber mit Humanität
begegnen.
In der Kapelle spielte
Gerd Koppitz melancholische Weisen auf der Violine; Pfarrerin Ramona
Kaiser zündete für die Opfer des Todesmarsches, deren Namen auf einem
Banner stehen, Kerzen an. Am Gedenkstein am Friedhofseingang wurden
Kränze niedergelegt. Im Mittelpunkt stand ein Film, der die
Lebensgeschichte von Anne Frank erzählte.
Unterschiedliches
Erleben des 13./14. April 1945
Der frühere
Bundespräsident Dr. Roman Herzog hat diesem Tag eine Bestimmung
gegeben: der 27. Januar ist alljährlich der Tag des Gedenkens an die
Opfer des Nationalsozialismus. Seit vielen Jahren findet aus diesem
Grund in Schwarzenbach/Saale ein Gottesdienst statt. Ökumenisch, mit
der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde, unter
Mitwirkung des Vereins gegen das Vergessen e. V., der VVN-BdA und der
Initiative gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit. Die
Vorbereitungsgruppe stellte neben den bekannten und beeindruckenden
Texten ein Buch von Ursula Nies in den Mittelpunkt. Die Tochter des
früheren Lehrers und Rektors Wilhelm Pöhlmann und seiner Frau Anna wird
in diesem Jahr 80 Jahre alt. Im Jahr 1945 war sie gerade einmal sieben
Jahre alt und ihre Eltern ermöglichten ihr trotz des Krieges eine
behütete Kindheit. Fast tagebuchartig beschreibt sie ihre Erlebnisse am
13. und 14. April 1945. Die kindliche Beschreibung mit den Worten von
Ursula Nies sprachen

Nathalie Wiener
und Lukas Kolb von der Geschwister-Scholl-Mittelschule. Günter Niepel
und Nanne Wienands vom Verein gegen das Vergessen stellten diese
kindgemäßen Beobachtungen, die Ursula Nies später schriftlich
festgehalten hat, den Erlebnissen der fast 1200 Frauen gegenüber, die
sich gleichzeitig auf dem Todesmarsch von Helmbrechts über
Schwarzenbach/Saale Richtung Rehau befanden.
Die erschöpften, kranken und hungrigen Frauen mussten wochenlang im
Freien übernachten. Sie hatten und bekamen keinen Schutz, keine warme
Kleidung, keine Schuhe, nichts zu essen, keine Aussicht auf eine
Veränderung ihrer Situation. Sie lebten von einem Moment zum nächsten,
der Willkür der Bewacher ausgesetzt. Sie wussten nicht, was geschehen
würde, und wie lange sie noch leben würden. Sie waren schlaflos; sie
hörten die Kriegsgeräusche und hofften auf die Befreiung. Gegen den Hunger erzählten sie sich Kochrezepte,
und gegen die Sehnsucht erzählten sie sich Geschichten von früher; von
ihren Kindern, ihren Familien, von ihrer Heimat. "Gegen die Schmerzen
gab es keine Worte."
Für die musikalische Umrahmung des
Gottesdienstes sorgte das Klezmer-Ensemble mit Gisela Schildbachs
Gesang und Klarinettenspiel, Manfred Martschin mit dem Akkordeon,
Stefan Ganzmüller am Kontrabass und Christine Pickert-Martschin am
Klavier.
Im Anschluss an den
Gottesdienst traf man sich auf dem Friedhof bei den Gräbern der Frauen,
die damals in Schwarzenbach/Saale gestorben waren. Die Gräber befinden
sich in einer Reihe mit denen gestorbener Zwangsarbeitern und Männern,
die nach KZ-Haft verstorben sind. Nanne Wienands wiederholte die
Opferzahlen, die die Nazi-Herrschaft verursacht hatte. Millionen
Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher Herkunft und
Prägung sind damals ermordet worden, vorsätzlich und mit grausamen
Methoden. Aber sie erinnerte auch an das Schicksal der Menschen, die
heute auf der Flucht sind. Von den weltweit derzeit 60 Millionen
flüchtenden Menschen ausgehend berichtete sie von dem Einzelschicksal
eines jungen Mannes aus Hof, und sie bat um Hilfe "Wir haben da auch
etwas gut zu machen." Ihr Dank galt allen Besuchern, Mitwirkenden,
Ideengebern und Musikern, sowie Pfarrerin Annett Treuner und Pfarrer
Dieter Jung, die beide Veranstaltungen begleitet hatten.
Pressemitteilung
Veröffentlicht
Frankenpost am:
09. 11. 2017
20:57 Uhr
Werner Bußler
Die Pflicht zum Gedenken
Ein Signal für Frieden
und Verständigung: Kränze erinnern am Mahnmal in Helmbrechts wieder an
den Todesmarsch und an die Pogromnacht 1938.

Helmbrechts
- Am Eingang des Helmbrechtser Friedhofs erinnert ein steinernes
Mahnmal an das schrecklichste Kapitel der Stadtgeschichte, nämlich den
Todesmarsch jüdischer Frauen nach Volary, der am 13. April 1945
begonnen hatte. Zweimal im Jahr finden hier Gedenkfeiern statt: am
Jahrestag des Marsches und am 9. November zur Erinnerung an die
Pogromnacht im Jahr 1938, als in vielen Städten NS-Schergen Synagogen
in Flammen aufgehen ließen und Geschäfte demolierten, die Bürger
jüdischen Glaubens gehörten. 20 000 Menschen verschleppten die Helfer
der Nazis in Konzentrationslager, nicht wenige wurden getötet. Politik,
Kirchengemeinde und Gedenkinitiativen erinnern jährlich mit
Kranzniederlegungen an diese Gräueltaten in der "Reichskristallnacht",
wie sie von den Nationalsozialisten genannt wurde.
Die Aufgabe, an die
Schreckensherrschaft der Nazis zu erinnern, werde nie vorbei sein. Es
sei geradezu eine Verpflichtung, das schlimme Geschehen der jungen
Generation vor Augen zu führen und deutlich zu machen, wozu Intoleranz
und Menschenverachtung führen können. Darin waren sich Bürgermeister
Stefan Pöhlmann, Pfarrer Thomas Berthold und Regina Scholz einig.
Scholz beteiligte sich als Vertreterin der Initiativen "Gegen
Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit", "Gegen das Vergessen"
sowie namens des "Vereins der Verfolgten des Naziregimes/Bund der
Antifaschisten" an der kleinen Feier. Ebenfalls anwesend waren Klaus
Rauh, der sich als Erster in einer vielbeachteten Seminararbeit, die er
ständig erweitert, ausführlich mit dem Todesmarsch befasst hat, und
sein Vater Alfred Rauh, ein profunder Kenner der Helmbrechtser Historie.
Alle Teilnehmer betonten
unisono, es sei mehr denn je notwendig, mit deutlichen Signalen für
Frieden und Verständigung zu werben. Regina Scholz machte darauf
aufmerksam, dass in einigen Tagen wieder "Ewiggestrige" in Wunsiedel
marschieren wollen; eine Gegendemonstration sei geplant.
Die Feier in Helmbrechts
sollte auch die Botschaft vermitteln, dass die Mehrheit im Lande keine
Vorbehalte gegen ein friedliches Zusammenleben von Menschen aus
verschiedenen Nationen habe und jegliche ausländerfeindlichen Parolen
ablehne. Deshalb würdigten die Vertreter von Stadt, Kirche und
Bürgerinitiativen auch jene Personen, die sich nach der furchtbaren
Naziherrschaft, oft nicht im Licht der großen Öffentlichkeit, für die
Versöhnung zwischen den Völkern engagierten. Als Beispiel nannte Regina
Scholz Walter Schlosser, der sich nach dem Krieg für Belange der
Frauen, die im Helmbrechtser KZ-Außenlager leiden mussten, eingesetzt
hat.
Pressemitteilung
IG Metall Ostoberfranken spendet 1.000 €
an Verein gegen das Vergessen – Langer Gang – Schwarzenbach/Saale Größte
Beschäftigtenbefragung Deutschlands unterstützt guten Zweck

Von links Manfred
Möckel, Volker Seidel 1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostoberfranken,
Günter Niepel 2. Vorsitzender im Verein gegen das Vergessen, Nanne
Wienands, Gabriela Möckel, Randolph Öchslein Mitglied im IG Metall
Ortsvorstand.
Manfred Möckel, Nanne
Wienands und Gabriela Möckel sind Mitglieder im Vorstand des Vereines
gegen das Vergessen
(Schwarzenbach, 07.09.2017) – Die IG
Metall Ostoberfranken hat im Rahmen der bundesweiten
Beschäftigtenbefragung "Politik für alle - sicher, gerecht und
selbstbestimmt“ 1.000 Euro an den Verein gegen das Vergessen - Langer
Gang - Schwarzenbach/Saale gespendet.
Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter: „Die Beschäftigten setzen mit ihrer
Teilnahme an der Beschäftigtenbefragung ein Zeichen für einen
arbeitszeitpolitischen Aufbruch und unterstützen zugleich einen guten
Zweck in ihrer Heimatregion.“
Die IG Metall Ostoberfranken habe sich
für den Verein gegen das Vergessen – Langer Gang in Schwarzenbach/Saale
entschieden, da hier Geschichte greifbar gemacht wird. „Nur in einer
gerechten Gesellschaft können alle Menschen sicher und selbstbestimmt
leben. Dafür arbeiten wir als IG Metall und zeigen Solidarität mit
jenen, die Unterstützung brauchen“, sagte Volker Seidel.
Insgesamt haben sich bei der IG Metall
Ostoberfranken rund 3.000 Beschäftige an der Befragung beteiligt. „Wir
möchten mit den 1.000 Euro das vorbildhafte Engagement vom Verein gegen
das Vergessen - Langer Gang - in der Region unterstützen“, betonte
Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall vor Ort. Insgesamt
spendet die IG Metall Ostoberfranken 3.000 Euro an drei Projekte in der
Region. Weitere je 1.000 € gehen an die offene Jugendhilfe „Die Gunga
e.V.“, Helmbrechts und Kontakt e.V. – Vereinigung für psychosoziale
Hilfen in Bayreuth.
681.241 Beschäftigte aus gut 7.000
Betrieben hatten sich bundesweit an der IG MetallBefragung 2017
„Politik für alle – sicher, gerecht und selbstbestimmt“ beteiligt.
„Unsere Befragung ist ein voller Erfolg. Wir bedanken uns bei allen,
die sich beteiligt und dieses Mammutprojekt möglich gemacht haben“,
sagte Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter. „Die überwältigende
Beteiligung zeigt: Die Menschen vertrauen der IG Metall. Nach ihrem
Votum richten wir unsere Arbeit aus: betrieblich, tariflich und
gesellschaftspolitisch.“
Sicherheit und gute Perspektiven in der
digitalen Arbeitswelt, eine neue Arbeitsmarktpolitik, Arbeitszeiten,
die zum Leben passen, und sichere Renten sind für die Beschäftigten
laut Befragungsergebnissen besonders wichtig.
Mehr zur Beschäftigtenbefragung 2017
„Politik für alle – sicher, gerecht und selbstbestimmt“
der IG Metall:
http://www.befragungsergebnisse-igmetall.de/

Pressebericht
Tag des offenen Denkmals in der Gedenkstätte "Langer Gang"
"28 Besucher
haben am vergangenen Sonntag die Gedenkstätte "Langer Gang" besucht,"
freut sich Günter Niepel, 2. Vorsitzender des Vereins gegen das
Vergessen. Zum Tag des offenen Denkmals war die kleine Gedenkstätte in
Schwarzenbach/Saale den ganzen Nachmittag über geöffnet; die vielen
Besucher waren zwischen sieben und 85 Jahren alt. "Auffallend war, dass
einige Zeitzeugen kamen, die sich an die Frauen aus Helmbrechts noch
erinnern konnten," meint Nanne Wienands. Allen Besuchern gleich ist die
Betroffenheit, die die Geschichte der etwa 1170 Frauen, die das
Konzentrationslager Helmbrechts am 13. April 1945 verlassen mussten,
bei ihnen auslöst. In Helmbrechts mussten die Frauen für die
Rüstungsindustrie arbeiten. Es gab wenig Nahrung, viele drakonische
Strafen, keine ärztliche Hilfe. Ohne winterliche Kleidung, ohne Decken,
ohne Schuhe und Nahrung waren die Frauen drei Wochen lang unterwegs,
bis sie im heutigen Volary in Tschechien von der amerikanischen Armee
befreit wurden. Übernachten mussten sie im Freien. Auch in
Schwarzenbach/Saale, der ersten Station nachdem sie Helmbrechts
verlassen hatten, mussten die Frauen die Nacht in dem Garten neben der
Gedenkstätte verbringen. Aber viele der Frauen erlebten die Befreiung
nicht - sie wurden unterwegs umgebracht oder starben an Erschöpfung.
Dass dieser Todesmarsch so gut erforscht ist, verdankt man frühen
Forschungsarbeiten u. a. von dem Helmbrechtser Klaus Rauh. Ein sehr
genaues und detailliertes Dokument ist die Urteilsbegründung des Hofer
Gerichtes zur Verurteilung des Kommandanten Alois Dörr. Einige
Überlebende des Todesmarsches hatten ihn angezeigt. Das Urteil lautete
"Lebenslänglich"; aber diese Zeit endete für Dörr nach acht Jahren: er
wurde begnadigt - von einem alten Freund, der in seinem Amt erneut
Karriere gemacht hatte.
Es war an diesem
Nachmittag möglich, viele Informationen über diese Art der
Erinnerungsarbeit weiterzugeben. Der 1. Vorsitzende des Vereins,
Hartmut Hendrich aus Hof, hat neue Schriften zusammengestellt, die
Auskunft geben über das Gebäude und die Kunstwerke in der Gedenkstätte.
Es wurde herausgefunden, dass das Anwesen in
der Denkmalliste des Freistaates Bayern mit folgendem Text eingetragen
ist:
Stunde
der Erinnerung an Janusz Korczak
Wer war Janusz Korczak? Diese Frage stellte Nanne Wienands an den
Anfang ihrer Erläuterungen zu diesem außergewöhnlichen Menschen.
"Geboren wurde Janusz Korczak 1878 oder 1879 in Warschau; und vor 75
Jahren ist er in den Gaskammern von Treblinka ermordet worden.
Dazwischen liegt ein sehr bewegtes Leben," berichtete Wienands, die
gemeinsam mit Günter Niepel vom Verein gegen das Vergessen e. V. für
den Abend in Schwarzenbach/Saale verantwortlich war.
Korczak entstammte einer jüdischen Familie, er studierte Medizin, kam
im Jahre 1901 in Kontakt mit Straßenkindern und nahm Anteil an ihrem
Schicksal. Als Feldarzt erlebte er den Russisch-Japanischen Krieg der
Jahre 1904 05. Als Kinderarzt besuchte er reiche Familien, die ihn gut
bezahlten; mit diesem Geld kaufte er Medizin für die Kinder der armen
Leute. Gleichzeitig arbeitete er in einem Kinderkrankenhaus im
Warschauer Armenviertel.
Im Jahre 1911 eröffnete er das jüdische Waisenhaus in Warschau. Janusz
Korczak war Arzt, fühlte sich aber auch als verantwortlicher Pädagoge.
Sein Ziel war es, dass alle Kinder in anständigen Verhältnissen
aufwuchsen. Es gab in seinen Heimen saubere Kleider, ausreichend Essen
und ein Bett zum Schlafen. Das Waisenhaus wurde von den Kindern selber
verwaltet. Er schuf ein Kinderparlament und ein Kameradschaftsgericht,
in dem Kinder richten durften. Man konnte zu verschiedenen
„Entschuldigungs-Strafen“ verurteilt werden. Alle Kinder mussten an der
gemeinsamen Arbeit im Waisenhaus teilnehmen. Die Älteren hatten die
Verantwortung für die Jüngeren.
Der Erste Weltkrieg mit all seinen Schrecken, mit seinen Auswirkungen
auf die Zivilbevölkerung und vor allem: mit seinen Auswirkungen auf die
Kinder beeindruckte und bedrückte ihn sehr. Obwohl er wieder als
Divisionsarzt eingesetzt war, ging die Arbeit in den von ihm betreuten
Waisenhäusern in seinem Sinn weiter. Die Waisenhäuser waren voller
Kriegs- und Sozialwaisen; und Korczak kümmerte sich intensiv um die
traumatisierten und einsamen Kinder. Gleichzeitig schrieb er
wissenschaftliche Artikel, Kinderbücher und Romane, er studierte, er
reiste, er traf Gleichgesinnte, er führte Gespräche, er kümmerte sich
um Sponsoren, er lehrte als Dozent der Sonderpädagogik, er arbeitete
als Gutachter bei Gericht. Und: er
entwickelte seine ganz eigene Pädagogik; das bedeutet, er überlegte,
wie er den Kinder gerecht werden
würde, und wie er es ihnen ermöglichen konnte, dass sie ohne elterliche
Geborgenheit selbständig werden können und sich zu demokratisch
geübten, wertorientierten, zuverlässigen, gebildeten und belastbaren
Erwachsenen entwickeln können. Ausgehend von dem Modell einer
Kinder-Republik und orientiert an von ihm postulierten Kinderrechten
beteiligte er Kinder an Entscheidungen, ließ sie planen und
mitsprechen, wenn es um ihren Alltag ging. Janusz Korczak meinte, dass
Kinder eigenständige Personen und nicht nur Anhängsel der Erwachsenen
seien. „Kinder werden nicht erst zu Menschen, sie sind es schon!“
Kindern fehle nur eines: Erfahrung. Deshalb sollen Erwachsene Kinder an
ihren Erfahrung teilnehmen lassen und ihnen den Weg zeigen.
Korczak gab den Kindern als erster Erwachsener eine Stimme. Bereits
1919 forderte er die Erwachsenen auf, Voraussetzungen zu schaffen, dass
Kinder frei und ohne Gewalt aufwachsen können. Er schrieb das erste
Grundrecht für Kinder. Als Anwalt der Kinder verlangte er vor allen
Dingen das Recht auf Achtung. Erst im Jahre 1989 Jahre wurde sein Traum
verwirklicht, als die UN-Vollversammlung die UN-Konvention über die Rechte der Kinder verabschiedete.
Kinder haben das Recht auf Achtung.
Das Recht auf liebevolle Zuwendung.
Das Recht auf eigene Erfahrungen.
Das Recht auf ihren Tag.
Das Recht auf seinen eigenen Tod.
Das Recht, an Entscheidungen beteiligt zu werden.
Jedes Kind hat das Recht, so zu sein, wie es ist.
Nachdem
die Nazis in Polen einmarschiert waren, wurden Korczak, seine
Helferinnen und die Kinder gezwungen, das Waisenhaus zu verlassen und
in das „Warschauer Ghetto“ umzusiedeln. Freunde versuchten, ihn zum
Fliehen zu überreden, alles war schon geplant. Es gab einen Pass, ein
Visum, Fahrkarten... aber umsonst. Korczak weigerte sich, seine Kinder
zu verlassen. Am Morgen des 5. August 1942 - genau 75 Jahre vor diesem
Abend beim "Verein gegen das Vergessen e. V."
hörte man plötzlich laute Schreie im Ghetto „Alle Juden raus!“ An der Spitze des
traurigen Zuges von 200 Kindern ging Janusz Korczak mit dem kleinsten
Kind auf dem Arm, er ließ die Kinder in dieser Situation nicht allein.
Als sie zum „Umschlagplatz“ kamen, warteten schon die leeren Waggons,
die sie nach Treblinka in die Gaskammer transportierten.
Das deutsche Vernichtungslager Treblinka befand sich etwa 100 km von
Warschau entfernt. Es bestand nur etwa ein Jahr; in dieser Zeit wurden
dort etwa eine Million Menschen ermordet und vergraben bzw. verbrannt.
Aus Angst vor der Roten Armee wurde das Lager ab Mitte des Jahres 1943
abgebaut. Dazu gehörte auch, dass man die Massengräber wieder öffnete
und die bereits verwesten Leichen verbrennen ließ, um die Greueltaten
zu vertuschen. Man zwang Gefangene, diese schreckliche Arbeit zu
verrichten. Als die Rote Armee im Jahr 1944 tatsächlich zu dem Stück
Land kam, das einmal Treblinka war, gab es niemanden mehr, den man
befreien konnte.
Diese
geschichtlichen Hintergründe waren Voraussetzung, um die Lesung des
Schauspielers Peter Kampschulte zu verstehen. Er las einfühlsam aus
zwei Büchern die Überlegungen von Korczak selbst: aus "Wie
man ein Kind lieben soll" und "Lieben ohne Illusion". Einige Sequenzen
aus der Korczak-Biografie von Erich Dauzenroth "Ein Leben für Kinder"
gaben preis, wie Korczak von Zeitgenossen wahrgenommen worden war. Den
Abschluss der Lesung bildeten einige Seiten aus Korczaks
beeindruckendem Kinderbuch "König Hänschen der Erste". Die über vierzig
Zuhörerinnen und Zuhörer, die an diesem Abend im Erika-Fuchs-Haus zu
Gast waren, dankten mit viel Applaus für den bewegenden Abend. Barbara
Sabarth, die Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft aus
Bayreuth, hatte ein polnischen Schulbuch mitgebracht, das dem Leben von
Korzcak gewidmet war. Es fand ebenso wie die anderen Bücher an diesem
Abend noch viel Beachtung.
Abschließend dankten die Veranstalter den Verantwortlichen des
Erika-Fuchs-Hauses für den zur Verfügung gestellten Raum, den
Mitarbeitern des Bundesprogramms "Demokratie Leben!" für die
finanzielle Unterstützung des Abends, Peter Kampschulte für die Lesung
und natürlich dem Publikum für die Teilnahme an dieser "Stunde der
Erinnerung".

Das Bild zeigt Peter Kampschulte mit den Büchern.
nanne wienands
Presseberichte



Gedenkgottesdienst in
Schwarzenbach/Saale
Unser ehemaliger Bundespräsident Roman Herzog, er ist kürzlich
verstorben, hat im Jahr 1996 den Gedenktag für die Opfer des
Nationalsozialismus ins Leben gerufen. Alljährlich am 27. Januar, dem
Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die
russische Armee, erinnert in Schwarzenbach/Saale ein ökumenischer
Gottesdienst an diese Zeit - 72 Jahre ist es jetzt her, dass der Zweite
Weltkrieg zu Ende ging. Der "Verein gegen das Vergessen e. V." ist an
der Planung und Organisation des Gottesdienstes beteiligt.
"Wir beginnen mit Schweigen ........" dieses eindrucksvolle Schweigen
griff Pfarrer Wolfram Lehmann in seiner Begrüßung auf. "Was können wir
heute noch tun? Wenig und viel zugleich. Erinnern ist für die Opfer zu
wenig, aber dem Vergessen zu widerstehen ist sehr viel," erklärte er.
In diesem Jahr trugen die Musiker der Schwarzenbacher Klezmergruppe
wohltuend zur Ausgestaltung des Gottesdienstes bei - Gisela Schildbach
mit der Klarinette und mit Gesang, Christine Pickert am Keyboard,
Manfred Martin mit dem Schifferklavier und Stefan Ganzmüller am Bass.
Vier Schülerinnen und Schüler der Geschwister-Scholl-Mittelschule lasen
aus dem Buch "Mama, was ist Auschwitz?" von Annette Wieviorka. Jasmin
Müller, Tatjana Santos, Therese Scholz und Justin Hübel gaben mit den
Texten viele Impulse zum Nachdenken. Warum eigentlich ist Auschwitz das
bekannteste Konzentrationslager? Es wurden einige 1000 Häftlinge
befreit und viele legten später Zeugnis ab über das erlebte Grauen. Und
die Namen Belzec, Treblinka, Sobibor und Majdanek sind relativ
unbekannt - es gab dort nahezu keine Überlebenden.
Das Lied "Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist
das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?" spricht von der
Hoffnung und wurde nach dem Segen von Pfr. Joachim Cibura gesungen.
Anschließend gingen einige Gottesdienstbesucher mit zum Gedenken auf
den Friedhof, wo Nanne Wienands als Sprecherin der VVN-BdA
Hof/Wunsiedel die politisch aktuelle Seite dieses Tages ansprach. Sie
benannte bewusst an den Gräbern der Opfer die Notwendigkeit des
Gedenkens auf der einen Seite, und den Umgang mit den geflüchteten
Menschen auf der anderen Seite als eklatanten Widerspruch.
"Viele
geflüchtete Menschen, auch solche, die bereits völlig integriert bei
uns leben und arbeiten, werden gerade abgeschoben," sagte sie. "Junge
Frauen werden nach dem Dublin-Verfahren nach Italien und in andere
Länder ausgewiesen – in eine ungewisse, gefährliche Zukunft. Dadurch
wird die Belastbarkeit vieler
Flüchtlingshelfer vor allem in Bayern - auf eine harte Probe gestellt:
welchen Sinn haben ihre Anstrengungen?"
Und
weiter betonte sie "Weiß denn Seehofer nicht, dass es in
unserem Land Zeiten gab, in denen Menschen aus unserem Land flüchten
mussten und in größter Not waren, wenn sie keine Papiere und kein
aufnahmebereites Ziel hatten? Ist ihm nicht klar, dass er der
rechtspopulistischen AfD im Wahljahr 2017 in die Hände spielt, wenn er
versucht, sie rechts zu überholen? Nur um deren Ansprüchen zu genügen,
gibt es in Deutschland wieder das Wort `Deportation`. Was für eine
Schande."
Sie
meinte aber auch, dass sich wieder jeder Einzelne klar machen muss, was
er tun kann. "Jede und jeder von uns sollte sich
vornehmen, rassistischen Gedanken und Äußerungen mit seiner eigenen
Meinung zu begegnen. Rassistische Ansichten dürfen nicht als
gesellschaftliche Bestandteile geduldet werden, sie sind undemokratisch
und gefährlich. Genau diese Ansichten waren es, die für die Opfer, die
im Mittelpunkt dieses Gedenktages stehen, zum Verhängnis wurden."
Pressemitteilung
Ökumenischer Gottesdienst in Schwarzenbach/Saale zum
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus
27. Januar 1945. In Auschwitz befreit die russische
Armee das Konzentrationslager der Nazis. Der Zweite Weltkrieg steht vor
seinem Ende, aber die Kapitulation der Deutschen wird noch bis zum 8.
Mai 1945 auf sich warten lassen. In dieser Zeitspanne und auch nach der
Kapitulation verlieren noch Hunderttausende Menschen Leben und Heimat.
72 Jahre ist das her, und der 27. Januar ist seit dem
Jahr 1996 der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.
Alljährlich wird in Schwarzenbach/Saale in der St. Gumbertuskirche an
die Ereignisse erinnert. In diesem Jahr beginnt der Ökumenische
Gottesdienst am Freitag, 27. Januar 2017 um 19 Uhr. Mitwirkende sind in
diesem Jahr Schülerinnen und Schüler der Schwarzenbacher
Geschwister-Scholl-Schule, sowie das Klezmer-Ensemble aus
Schwarzenbach/Saale. Veranstalter sind die evangelische und katholische
Kirchengemeinden, der Verein gegen das Vergessen, der in Schwarzenbach
die Gedenkstätte "Langer Gang" betreut, sowie die VVN-BdA;
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschisten.
Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.
Im Anschluss an den Gottesdienst findet ein kurzes
Gedenken auf dem Schwarzenbacher Friedhof statt.
Frankenpost
erschienen: 18.11.2016

Frankenpost
erschienen: 16.11.2016

Pressebericht


Das Bild zeigt die Besucher mit Bernd F. Henn beim Blick auf das "Tal
des Todes".
Pressebericht
Fahrt nach Flossenbürg
Die
Kälte war mindestens so beeindruckend wie die Ausführungen von Bernd F.
Henn, der die Besucher aus Hof und Schwarzenbach/Saale am vergangenen
Samstag über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers
Flossenbürg führte. Der Verein gegen das Vergessen e. V., der in
Schwarzenbach/Saale die Gedenkstätte "Langer Gang" betreut, hatte zu
dieser Fahrt eingeladen, 2. Vorsitzender Günter Niepel und Nanne
Wienands begleiteten die interessierten Teilnehmer. Die Kälte an diesem
Vormittag erlangte für jeden Einzelnen Bedeutung, als Henn berichtete,
dass die Gefangenen nach der Ankunft im Lager in den Jahren 1938 bis
1945 ohne Kleidung lange Zeit bei minus 25 Grad Celsius auf dem
Appellplatz stehen mussten. Nach einer desinfizierenden Dusche im
Keller der sogenannten Wäscherei mit einerseits zu heißem und dann
wieder eiskaltem Wasser wurden sie wieder hinausgetrieben in die Kälte.
Jede Menschlichkeit ging verloren.
Die Zustände im bald völlig überbelegten Lager waren von Anfang bis
Ende unbeschreiblich chaotisch und unmenschlich, berichtete Bernd. F.
Henn. "Vernichtung durch Arbeit" war das Ziel der Kommandeure; die
Gefangenen mussten im nahegelegenen Granitsteinbruch arbeiten, bei
denkbar schlechter Verpflegung, ohne Schutzvorrichtungen, ohne
medizinische Versorgung, ohne Werkzeuge. Die Grausamkeiten der
eingesetzten "Kapos" war sprichwörtlich. Und es kamen immer neue
Gefangene ins Lager Flossenbürg, dessen Errichtung von den Nazis
gezielt geplant worden war. Geschickt hatte man die Bevölkerung des
Ortes von den Vorteilen eines Lagers überzeugt. Die Randlage und die
Granitsteinbrüche bedeuteten für die SS leichtes Spiel: der Bevölkerung
versprachen sie Arbeitsplätze, und in dieser abgelegenen Gegend
befürchteten sie keinerlei Proteste. Flossenbürg wurde zum
Verwaltungsstandort für eine Vielzahl von Außenlagern. Im
Jahr 1943 wurden die Aufgaben für die Zwangsarbeiter und Häftlinge
geändert: die Rüstungsindustrie wurde gestärkt. In Flossenbürg baute
die Firma Messerschmidt eine Fertigungshalle für Kampfflugzeuge; mehr
als 5000 Menschen arbeiteten gegen Kriegsende dort. Bis zur Befreiung
durch die Amerikaner im April 1945 kamen in Flossenbürg mindestens
30.000 Menschen ums Leben. Anfangs wurden die Toten mit LKW`s in das
Krematorium nach Selb transportiert. Als es immer mehr wurden, baute
man eine eigene Verbrennungsstätte.
Als der Einmarsch der Amerikaner bevorstand, schickte die Lagerleitung
die Häftlinge zu Fuß und in offenen Viehwaggons Richtung Süden, nach
Dachau und Österreich. Diese "Todesmärsche" dienten offenbar dazu, die
Menge der Gefangenen zu dezimieren. Die Überlebenden berichteten, dass
es an jeden Tag im Lager und auf den Todesmärschen um das nackte
Überleben ging. Da diese Transporte und Märsche von allen Lagern
weggetrieben wurden, kamen in Flossenbürg auch nach der Kapitulation
der Deutschen immer wieder Gruppen aus nördlich und östlich liegenden
Lagern an.
Nach 1945 wurde das Lager weitergenutzt, z. B. für russische und
polnische ehemalige Kriegsgefangene, die nicht mehr nach Hause
zurückkehren konnten; weil sie dort für ihre vermeintliche Arbeit für
die Deutschen bedroht wurden. Überlebende der Todesmärsche kamen hier
notdürftig unter, aber auch für Vertriebene aus der damaligen
Tschechoslowakei bot sich hier Unterkunft, wenn auch für alle unter
verheerenden Umständen. Von diesen ersten Bewohnern im Frieden wurde
die erste Kapelle auf dem KZ-Gelände gebaut zur Erinnerung an das viele
Leid und die vielen Opfer. Große Teile des Geländes wurden überbaut,
nur ein kleiner Teil wurde bereits 1946 zur KZ-Gedenkstätte erklärt.
Viele Opfer aus ganz Bayern wurden umgebettet, so dass Flossenbürg
heute als ein großer Friedhof verstanden werden muss.
Erst Jahrzehnte nach der Befreiung wurde die Erinnerungskultur
weiterentwickelt. Man spricht von einem europäischen Erinnerungsort,
weil hier Menschen aus ganz Europa gefangen gehalten und gequält worden
waren. Mit Dr. Jörg Skriebleit hat die Gedenkstätte einen Leiter, der
mit viel Respekt und Einfühlungsvermögen, Sachverstand und Engagement
diesen dunklen Punkt deutscher Geschichte mit Leben füllt. Für die
interessanten Ausstellungen und die aufklärenden Filmbeiträge ist er
mit seinen Mitarbeitern bereits ausgezeichnet worden.
Die Fahrt nach Flossenbürg wurde möglich durch die finanzielle
Unterstützung des Bundesprogramms "Demokratie leben!".
Das Bild zeigt die Besucher mit Bernd F. Henn beim Blick auf
das "Tal des Todes".
Mit herzlichen Grüßen,
nanne wienands
Eine Aufnahme
von Ester Bejarano in Bamberg
https://www.tvo.de/mediathek/video/bamberg-auschwitz-ueberlebende-gibt-konzert/
Frankenpost
erschienen: 07.03.2016 00:00 Uhr
zuletzt bearbeitet: 07.03.2016 08:48 Uhr
Für Freiheit, Wahrheit,
Frieden
Die 91-jährige
Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano spricht in Hof über ihr Leben.
Mit der Mikrophone Mafia singt sie mehrsprachig gegen das Vergessen an.
Von Christine Wild
Esther Bejarano und ihr
Sohn Joram
am E-Bass mit der
Kölner Mikrophone Mafia auf der Bühne
des Hauses der Jugend in Hof. Foto: Jochen Bake
Hof
-
Ganz ruhig, mit friedlich-ausgeglichenem Gesichtsausdruck betritt
Esther Bejarano am Freitag die Bühne im Hofer Haus der Jugend, die bis
zuvor Lena Kropp mit drei so witzig-unterhaltsamen wie tiefgründigen
Poetry-Slam-Texten ausgefüllt hat. Bejarano nimmt Platz am Lesetisch,
setzt ihre Brille auf und beginnt schnörkellos, ohne jegliches
Vorgeplänkel mit ihrer Lesung.
Dabei
kommt sie bereits mit dem ersten Wort auf den Kern ihrer schlimmen
Geschichte zu sprechen: "Auschwitz." Schon ist die 91-Jährige
mittendrin in ihrer Geschichte; der Geschichte einer starken Frau, die
das Vernichtungslager überlebt hat: Einer Frau, die mit 91 Jahren einen
mit Menschen verschiedenster Nationalitäten, Altersgruppen, Religionen
und sozialer Schichten vollgestopften Saal derart zu fesseln vermag,
dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Eine Frau, die trotz
allem kein bisschen verbittert wirkt, sondern voll Idealismus und
Lebensfreude gegen Krieg, Fremdenfeindlichkeit und Verdrängung kämpft.
Am
20. April 1943 wurde sie nach Auschwitz deportiert. Von "der berühmten
Rampe" erzählt sie, von Untersuchungen durch den berüchtigten Arzt Dr.
Josef Mengele und von der Nummer 41 948, die ihr auf den linken Arm
tätowiert wurde. "Namen wurden abgeschafft, wir waren nur noch
Nummern." Als das Mädchenorchester im KZ Auschwitz entsteht, meldet sie
sich als Akkordeonspielerin. "Ich hatte nie zuvor ein Akkordeon in der
Hand. Ich musste alles versuchen, um nicht mehr Steine schleppen zu
müssen. Die Leiterin befahl mir, den deutschen Schlager ,Du hast Glück
bei den Frauen, Bel Ami' zu spielen. Ich kannte diesen Schlager, bat
sie um ein paar Minuten Geduld, um mich wieder einzuspielen. Es war wie
ein Wunder. Ich spielte den Schlager sogar mit Akkordbegleitung und
wurde gemeinsam mit zwei Freundinnen in das Orchester aufgenommen."
Das
Orchester muss zum täglichen Marsch der Arbeitskolonnen durch das
Lagertor spielen. "Aber es kam noch schlimmer. Die SS befahl uns, am
Tor zu stehen und zu spielen, wenn neue Transporte ankamen in Zügen, in
denen unzählige jüdische Menschen aus allen Teilen Europas saßen; sie
fuhren auf jenen Gleisen, die bis zu den Gaskammern verlegt wurden, und
sie wurden alle vergast. Mit Tränen in den Augen spielten wir. Wir
hätten uns nicht dagegen wehren können, denn hinter uns standen die
SS-Schergen mit ihren Gewehren. Es war eine schreckliche psychische
Belastung."
Aufgrund
ihrer halb-arischen Abstammung wird sie später ins KZ Ravensbrück
verlegt. "Ich sah es geradezu als meine Pflicht an, rauszukommen, damit
ich später den Menschen erklären konnte, was uns angetan wurde",
erinnert sich Esther Bejarano. Auf einem der Todesmärsche von
KZ-Häftlinge kann sie Ende April 1945 zusammen mit sechs Freundinnen
fliehen und erlebt am 3. Mai 1945 die Befreiung in Lübz, wo - umrahmt
von ihrem Akkordeon-Spiel - ein Hitler-Bild auf dem Marktplatz
verbrannt wird. "Dieses Bild werde ich nie vergessen. Das war meine
Befreiung vom Hitler-Faschismus. Und es war nicht nur meine Befreiung -
es war meine zweite Geburt!", schließt die 91jährige.
Doch
nach den 40 Lesungsminuten verlässt sie nicht etwa die Bühne, sondern
holt ihren Sohn Joram am E-Bass sowie deutsch-türkisch-italienische
Microphone Mafia auf die Bühne. Mit coolem Groove rappen die Kölner
Musiker sofort los, begehren auf gegen Rechtsextremismus, Krieg und
Fremdenfeindlichkeit. In den Refrains stimmt Ester Bejarano mit ein,
mal auf Hebräisch oder Jiddisch, mal auf Türkisch, Neapolitanisch oder
Französisch. Sie verbindet den Rap mit wunderschönen, traditionellen
Melodien und der Forderung nach Freiheit, Wahrheit und Frieden - und
sorgt im Publikum nicht nur für jubelnde Begeisterung, sondern auch für
Gänsehaut: Sie treibt den Zuhörern über zwei Stunden lang immer wieder
Tränen in die Augen.
Es war eine schreckliche psychische
Belastung.
Esther
Bejarano über ihr Mitwirken im Mädchenorchester des KZ Auschwitz
Pressebericht
"verlegt, vergast, vergiftet, verhungert"

Die Bilder zeigen
- die Literatur zum Thema, Autor Dr. Norbert Aas

- Dr. Aas bei seinem Vortrag in Schwarzenbach/Saale
Ein
freundlicher älterer Herr hält einen Vortrag und entschuldigt sich ein
ums andere Mal für seine "zu alltäglichen" Ausdrücke. Zu salopp, zu
alltagssprachlich muss man umgehen mit den Begriffen rund um das Thema
"Euthanasie im Dritten Reich", sonst erträgt man die Schwere der Fakten
nicht. Die über zwanzig Zuhörer schweigen und verstehen, tief betroffen
von den menschlichen Abgründen, die sich auftun, wenn man den
Ausführungen des Bayreuther Historikers Dr. Norbert Aas folgt. "Kaum zu
ertragen," lautete das Fazit am Ende der Diskussion.
Der Verein gegen das Vergessen e. V. hatte ihn zu diesem Vortrag
eingeladen, um daran zu erinnern, dass die Gedenkstätte "Langer Gang"
in Schwarzenbach/Saale seit elf Jahren besteht. Wie
vielfältig die Erinnerungsarbeit ist, wird damit ein weiteres Mal
überdeutlich.
"Euthanasie", so betont der Referent eingangs, "heißt eigentlich `guter
Tod`." Historisch gesehen kam die Absicht, unwertes Leben zu vernichten
aus der Tatsache, dass viele starke und gute Menschen auf den
Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges geblieben waren. Die neuen
Machthaber wollten wieder ein "gesundes" Volk, und man wollte es
züchten. Dazu kam die Kostenrechnung, die besagte, dass die
Volksgemeinschaft für Betreuung und Pflege von Menschen mit
Behinderungen viel - zuviel - Geld aufbringen musste. Leicht zu
durchschauen, dass das Nazi-Regime dieses Geld lieber für
Kriegsvorbereitungen ausgeben wollte. Sogar in Schulbüchern und
Ratgebern für Mütter wurde darauf hingewiesen, und so wurde das ganze
Volk eingestimmt auf ein fürchterliches und perfekt organisiertes
Verbrechen. Mit einem hinterhältig geschickt formulierten Hinweis gab
Hitler den Auftrag zu einem möglichen "Gnadentod" an die Verwaltung und
die Ärzte weiter.
Aus ganz Deutschland und Österreich, aus den Konzentrationslagern und
direkt aus den Dörfern und Städten wurden daraufhin Menschen mit
körperlichen, geistigen und psychischen Problemen erfasst und
"euthanasiert". Unauffällig gelegene Gebäude wurden zu diesen Zwecken
umgebaut, Gaskammern und Krematorien wurden geschaffen.
Rasch gingen die Nazis daran, durchorganisiert und mit klaren Absichten
sogenanntes "unwertes Leben" zu vernichten, und die Leichen zu
verbrennen. Dazu gehörte auch die geplante Irreführung der Angehörigen
über Verlegungen zur "besseren Betreuung", über die Todesursache und
den Zeitpunkt des Todes. Es wurden fiktive Standesämter erfunden und
Trostbriefe an die Eltern und Geschwister geschrieben.
Als das Treiben der Öffentlichkeit auffiel und die Gerüchte nicht mehr
zu überhören waren, wurde die aktive Euthanasie "verboten". Man ging
dazu über, die Menschen direkt in den Einrichtungen, in denen sie
betreut worden waren, verhungern zu lassen, sie mit Überdosen von
Medikamenten totzuspritzen oder ihre akuten Erkrankungen nicht zu
behandeln. Dass man diejenigen, deren Arbeitskraft noch benötigt wurde,
zwangsweise sterilisierte, ist ein weiterer Auswuchs der Eugenik.
Dr. Norbert Aas durchforschte u. a. das Archiv der Heil- und
Pflegeanstalt in Bayreuth. Er greift in seinem Vortrag einige
berührende Einzelschicksale heraus. Zehn Jahre lang ging er den Namen
von Menschen nach, die in Schloß Hartheim bei Linz umgebracht worden
waren. Akribisch sind Listen geführt worden, nicht alle wurden
vernichtet. Auch in Hartheim hat die Erinnerungsarbeit - wie überall -
erst Jahrzehnte nach dem verbrecherischen Unrecht begonnen. Und immer
noch stößt der Historiker auf neue Fakten.
Ein Teil der Menschen, an die in den Gedenkstätten erinnert wird,
hatten ihre Heimat in Oberfranken. Sie wurden in den Heil- und
Pflegeanstalten Kutzenberg, Bayreuth, Ansbach, Himmelkron oder
Neuendettelsau betreut. Die mörderische Aktion, kurz "T 4" genannt, -
in Berlin, Tiergartenstr. 4 befand sich die Verwaltung - machte nicht
vor kleinen Kindern Halt, nicht vor Greisen, nicht vor Künstlerinnen
und Künstlern, auch nicht vor ehemaligen Soldaten, die psychisch oder
körperlich behindert aus dem Krieg heimgekommen waren.
Schloss
Hartheim, Haus Sonnenstein bei Pirna, Hadamar, Bernburg und Grafeneck
sind heute Gedenkstätten. Geschätzt siebzigtausend Menschen wurden hier
umgebracht, jung und alt. Die meisten Täter und Helfer kamen ungestraft
davon, einige wenige setzten ihrem Leben selbst ein Ende.
Die Menschen, die zum Beispiel in dem Dorf Hartheim Widerstand
leisteten und mit Handzetteln Aufklärung forderten, waren dagegen rasch
denunziert, angeklagt und hingerichtet worden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4
http://www.ns-euthanasie.de/index.php/gedenkstaetten
Verein gegen das Vergessen

Das Bild zeigt Günter Niepel bei der kurzen Ansprache vor der
Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach/Saale.
Pressebericht Nanne Wienands,
70 Jahre ist es her, dass 1170 Frauen und Mädchen aus dem KZ
Helmbrechts kommend durch unsere Stadt zogen. Bei eisigen Temperaturen
mussten sie in zwei Gärten übernachten. Am nächsten Morgen, am 14.
April 1945 waren sechs von ihnen nicht mehr am Leben.
"Umkehr" hieß daher eine Aktion, die in der katholischen St.
Franziskuskirche mit einer Andacht von Pfr. Joachim Cibura ihren Anfang
nahm. Etwa 60 Schwarzenbacher Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich
daran. Man ging schweigend den Weg zurück, den die Frauen damals
gekommen waren, von der Gedenkstätte "Langer Gang" in der Bahnhofstraße
bis zur Förbauer Kirche, in der Pfr. Daniel Lunk abschließend die
Folgen des grausamen Tuns und die vielfach unterlassene Hilfe mit
Bibelworten belegte und dazu aufrief, es nicht mehr zu solchem Unrecht
kommen zu lassen.
Die über 1000 Frauen, die sicher nicht unbemerkt durch unsere Stadt
gezogen waren, hatten noch einen weiten Weg vor sich. Bis Volary im
heutigen Tschechien ging der Todesmarsch; es ist anzunehmen, dass die
Vernichtung des Lebens erstes Ziel dieses Marsches war. Während des
Marsches starben Hunderte der Frauen, viele wurden erschossen. Auch
nach der Befreiung durch die US-Soldaten Anfang Mai 1945 starben noch
95 Frauen an Entkräftung und Krankheiten. Sie sind in Volary begraben.
"Diese Ereignisse werden unsere Städte auf immer verbinden," meinte
Günter Niepel, Schwarzenbacher Stadtrat und 2. Vorsitzender des Vereins
gegen das Vergessen vor der Gedenkstätte "Langer Gang", bei dem Blumen
zum Gedenken an die geschundenen Frauen standen.
Frankenpost
erschienen 16.04.2015
Schicksale, die verbinden
Nach dem Todesmarsch 1945 nach Volary war Walter
Schlosser
aus Helmbrechts ein Architekt der
Versöhnung. Und auch Alt-Bürgermeister Manfred Mutterer hat
bewegende Momente erlebt.
weiterlesen>
Von Werner Bußler erschienen am
15.04.2015
So viele Menschen wie noch nie gedenken in
Helmbrechts
des Todesmarsches im Jahr 1945. Auch eine Delegation
aus
Volary, wo der Todesmarsch von den Amerikanern
gestoppt wurde, nimmt teil.
weiterlesen>
Die Toten dem Vergessen entreißen
Pressebericht
Ökumenischer Gottesdienst zum Tag der Opfer des Nationalsozialismus

Dieselben
Worte, dieselben Lieder. Für das Gottesdienstteam ist längst zum Ritual
geworden, was die Besucher wohltuend empfinden - es tut gut. Es tut
gut, sich miteinander an diesem Tag, dem 27. Januar 2015, dem Gedenktag
für die Opfer des Faschismus, dem diesmal 70. Jahrestag der Befreiung
des Konzentrationslager Auschwitz durch Soldaten der Roten Armee, mit
dem Geschehenen auseinanderzusetzen.
2006
hat dieser Gottesdienst erstmals stattgefunden. Zum zehnten Mal ertönte
vergangene Woche zum Abschluss das Lied vom wiedererblühten
Mandelzweig. Der Organisatonskreis, bestehend aus evangelischen und
katholischen Gemeindemitgliedern, Pfr. Daniel Lunk und Pfr. Joachim
Cibura, Vertretern des Vereins gegen das Vergessen und der VVN-BdA
Hof-Wunsiedel findet aber auch seit zehn Jahren immer wieder einen
neuen Impuls für diese Stunde.
Nach Lesung und Liturgie konnten die Besucher des Gottesdienstes
diesmal einer Fachfrau lauschen, die die sachliche Seite eines Traumas
beschrieb. Schwester Edith Schmidt von der Christusbruderschaft Selbitz
ist Diplom-Psychologin. "Ein Trauma bedeutet das Erleben einer
Extremsituation, die alle bisherigen Bewältigungsmöglichkeiten eines
Menschen übersteigt. Sein Vertrauen ins Leben und in andere Menschen
wird grundlegend erschüttert“, erläuterte sie. Das kann ein Unfall
sein, ein Schicksalsschlag oder - und das kennzeichnete sie als
besonders belastend und schwerwiegend - die Erfahrung von körperlicher
Gewalt oder gezielter Entwürdigung durch andere Menschen, etwa eine
Gefangennahme oder Folter. Bestimmte Reaktionsmöglichkeiten werden
häufig beobachtet: das Wiedererleben der traumatischen Ereignisse,
verursacht etwa durch eine bestimmte Situation, ein Wort, einen Geruch;
die Vermeidung bestimmter Situationen - man geht z. B. nicht mehr in
einen Keller, die Unfähigkeit, von dem Erlebten zu sprechen, und als
weitere Reaktion die Übererregbarkeit im Sinne von z. B.
Schlaflosigkeit, Gefühlsausbrüchen, vordergründig unbegründbaren
Affekten. Schwester Edith brachte diese theoretische Beschreibung in
Zusammenhang mit den Opfern in den Konzentrationslagern, aber auch mit
den heute in Deutschland ankommenden Flüchtlingen. "Die sogenannte
posttraumatische Belastungsstörung als Folge der erlebten Traumata
kollidiert dann hier mit den Anforderungen des Asylverfahrens,"
erklärte sie, "denn die Flüchtlinge sind verpflichtet, alle
Informationen, die zu ihrem Asylantrag gehören, umfassend und
detailliert einer fremden Person zu berichten, oft noch mit einem
Übersetzer, von dem man nicht weiß, ob er genau übersetzt, was man
ausdrücken will." Konkrete Beispiele veranschaulichen ihre
Ausführungen.
Im Anschluss an den Gottesdienst beteiligten sich viele Besucher an dem
Fackelzug durch den Friedhof zu den Gräbern der Opfer aus dem Jahr
1945. Nanne Wienands, Vorsitzende der VVN-BdA Hof-Wunsiedel, berichtete
vom Einsatz der Schwarzenbacher Stadträte vor 50 Jahren, die erreicht
hätten, dass diese Toten nicht nach Flossenbürg umgebettet wurden wie
über 5000 andere aus ganz Bayern. "Die Stadträte wollten diese
Gräber als Gedenkstätte zur Bewusstseinbildung für die Bevölkerung
behalten, und wir sind heute dankbar dafür."
Wienands wies auf das neu erschienene Buch von Dr. Hans
Brenner hin "Todesmärsche und Todestransporte", in dem auch der
Schwarzenbacher Todesmarsch erwähnt sei. Dieses Buch mache deutlich,
wie viele Menschen am Ende des Krieges noch kreuz und quer durch ganz
Europa getrieben wurden. Die Fußmärsche und die Transporte bedeuteten
für viele Menschen das Todesurteil. Dass es auch anders hätte gehen
können, habe im November 2014 der Historiker Ulrich Fritz bei einem
Vortrag in Schwarzenbach berichtet. "In Mehltheuer bei Plauen übergab
Lagerkommandant Fischer am 16. April 1945 die Häftlinge an die
befreienden amerikanischen Truppen, alle Frauen überlebten die letzten
Kriegstage. Genauso wie die Frauen in Helmbrechts hatten sie für die
Rüstung arbeiten müssen. Mögen sie alle nicht vergessen werden."
Zehn Jahre Gedenkstätte "Langer Gang"
in Schwarzenbach/Saale
Mit einer vielseitigen Veranstaltungsreihe stellt der "Verein gegen das
Vergessen" das zehnjährige Bestehen der Gedenkstätte "Langer Gang" in
Schwarzenbach/Saale in den Mittelpunkt.
Frankenpost
erschienen: 21.11.2014
Auch die Kunst starb im KZ
Der "Lange Gang" feiert
sein zehnjähriges Bestehen. Dabei geht es einen Abend lang um das,
was mit den
Menschen unter den Nazis starb: die Kultur.
Schwarzenbach
an der Saale -
"Die Nazis haben mehr ausgelöscht als Leben." Dieser Satz beschreibt
die zentrale Aussage des Abends, zu dem der Verein gegen das Vergessen
die Schauspielerin und Diseuse Gerti Baumgärtel aus Gattendorf
engagiert hatte. Es galt, das zehnjährige Bestehen der Gedenkstätte
"Langer Gang" hervorzuheben, und der Abend war das musikalische
Glanzstück der Veranstaltungsreihe, die der Verein auf die Beine
gestellt hatte.
Gerti Baumgärtel erläuterte die Gedichte und Lieder
und ging im richtigen Maß auf die geschichtlichen Begebenheiten und die
individuellen und menschlichen Reaktionen darauf ein. "Das Ausland
reagierte oft mit Unverstand und Desinteresse", sagte sie, und "der
Humor diente als Mittel, um Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu
überstehen". Baumgärtel zwingt ihr Publikum zur Differenzierung
zwischen Durchhaltekabarett und Resignationsbewältigung. Sie singt wie
Zarah Leander und Lale Andersen, die beide zur "Unterstützung der
Truppen" von den Nazis engagiert wurden, und eindeutig zweideutige
Texte sangen. Sie spricht wie Dietrich Bonhoeffer; er fragte schon
1941: "Sind wir noch brauchbar? Durch Konflikte sind wir mürbe oder
zynisch geworden" und Leo Straus: "Ich kenn ein kleines Städtchen, ein
Städtchen ganz tiptop, Ich nenn es nicht beim Namen, Ich nenn's die
Stadt Als-ob". Bonhoeffer wurde am 9. April 1945 in Flossenbürg
stranguliert, Straus wurde 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz
deportiert und dort ermordet. Für die Ohren der Nachkriegsgeneration
gibt es viele bekannte Melodien, manchmal hört man nicht nur die
hervorragend einfühlsame Klavierbegleitung von Martin Greim, sondern
auch das Summen des Publikums.
Anekdoten am laufenden Band gibt es, und bei fast
allen bleibt einem das Lachen im Halse stecken, macht man sich klar, in
welche gefährliche Lage sich die Künstler brachten - etwa der berühmte
Weiß Ferdl, der 1938 bei einer geschlossenen Veranstaltung der NSDAP
über das Schicksal der Juden sprach.
Das Gesagte wurde so verklausuliert, dass die
Machthaber gar nicht verstanden, was der Künstler zum Ausdruck brachte.
So war der Kommandant von Auschwitz, Rudolf Höß, sehr angetan von einem
Marsch, der sich heute erschreckend eindeutig anhört. Von Wien aus
wurde Hermann Leopoldi nach Dachau, Buchenwald und Auschwitz
verschleppt und hat nie aufgehört zu komponieren. Flüsterwitze machten
die Runde "Paul: Was gibt es für neue Witze? Emil: Sechs Monate Dachau."
Zahllose Namen wurden genannt an diesem Abend. Fritz
Grünbaum, Erich Kálmán, Ilse Weber, Wolfgang Borchert (weil er Goebbels
parodiert hatte, saß er in Moabit ein), Bobby John, Karel Svenk, Erich
Kästner, Hans Albers, Werner Finck, Oskar Paulig, Erich Weinert, Walter
Lindenbaum, Ludwig Hift, Walter Steiner, Maria Thomaschke, Rudolf
Skutajan - es nahm kein Ende.
"Die Nazis haben mehr ausgelöscht als Leben", Kultur,
Bildung, das Theater, die Dichtung, die Musik - alles zerbrach unter
dem Hass der Nazis. Gerti Baumgärtel brachte viel in Bewegung an diesem
Abend. Ihr nachdenklich gewordenes Publikum dankte ihr und dem
einfühlsam spielenden Pianisten Martin Greim mit viel Applaus.
Humor
diente als Mittel, um Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu überstehen.
Gerti Baumgärtel
Frankenpost
erschienen: 19.11.2014
Erinnerung an die Todesmärsche
Am Kriegsende 1945 trieben Aufseherinnen wehr- und
schutzlose Frauen von Helmbrechts nach Böhmen. Die Gedenkstätte
Langer Gang erinnert an deren Leiden und Sterben.

Schwarzenbach
an der Saale -
Ein schwieriges Thema hatten sich Referent und Publikum bei der
vorletzten Veranstaltung des Vereins gegen das Vergessen vorgenommen:
Beim zehnten Jubiläum der Gedenkstätte "Langer Gang" in Schwarzenbach
an der Saale ging es um die Todesmärsche im Frühjahr 1945, speziell um
den Marsch von Helmbrechts Richtung Böhmen. Konzentrationslager wurden
aufgelöst, die russischen und amerikanischen Soldaten sollten nichts
mehr finden.
Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten, verantwortlich
für Dachau und Flossenbürg, bearbeitet auch das Projekt "KZ-Außenlager
in Bayern". Damit befasst sich der Historiker Ulrich Fritz. Er hatte
einprägsame Fotos mitgebracht, die sowohl einen Überblick über die
Lager und Nebenlager gaben als auch Details hervorhoben.
Das Konzentrationslager Flossenbürg hatte 80 bis 90
Außenlager. Außenlager wurden eingerichtet, weil kriegswichtige
Betriebe Arbeiter brauchten. Dazu zählten auch Porzellan- und
Textilfabriken und Mineralwasser-Abfüllanlagen, später hauptsächlich
Rüstungsbetriebe. Helmbrechts war ein spät eingerichtetes Lager, und
die Verhältnisse müssen schrecklich gewesen sein, wie der Historiker
berichtete. Auch deswegen kam es zu einigen Fluchtversuchen.
"Die Versorgung war eine Katastrophe, und für die
geringsten Vergehen gab es drakonische Strafen für die Frauen",
erklärte Ulrich Fritz. Im Zweischichtbetrieb mussten die Frauen jeweils
zwölf Stunden arbeiten. Vier Mal täglich marschierten Häftlingskolonnen
durch Helmbrechts. Den Häftlingsnummernbücher kann man entnehmen, dass
viele Frauen innerhalb kurzer Zeit starben, vor allem als 600 Jüdinnen
nach Helmbrechts kamen, die bereits einen Todesmarsch überlebt hatten.
Am 13. April 1945 begann der Kommandant Alois Dörr mit der Räumung des
Lagers Helmbrechts. Die Amerikaner standen nur 50 Kilometer entfernt.
Am ersten Tag des Marsches wurden zehn Frauen ermordet, sechs
überlebten die kalte Nacht in Schwarzenbach an der Saale nicht. Drei
Wochen waren die Frauen unterwegs, bis sie in Volary im heutigen
Tschechien von den Amerikanern befreit wurden. Zahlreiche sind auf dem
Marsch umgekommen, noch nach der Befreiung starben viele an Entkräftung.
Auf
493 Friedhöfen
Dass dieser Todesmarsch so gut dokumentiert ist,
liegt an dem Prozess gegen den Lagerkommandanten Dörr. Der damalige
Helmbrechtser Schüler Klaus Rauh hat das Geschehen Anfang der
1980-Jahren in einer Facharbeit dokumentiert. Hilfreich bei der
Rekonstruktion der Ereignisse waren die Fragebögen des Internationalen
Suchdienstes mit dem Archiv in Bad Arolsen. Auf der Grundlage dieser
Erhebungen wurden auch die zahllosen Anfragen von Angehörigen
bearbeitet, die auf der Suche nach den inhaftierten Opfern waren. Um
die Dimension dieser Aufgabe zu begreifen, nannte Ulrich Fritz eine
erschütternde Zahl: Allein aus dem KZ Buchenwald bei Weimar waren 48
000 Häftlinge auf Todesmärsche geschickt worden. Etwa die Hälfte von
ihnen kam zu Tode. Bis Ende der 1950er-Jahre gab es in Bayern 493 KZ-
und Fremdarbeiter-Friedhöfe mit den Gräbern zahlloser Opfer.
In Schwarzenbach an der Saale gab es zwölf Gräber mit
KZ-Opfern und eine Reihe Gräber von Fremdarbeitern. Bereits 1953 plante
der Schwarzenbacher Stadtrat eine Gedenkstätte bei einem Massengrab auf
dem Friedhof; bis heute steht ein großes Holzkreuz an der Gräberreihe.
Erst 1961 begannen die Ermittlungen gegen Alois Dörr. Er wurde in Hof
zu lebenslanger Haft verurteilt, aber bereits 1979 begnadigt - vom
baden-württembergischen Ministerpräsidenten Hans Karl Filbinger, auf
Anregung des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel.
"Ein Anliegen des Freistaats Bayern war es", sagte
Ulrich Fritz, "die zahllosen verstreut liegenden Gräber von Opfern in
Flossenbürg zusammenzuführen." Dagegen wehrte sich die Stadt
Schwarzenbach an der Saale nachhaltig. 50 Jahre alt ist ein Schreiben,
aus dem Ulrich Fritz zitiert. Darin spricht sich der Schwarzenbacher
Stadtrat dafür aus, die "lieben Toten" als Bewusstseinsbildung für die
Bevölkerung auf dem Schwarzenbacher Friedhof zu belassen. Aus heutiger
Sicht eine äußerst sinnvolle Maßnahme, denn die 5000 Gräber in
Flossenbürg haben sich inzwischen in eine parkähnliche Anlage
verwandelt; die Verbindung zu den Herkunftsorten ist verloren gegangen.
"Was bleibt?", fragte Ulrich Fritz. Und gab die
Antwort selbst: "Die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschehnisse,
Friedhöfe und Gedenkstätten wie der ,Lange Gang' in Schwarzenbach an
der Saale und die unbedingt notwendige Erinnerungsarbeit an das Unrecht
und die Quälereien, die den Menschen angetan wurden."
In der Diskussion nach dem Vortrag zeigt sich das
Publikum betroffen und fachkundig. Einige Anwesenden berichten von
Erzählungen der Großeltern und Eltern, von eigenen Erinnerungen und
Erlebnissen. Literatur gibt es zuhauf, sie zu verstehen und zu
interpretieren ist mithilfe des Fachmanns Ulrich Fritz leichter, aber
das wäre einen weiteren Abend mit ihm wert.
Chaotische
Zustände
Intensiv gehen Historiker der Frage nach, warum die
Todesmärsche durchgeführt wurden. Häufig gab es keine Befehle mehr; die
Opfer hätten auch freigelassen werden können. Ulrich Fritz nannte
Gründe, unter anderem die Vorhaltung von Arbeitskräften für die
Nachkriegszeit, die Reduzierung der aussagefähigen Opfer oder auch die
Absicht des Aufsichtspersonals, die eigene Haut zu retten. Sicher ist,
dass damals unglaublich viele Menschen unterwegs waren und chaotische
Zustände herrschten. Die Order von Himmler "Kein Häftling darf lebend
den Amerikanern in die Hände fallen!" mag eine Rolle gespielt haben,
möglicherweise auch die nicht zu stoppende Vernichtungsmaschinerie, die
sich verselbstständigt hatte. Klaus Rauh war es, der ergänzend
hinzufügte, dass auch die pure Lust am Töten eine Rolle gespielt haben
dürfte - sei doch nachweisbar, dass sich etliche Aufseherinnen in
Helmbrechts Waffen besorgt hatten, obwohl es gar keinen Tötungsbefehl
gab. Dass es auch anders ging, beweisen dagegen die Vorgänge in
Mehltheuer bei Plauen: Hier übergab der Kommandant des Außenlagers die
Häftlinge den Amerikanern.
Das Jubiläum "Zehn Jahre Langer Gang" gab den Rahmen
für diesen Abend, dessen Thema man sicher in einigen Jahren noch
genauer wird erfassen können.
Die
Versorgung war eine Katastrophe, und für die geringsten Vergehen gab es
drakonische Strafen.
Historiker Ulrich Fritz über die
Bedingungen im KZ-Außenlager Helmbrechts
Frankenpost
erschienen: 10.11.2014

Pressebericht
vom 10.11.2014
von Werner
Bußler
Erinnerung an Pogromnacht

In einer Feierstunde
gedenken die Bürger der furchtbaren Ereignisse vom 9. November 1938. In
Helmbrechts legen
sie Blumen am Mahnmal im
Friedhof nieder.
Helmbrechts
-
Trotz aller Freude über den 9. November vor 25 Jahren, als dank einer
friedlichen Revolution sich eine Grenze öffnete, die Landsleute lange
trennte, sollten die Deutschen die Ereignisse vom 9. November 1938, die
zu den traurigsten Kapiteln der Geschichte zählen, keinesfalls
vergessen: In der sogenannten Reichskristallnacht mobilisierte
Reichspropagandaminister Goebbels von der NSDAP Schergen der SA, die im
ganzen Land 191 Synagogen in Flammen aufgingen ließen und weitere 76
jüdische Gotteshäuser demolierten. Die Gewalttäter plünderten und
zerstörten Geschäfte und Einrichtungen, die Bürger jüdischen Glaubens
gehörten. Zehntausende Menschen verschleppten die Nazis in
Konzentrationslager, viele von ihnen fanden dort einen grausamen Tod.
Den Opfern der Pogromnacht wird jährlich in Helmbrecht eine
Gedenkstunde gewidmet. Seit 1995 trifft man sich dazu am Mahnmal im
Friedhof, das an den Todesmarsch jüdischer Frauen von der
KZ-Außenstelle Helmbrechts ins tschechische Volary erinnert.
Bürgermeister Stefan Pöhlmann, Diakon Holger Goller
von der evangelischen Kirchengemeinde, und Regina Scholz aus Oberkotzau
als Vertreterin der Initiativen "Gegen Rechtsextremismus und
Ausländerfeindlichkeit" sowie "Gegen das Vergessen der Verfolgten des
Naziregimes", gedachten auch heuer der Opfer eines menschenfeindlichen
Regimes. Auf dieses Geschehen müsse die heutige Generation aufmerksam
gemacht werden, um ihr nahezubringen, zu welchem Hass und zu welchen
Handlungen gegen die Humanität Menschen fähig sind, betonten die
Redner. "Damit wollen wir für Toleranz und Menschenwürde werben", sagte
Stefan Pöhlmann. Mit den Worten: "Gerade, damit solche Untaten nicht
mehr vorkommen, ist es wichtig, die Erinnerung daran
aufrechtzuerhalten", bezog Holger Goller klar Stellung zu vereinzelten
Bestrebungen, demzufolge die schreckliche Vergangenheit nicht immer
wieder thematisiert werden sollte. "Christen stehen für Toleranz und
Offenheit gegenüber allen Personen", betonte er, gerade angesichts
jüngster Anfeindungen gegen Ausländer. Immer wachsam gegen Feinde der
Demokratie zu sein, riet Regina Scholz; denn bereits in den nächsten
Tagen gelte es, wieder friedlichen Widerstand gegen eine in Wunsiedel
geplante Kundgebung der rechtsextremen Gruppe "Der dritte Weg" zu
leisten.
Die Rednerin wies schließlich zu Veranstaltungen zum
zehnjährigen Bestehen des Langen Gangs in Schwarzenbach an der Saale
hin und lud zu dem Vortrag "Todesmärsche" von Ulrich Fritz von der
Stiftung Bayerische Gedenkstätten am Donnerstag, 13. November, ein und
zum Kabarettabend unter dem Titel "Witz als Widerstand" mit Gerti
Baumgärtel am Dienstag, 18. November. Beide Veranstaltungen finden
jeweils um 19 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Schwarzenbach an der
Saale statt. Die Feier in Helmbrechts sollte auch die Botschaft
vermitteln, dass sich die überwiegende Mehrheit im Land ein friedliches
Zusammenleben der Menschen aus den verschiedenen Nationen wünsche und
jegliche ausländerfeindlichen Parolen ablehne. Deshalb würdigten die
Vertreter von Stadt, Kirche und Bürgerinitiativen auch jene Personen,
die sich nach der furchtbaren Naziherrschaft, oft nicht im Licht der
großen Öffentlichkeit, für die Versöhnung zwischen den Völkern
einsetzten. W.
B.
Es
ist wichtig, immer wieder an diese Untaten zu erinnern.
Bürgermeister Stefan
Pöhlmann
Stichwort Pogromnacht
Die Pogromnacht vom 9.
auf den 10. November 1938 - auch Reichskristallnacht oder
Reichspogromnacht genannt - waren vom nationalsozialistischen Regime
organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im damaligen
gesamten Deutschen Reich.
Dabei wurden vom 7. bis 13. November 1938 rund viele
Hundert Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. In dieser
Nacht brannten in Deutschland über 1400 Synagogen, Betstuben und
sonstige Versammlungsräume. Ferner wurden Tausende Geschäfte, Wohnungen
und jüdische Friedhöfe zerstört. Vom 10. November 1938 an wurden
Zehntausende Juden in Konzentrationslagern inhaftiert. Hunderte dieser
Menschen wurde ermordet oder starben an den Folgen der Haft.
Blickpunkt Pressebericht Ausgabe 24.09.2014

Pressebericht Ronald Dietel
Letzter Gang für Klaus Bruno Engelhardt
Klaus Bruno Engelhardt ist nicht mehr.

Schwarzenbach an der Saale -
Am
Freitag wurde das Urgestein des Widerstands gegen den Neonazismus,
überzeugter Gewerkschafter und leidenschaftlicher Linker in
Schwarzenbach zu Grabe getragen. Mitten aus seinem Schaffen
herausgerissen, ist Engelhardt am 25. April einer schweren Krankheit
erlegen. 400 Trauernde begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Zur
Trauerhalle auf dem Friedhof sind viele Personen aus dem öffentlichen
Leben, Gewerkschafter, Funktionäre der Partei Die Linke sowie deren
Bundestags- und Landtagsabgeordnete, gekommen. Klaus Bruno Engelhardts
Rat, aber auch seine Kritik, waren über die Parteigrenzen hinaus sehr
geschätzt. Er war stets um Ausgleich und gemeinsam gangbare Wege
bemüht. Seine ganze Tatkraft widmete er der Schaffung einer gerechteren
Gesellschaft. Engelhardt war Ex-Vorsitzender des VVN-BdA,
Gründungsmitglied des "Vereins gegen das Vergessen". Er ist auch
Mitinitiator der Schwarzenbacher Gedenkstätte "Langer Gang" gewesen.
Auf seine Initiative hin wurde der Kreisverband Hochfranken der Partei
Die Linke gegründet. Dessen Vorsitzender war er sechs Jahre lang. Von
2006 bis 2011 war er persönlicher Mitarbeiter der
Linken-Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter. Der Höhepunkt
seiner politischen Karriere erfolgte im Jahr 2011: Er wurde zum
Landesgeschäftsführer der Linken in Bayern berufen.
Wir
sind alle sehr traurig.
Unser ganzes Mitgefühl gilt seiner Familie.
Filmteam
arbeitet in der Gedenkstätte "Langer Gang"

Eine Gruppe junger Leute aus Burghausen besuchte in der vergangenen
Woche die Schwarzenbacher Gedenkstätte "Langer Gang". Dort wird an die
über 1100 Frauen erinnert, die im April 1945 von Helmbrechts aus auf
einen Todesmarsch getrieben wurden; erst in Volary im heutigen
Tschechien wurden die Überlebenden von den Amerikanern befreit.
Gemeinsam mit dem Altöttinger Kreisjugendpfleger Hannes Schwankner
arbeiten die jungen Menschen an einem langfristigen Projekt mit dem
Titel "Nazis versus Demokratie". Sie stellen eine Verknüpfung her
zwischen der Zeit des Dritten Reiches und dem heutigen Deutschland und
Europa. Dabei stellen sie sich den Fragen "Was passierte wann wo wie,
was passiert heute wieder? Wo gab und gibt es Widerstand? Welche Opfer
gab es damals und gibt es heute? Wer war damals Täter und wer ist es
heute? Wie stark ist unsere Demokratie heute?
Geschichte erforschen, erarbeiten, ihre Bedeutung, Zusammenhänge und
Kontinuitäten sollen dabei erfahren werden. Gedenkstätten des
Nationalsozialismus sowie andere Orte, die in besonderem Maße von neuen
rechtsextremen Problemen betroffen sind, werden besucht, um vor Ort das
Erarbeitete weiter zu führen, zusammen mit Jugendgruppen, evtl.
Überlebenden und Bündnissen, die vor Ort arbeiten. Das Arbeitsergebnis
soll in einem Film zusammengefasst werden, mit dem anschließend in
Schulen etc. weiter gearbeitet wird.
Die Reise der Jugendlichen begann in ihrem Heimatort
Burghausen. Sie ging weiter nach Dachau, Wunsiedel, über
Schwarzenbach/Saale nach Hof und Regnitzlosau. Eine weitere Fahrt nach
Zossen, Dresden, Rostock/Lichtenhagen und schließlich Auschwitz und
Mauthausen ist geplant.
Die Besucherinnen im "Langen Gang" waren zwischen 15
und 23 Jahren alt. Sie organisierten sowohl das Projekt in seiner
Durchführung mit der Reiseplanung, den Übernachtungen und der
Öffentlichkeitsarbeit, als auch inhaltlich die Kontaktierung von
Bündnissen und Überlebenden. Schließlich ging es auch um die technische
Umsetzung der Filmgestaltung und des Drehbuchs.
Auf die Idee zu diesem Projekt kam der Gruppe bei der
Recherche zu einem ehemaligen Lager im Mühldorfer Hart. Auch dazu
entstand ein Film, und gleichzeitig die Einsicht, dass das Bemühen um
Erinnerung nicht überall gern gesehen ist. Manche Fakten werden
schlicht als nicht umfangreich genug oder als nicht erinnerungswürdig
eingestuft.
Im "Langen Gang" wurde die Gruppe von Nanne Wienands
begleitet, die im "Verein gegen das Vergessen" mitarbeitet. Sie stand
Rede und Antwort, berichtete über die Gründe und die Anfänge der
Schwarzenbacher Gedenkstätte, die im November 2014 ihr zehnjähriges
Bestehen begeht. "Wir werden im November 2014 etwa eine Woche lang
verschiedenste Veranstaltungen organisieren, die dem Vergessen
entgegenwirken sollen," erklärte sie. Sollte dann der Burghausener Film
bereits fertig sein, könnte er Bestandteil des Programms werden.
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